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Oltner Stadtgeschichten für Strickfreunde

Alex Capus las vor, und die Damen strickten. Die Literaturlismete in Bülach verband Handwerk mit Kunst und lockte damit vor allem Frauen an.

Bülach. - Im Halbrund sitzen etwa fünfzig Literatur- und Strickfreunde auf dem Rathausplatz von Bülach und warten gespannt auf den Beginn der Lesung. Noch wird dieser durch übermächtiges Kirchenglockengeläut verzögert, doch bald schon räuspert sich der Autor Alex Capus und erzählt den Zuhörern von seinem Leben, seinen Büchern und von Olten, das den Dreh- und Angelpunkt seines neusten Geschichtsbands darstellt. Er zieht Parallelen zu Bülach und schildert Kleinstadtanekdoten, die im Publikum für Heiterkeit sorgen und mit Szenenapplaus gewürdigt werden.

Die Literaturlismete von gestern Sonntag ist ein Gemeinschaftsprojekt der Altstadtbuchhandlung, der Stadtbibliothek und des Strickwarenladens Tuttolana. Diese Verbindung kommt vor allem bei Frauen gut an. Ein gutes Dutzend nutzt die Chance, das Hobby mit Literatur zu kombinieren, und lauscht mit klappernden Lismernadeln den Erzählungen von Capus.

Für Herz, Kopf und Hand

«Beim Lismen kann man vernetzt denken», sagt Ruth Guldenschuh. Für die Besitzerin des Tuttolana ist die Verbindung von Handwerk und Literatur naheliegend. Es sei beliebt, während des Lismen einem Hörbuch zu lauschen oder fernzusehen. Die Literaturlismete gehe hier bloss einen Schritt weiter. «Es geht uns darum, die Leute neugierig zu machen», erklärt Barbara Keuzenkamp von der Stadtbibliothek. Die Veranstalterinnen sind sich einig, dass die diesjährige Literaturlismete ein voller Erfolg ist. Den geringen Männeranteil möchten sie nicht auf das Lismen zurückführen. «Lesungen locken halt allgemein eher Frauen denn Männer an.» Für nächstes Jahr seien denn auch keine wesentlichen Änderungen geplant.

Für Daniela Utzinger aus Bülach ist der Anlass eine gelungene Mischung aus Herz, Kopf und Hand, «hier werden alle Sinne angesprochen». Ausserdem habe sie einen ihr bis anhin unbekannten Autor kennen lernen können. «Die Geschichten von Alex Capus haben mich neugierig gemacht.»

Katharina Strehler aus Niederglatt gefällt, dass an der Literaturlismete Menschen mit den gleichen Interessen zusammenkommen und ihren Hobbys nachgehen. «Normalerweise schauen die Leute blöd, wenn ich in der Öffentlichkeit mein Strickzeug auspacke», sagt sie. Etwas schade findet Strehler, dass so wenig Männer sich für den Anlass begeistern konnten. Sie glaubt, dass viele durch das Lismen abgeschreckt wurden. Dies sei halt doch noch mehrheitlich eine Frauendomäne. Gleicher Meinung ist Christian Ulrich. Der Glattfeldner ist einer der wenigen Männer unter den Zuhörern und selbst kein Lismer. Er wollte in erster Linie den Autor Alex Capus einmal erleben. «Ich habe schon viele Bücher von Capus gelesen», sagt Ulrich, «seine Geschichten sind einfach phänomenal.»

Ulrich kann sich gut vorstellen, dass viele Männer nicht gekommen sind, da sie sich ihrer fehlenden Strickkünste schämen. «Ich hätte wirklich gerne mitgestrickt, doch das Ergebnis wäre wohl nicht so schön anzuschauen gewesen», sagt er mit einem Schmunzeln. Für Alex Capus waren die lismenden Zuhörerinnen eine neue Erfahrung, die er jedoch nicht missen möchte. Sein Fazit: «Es war ein sehr angenehmer Anlass, den ich jederzeit wiederholen würde.»

Alex Capus liest an der Bülacher Literaturlismete aus seinem neuen Buch «Der König von Olten» und kommt damit gut an.

Daniela Utzinger aus Bülach gefällt die Literaturlismete als «Anlass für alle Sinne».

Katharina Strehler aus Niederglatt strickt aus Leidenschaft.

Christian UIrich aus Glattfelden liest Alex Capus schon lange und ist von ihm begeistert.

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