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Opfikon sucht den «Super-Verleger»

Walter Frey will den Opfiker «Stadt-Anzeiger» kaufen. Er machte an einer Podiumsdiskussion deutlich, dass wirtschaftliche Gründe im Vordergrund stehen.

Von Sandra Zrinski Opfikon – Neben den beiden Gemeinderäten Amr Abdelaziz (SP) und Leo Wehrli (SVP) sass Walter Frey, Vize-Präsident der SVP Schweiz, vor rund 90 Zuhörern. Frey will den «Stadt-Anzeiger» vom langjährigen Besitzer Theophil Maag übernehmen. Walter Frey werde wohl kaum sein Geschäft vernachlässigen und sich nur noch um den Opfiker «Stadt-Anzeiger» kümmern. Das sei auch nicht nötig, um den Inhalt des Blattes zu beeinflussen, sagte Abdelaziz in der Diskussionsrunde vom Dienstagabend. Den Machern einer Zeitung sei bewusst, wer ihren Lohn zahle, so finde immer eine Beeinflussung statt. Die Opfiker Sozialdemokraten befürchten, dass das Blatt damit inhaltlich nach rechts rutscht. Die Partei hat deshalb das Referendum ergriffen: Das Volk wird am 15. Mai an der Urne entscheiden, ob der «Stadt-Anzeiger» amtliches Publikationsorgan von Opfikon bleibt. Dieses Vorgehen sei reine Zwängerei, entgegnete Wehrli. Das Volk habe 2007 darüber abgestimmt, ob der «Zürcher Unterländer» oder der «Stadt-Anzeiger» das Publikationsorgan sein soll. «Es hat sich für den Anzeiger entschieden und damit auch für die Verlängerungsoption, die der Stadt eingeräumt wird.» Die Umstände seien aber anders gewesen, widersprach Abdelaziz. «Wir haben damals auch Theophil Maag unterstützt.» Nun stehe aber ein Wechsel an. Nicht nur der Verleger sollte wohl überlegt ausgesucht werden. «Auch der Vertrag muss neu ausgehandelt werden», sagt Abdelaziz. Derzeit zahlt die Stadt jährlich rund 270?000 Franken an den Anzeiger. Verleger will Geld der Stadt Walter Frey machte keinen Hehl daraus, dass der Beitrag der Stadt entscheidend ist. Wird das Referendum angenommen, platzt der Deal zwischen Maag und Frey. «Ich will den Anzeiger schliesslich aus wirtschaftlichen Gründen kaufen», sagt Frey. Die Politik spiele keine Rolle. Mit einem weiteren Blatt liesse sich die Infrastruktur der Lokalinfo AG, in die der Anzeiger integriert würde, besser auslasten. Die Firma Lokalinfo gehört Frey und gibt verschiedene Gratisanzeiger heraus. Die Sozialdemokraten lehnen Frey als Verleger des lokalen Blattes ab. «Weitere Personen interessierten sich dafür. Sie hätten die Zeitung nicht als Unternehmer gekauft, sondern weil sie Journalismus betreiben wollen», sagte Abdelaziz. Wehrli bezeichnete diese Forderung als Zumutung. Niemandem könne vorgeschrieben werden, an wen er sein Eigentum verkaufen müsse. «Opfikon sucht also einen Super-Verleger», kommentierte Moderator Adrian Krebs, Redaktor der NZZ, die Voten. Stadtpräsident sucht Mittelweg Stadtpräsident Paul Remund (FDP) versuchte, einen Mittelweg aufzuzeigen. Sollte der «Stadt-Anzeiger» an die Lokalinfo AG und damit an Frey gehen, müsste der neue Verlag in den kommenden vier Jahren zeigen, dass er die Vorgaben der Stadt erfüllen kann. Dagegen ist aber nicht nur die SP. Eine Zuhörerin konstatierte: «Vier Jahre sind eine lange Zeit, um nur zuzuschauen.» Krebs wollte von Frey wissen, ob er auf die Berichterstattung der Zeitung Einfluss nehmen werde. «Sie haben als Autoimporteur 20 Jahre lang keine Inserate im ‹Tages-Anzeiger› geschaltet.» Das wurde von Frey nicht bestritten. Als Grund nannte er die autokritischen Artikel, welche der «Tages-Anzeiger» veröffentlicht habe. «Ich habe in den von der Lokalinfo herausgegebenen Zeitungen noch nie etwas geschrieben», sagte Frey, «aber vielleicht mache ich das noch.» Ob denn ein Leserbrief abgedruckt würde, in dem Blocher als «Schein-Patriot» bezeichnet würde, fragte Krebs weiter. Der jetzige Besitzer Theophil Maag hatte kürzlich ein entsprechendes Schreiben von Abdelaziz nicht publiziert. Das müsse die Redaktion entscheiden, wand sich Frey heraus. «Aber Christoph Blocher hat sich schon Schlimmeres anhören müssen.» Walter Frey Vize-Präsident SVP Schweiz. Leo Wehrli Gemeinderat SVP. Amr Abdelaziz Gemeinderat SP.

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