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Paracelsus-Spital will kein Privatspital werden

Trotz des neusten Entscheids des Bundesrats zur Komplementärmedizin wartet auf das Paracelsus-Spital noch eine weitere Hürde: Das kleinste Spital des Kantons muss den Sprung auf die Spitalliste schaffen.

Von Thomas Zemp und Ev Manz Richterswil – Fürs Erste kann Lukas Rist, Geschäftsführer des Paracelsus-Spitals, aufatmen. Am Mittwoch verkündete der Gesundheitsminister Didier Burkhalter (FDP), dass er die Komplementärmedizin von 2012 bis 2017 wieder in die Leistungen der Grundversicherung aufnehmen werde (TA von gestern). Dies, obwohl die Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen davon abgeraten hatte. Es fehle am Nachweis von Wirkung, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Methoden. «Das spornt mich und mein Personal an, unseren Weg weiterzugehen», sagt Rist. Genau deshalb nimmt das Haus in Richterswil eine Sonderstellung ein: Es bietet die medizinische Grundversorgung der Schulmedizin an, zusätzlich können Patienten auch mit Komplementärmedizin behandelt werden. Die fünf Behandlungsmethoden, Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie und Traditionelle Chinesische Medizin, welche von der Grundversicherung künftig gedeckt werden, bietet das Spital an. Subventionen dank Spitalliste Als Co-Präsident des Dachverbands Komplementärmedizin hatte er sich deshalb dafür starkgemacht, dass die fünf Behandlungsmethoden der Komplementärmedizin wieder Eingang in die Grundversicherung finden. Dass er das zumindest für eine beschränkte Periode erreicht hat, ist für Rist ein Teilerfolg. «Für uns ist ebenso wichtig, dass die komplementärmedizinischen Fachgesellschaften von Beginn weg in den Evaluationsprozess einbezogen werden.» Damit bekomme die 20-köpfige Kommission, in der bisher nur ein Komplementärmediziner Einsitz nahm, ein anderes Gewicht. «Und in den sechs Jahren können einige zusätzliche Nachweise für die Wirkung der Komplementärmedizin erbracht werden.» Unter den neuen Voraussetzungen hegt Rist auch grössere Hoffnungen, den Sprung auf die neue Spitalliste zu schaffen. Die Gesundheitsdirektion wird bis im Mai im Strukturbericht bekannt geben, welche Spitäler auf der Liste Platz finden sollen und welche nicht. Laut Gesundheitsdirektion wird der Regierungsrat im Oktober die definitive Spitalliste beschliessen. «Für uns ist die Aufnahme auf die Spitalliste eine sehr entscheidende Frage», sagt Rist, «denn das könnte unsere finanzielle Ausgangslage verändern.» Heute bietet das Paracelsus-Spital zwar die Grundversorgung eines Spitals an, profitiert aber nicht von den Subventionen durch den Kanton. Es kann die Kosten über die Krankenkasse abrechnen und erhält vom Kanton nur einen Projektzuschuss. Dieser hängt von der Belegung ab und beträgt nicht ganz 1 Million Franken pro Jahr – bei einem Umsatz von 27 Millionen Franken. Alle anderen Spitäler auf der Spitalliste können die Kosten über die Krankenversicherung abrechnen; den fehlenden Anteil übernehmen Kanton und Gemeinden. Immerhin kann das Paracelsus-Spital auf seinen Trägerverein zählen: Neben den Beiträgen der etwa 2000 Mitglieder gibts von dieser Seite auch noch Spenden. Privatspital als Alternative Welche Leistungen Rist mit seinem Spital in Zukunft anbieten möchte, sagt er nicht. Die Gespräche zur Spitalliste mit der Gesundheitsdirektion würden laufen, sagt Rist. «Ich will das gute Gesprächsklima nicht gefährden.» Welche Chancen das Paracelsus-Spital hat, auf die Spitalliste zu kommen, will die Gesundheitsdirektion nicht sagen. «Nicht die Grösse eines Spitals gibt den Ausschlag, sondern die Qualität und die Wirtschaftlichkeit», sagt Kommunikationsleiter Urs Rüegg. Was aber würde mit dem Spital passieren, würde es nicht Aufnahme finden auf dieser Liste? «Es gäbe wohl nur eine einzige Möglichkeit zum Überleben: Wir müssen uns zu einem Privatspital wandeln», sagt Rist. «Das wäre aber nicht im Sinne unserer Ausrichtung und auch nicht das, was der Trägerverein will.» Vermutlich müsste sich das Spital noch stärker auf die Onkologie konzentrieren. Und Rist müsste mit den Krankenkassen aushandeln, welche Leistungen sie mit den Zusatzversicherungen schliesslich übernehmen würden. Herausforderung Fallpauschale Der Entscheid des Bundesrats zur Aufnahme der Komplentärmedizin in die Grundversicherung wird für Rist noch weitere Auswirkungen zeigen: Er hat Einfluss auf die Fallpauschalen, die auf das kommende Jahr hin in den Spitälern eingeführt werden. Ab dann werden nicht die eigentlichen Leistungen verrechnet, die in der stationären Behandlung erbracht werden, sondern Pauschalbeträge für Behandlungsfälle und Gruppen – beispielsweise für die Blinddarmoperation bei einem Kind. Nun besteht tatsächlich die Chance, dass auch diese komplementärmedizinischen Behandlungen in die Fallpauschale aufgenommen werden. Das Paracelsus-Spital muss auf jeden Fall rechnen: «Für uns werden die Fallpauschalen so oder so zur Herausforderung», sagt Geschäftsführer Rist. Denn es behandelt Patienten ganzheitlich, was meist automatisch einen personellen Mehraufwand bedeutet. Und Sparen ist schwierig, da die meisten Kosten fix sind. «Beim Personal können wir nicht sparen – die Löhne bei uns sind heute schon niedriger als in anderen Spitälern», sagt Rist. «Unsere Leute arbeiten hier aus Überzeugung.» Lukas Rist ist zuversichtlich, dass sein Spital den Sprung auf die Spitalliste im Herbst schaffen wird.Foto: Sabina Bobst

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