Zum Hauptinhalt springen

«Pauschalisierung ist Stimmungsmache»

Wohnen in ZürichMachtlos gegen Wohnschmarotzer,TA vom 3. März Wenig reiche Leute. Mit einigem Erstaunen nehme ich als Bewohner der Riedtlisiedlung aus dem «Tages-Anzeiger» zur Kenntnis, dass ich über ein «dickes Portemonnaie» verfüge. Der Titel des Artikels – wie auch der Anriss auf der ersten Seite – und das beigefügte Foto von der Riedtlisiedlung suggerieren nämlich, hier würden vornehmlich reiche Leute in billigen Wohnungen hausen. Ich besitze aber weder ein Ferienhaus noch eine Ferienwohnung, und ich düse auch nicht jedes halbe Jahr ferienhalber auf die Malediven oder in die Karibik. Ich bewohne meine Wohnung auch selber mit meiner Familie und betreibe keine Untermiete. Nach meinen Beobachtungen werden neu zu vermietende Wohnungen vorwiegend an Familien mit Kindern vergeben. Es gibt auch Alleinerziehende mit Kindern in der Siedlung – also alles Mieterkategorien, die heutzutage weiss Gott nicht automatisch zu den Wohlhabenden gehören. Ich kenne zudem niemanden aus meinem Bekanntenkreis in der Siedlung, auf den die im betreffenden Artikel erhobenen Vorwürfe zutreffen würden. Der Clou ist ausserdem, dass das inkriminierte «krasse» Beispiel mit der 5-Zimmer-Wohnung sich «in Oerlikon» befinden soll. Wozu wurde dann ein Bild von der Riedtlisiedlung gezeigt, die damit gar nichts zu tun hat? Nach den Scheininvaliden und den Sozialschmarotzern sind wir jetzt bei den Wohnschmarotzern gelandet. Einzelfälle sind natürlich immer möglich (wo gäbe es das nicht), aber derartige Pauschalisierungen von Bewohnergruppen sind – mit Verlaub gesagt – billige Stimmungsmache nach bekannter und bewährter Manier. Schliesslich ist es gewiss kein Skandal, wenn es in der Stadt Zürich noch Wohnungen gibt, die der Spekulation entzogen sind. Über die Auswirkungen der «quartierüblichen Marktmiete» kann man ja fast täglich nicht zuletzt auch aus dem «Tages-Anzeiger» einiges erfahren. Über die Hintergründe der gegenwärtig in Zürich herrschenden Misere auf dem Wohnungsmarkt kann man in derselben Tagi-Ausgabe auf Seite 9 Zutreffenderes lesen. Wolfgang Maier, Zürich Kein Wort über Spekulation. Der süffige Titel und die konstruierte Einleitung des Artikels erwecken den Verdacht, dass es dabei nicht um Information, sondern um reine Stimmungsmache geht. Stimmungsmache gegen die SP und gegen all jene, die nach differenzierten Lösungen des Wohnproblems in der Stadt Zürich suchen. Kaum erklärt die SP in ihrem Wahlprogramm, dass sie sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt, zieht der «Tages-Anzeiger» über «Wohnschmarotzer» her und bringt zusätzlich unter dem Stichwort «Analyse»alte und unkritische Ideeneines im Sold einer Privatbank stehenden Journalisten, als hätte es nie eine Finanzkrise gegebe, Ideen, die wohl eher auf die Seite des Leserforums gehört hätten. Kein Wort in diesen Artikeln über die Spekulationen im Wohnungsbau, kein Wort über die Mietzinsentwicklung in der Stadt Zürich. Lorenz Stampa, Zürich Neid auf bescheidenen Wohlstand. Nur schon die Schlagzeile des Gewicht versprechenden ganzseitigen Artikels erweckt ein flaues Gefühl im Magen. Wenn ursprünglich Einkommensschwache durch eigene Anstrengungen plötzlich zu einem (notabene immer noch bescheidenen) Wohlstand kommen, widerfährt ihnen sofort Neid und Anspruchsdenken anderer. In einer Stadt, wo der soziale Bodensatz augenscheinlich ein deutlich wahrnehmbares Niveau erreicht hat, ist dies besonders störend. Und ein weiterer Aspekt ist interessant: Plötzlich scheinen die auf rotem Boden gewachsenen Mieterschutzbestimmungen (welche private Hausbesitzer schon lange leid sind) überdenkenswert. Ich halte die aufgeworfene Sache für sehr merkwürdig, weil sie einmal mehr die Grenzen linken Denkens aufzeigt. Indem man Hass, Missgunst und Empfängermentalität schürt, wird die Problematik hoher Mietzinse jedenfalls nicht gemildert. Michael Steiner, Winterthur «Ich kenne zudemniemanden in der Siedlung, auf den die im ArtikelerhobenenVorwürfe zutreffen würden.» Die städtische Wohnsiedlung Riedtli in Zürich.Foto: Beat Marti

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch