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Pensionierter hat Achtjährigen im Hallenbad nicht belästigt

Der pensionierte Lehrer, dem vorgeworfen worden war, vor einem Knaben onaniert zu haben, ist vom Bezirksgericht Horgen freigesprochen worden.

Von Anja Müller Horgen – Er habe die Vorhaut seines Penis an diesem Nachmittag in der Garderobe des Gattiker Hallenbads Schweikrüti einige Male zurückgeschoben, weil es ihn gejuckt habe. Sexuell erregt sei er zu keinem Zeitpunkt gewesen, sagte der 60-jährige Thalwiler vor zwei Wochen vor dem Bezirksgericht Horgen. Offenbar vermochte er zu überzeugen: Das Gericht sprach den ehemaligen Lehrer frei. Ihm war vorgeworfen worden, im November 2009 vor einem damals achtjährigen Jungen in der Hallenbadgarderobe onaniert zu haben. Zeugen dafür gab es keine. «Nie an Unschuld gezweifelt» Der bisexuelle Mann erhält nun laut dem Gericht eine Entschädigung von 800 Franken – 200 Franken für jeden der vier Tage, den er nach der Verhaftung vor genau einem Jahr zu Unrecht in Untersuchungshaft verbringen musste. Die Gerichtskosten bezahlt der Staat. Mit dem Urteil folgt das Bezirksgericht dem Antrag des Verteidigers Ueli Vogel-Etienne. Dieser hatte neben einem vollständigen Freispruch eine Entschädigung für seinen «traumatisierten» Mandanten gefordert. Die Staatsanwaltschaft auf der anderen Seite hatte auf eine bedingte Gefängnisstrafe von sechs Monaten sowie eine Busse von 6000 Franken plädiert. Während der Gerichtsverhandlung am 3. Dezember war der heute neunjährige Junge nicht anwesend. Genauso wenig wie seine Eltern und der Staatsanwalt. Lediglich der Angeklagte und sein Anwalt sassen dem Richter gegenüber. Sie warfen dem Knaben vor, eine «ausschweifende und blühende Fantasie» zu haben und bei der Befragung durch die Polizei eine «riesige Show» abgezogen zu haben. Für Anwalt Ueli Vogel-Etienne gab es keinen Zweifel, dass der Junge – nachdem er zu Hause von seiner Mutter bei Masturbationsbewegungen erwischt worden war – unter Druck erzählt hat, diese Bewegungen vor dem wöchentlichen Schwimmtraining in der Hallenbadgarderobe gesehen zu haben. «Freibrief für alle Pädophilen» Entsprechend selbstsicher reagierte Vogel-Etienne gestern auf den Freispruch: «Ich habe dieses Urteil erwartet. Die Anklage war so wenig überzeugend, dass ich nie an der Unschuld meines Klienten gezweifelt habe.» Dieser habe sehr erleichtert reagiert auf die Nachricht aus dem Bezirksgericht. Denn «einen solchen Vorwurf nimmt man natürlich trotz allem nicht auf die leichte Schulter». Die Mutter des Jungen, die den Thalwiler angeklagt hatte, ist empört über das Urteil: «Es ist traurig, dass einem erwachsenen Mann mehr Glauben geschenkt wird als meinem Sohn, der Masturbation und Ejakulation dieses Mannes treffend umschrieben hat.» Der «Gipfel der Frechheit» sei die finanzielle Entschädigung für den Mann.

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