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Für zwei Säuliämtler Skiakrobaten ist aus der Olympiateilnahme ein Geschäftsmodell geworden. Eine Internet-Auktion soll die Kosten für das Material einspielen, mit dem sie sich von der Konkurrenz abheben.

Dem Vergleich mit sportlichen Zwillingen stimmen Andreas Isoz und Thomas Lambert schnell und unisono zu. Beide sind sie eine feste Grösse im Schweizer Nationalteam der Skiakrobaten, beide sind sie 25 Jahre alt, beide leben sie in Mettmenstetten. Und beide versteigern sie in Eigeninitiative im Internet ihre Ski und spekulieren damit, dass sich ihr Finanzierungsprojekt «Road to Vancouver» an Olympia doppelt auszahlt. Als Paradesprung beherrschen sie je drei Saltos mit fünf Schrauben: Im Fall von Lambert nennt sich die Ausführung seiner waghalsigen Kombination über eine Schanze mit fast senkrechter Absprungfläche Rudy-Randy-Full, Isoz hat den Full-Triplefull-Full als Höchstschwierigkeit im Repertoire. In der Weltrangliste folgen sie Schlag auf Schlag an 10. und 11. Stelle - mit Vorteil für den Ex-Kunstturner Lambert.

Die Zahlen belegen es. «Unsere Karrieren bewegen sich seit Juniorenzeiten im Gleichschritt und aktuell auf gleicher Höhe», sagt Isoz. Allerdings fand regelmässig eine Wachablösung statt, immer wieder spornte der eine mit seinem Erfolg den anderen an. Die Wege, die zum Ziel geführt haben, wichen indes stark voneinander ab. Denn so verblüffend gewisse Parallelen sein mögen, so sehr sind die zwei charakterlich aus unterschiedlichem Holz geschnitzt. Lambert bemüht nochmals das eingangs gezeichnete Bild des Zwillingspaars und macht eine Einschränkung: «Als eineiige Zwillinge gingen wir sicher nicht durch.»

Einer Rebell, einer Diplomat

Isoz verkörpert den Draufgänger, wie er im Buche steht, und ereifert sich gern über Entscheide. «Ich kann einfach nicht auf den Mund hocken», räumt der gelernte Metallbaukonstrukteur ein und verweist auf Bode Miller, die Reizfigur im alpinen Skirennsport. «Er muss halt Dampf ablassen», nimmt Lambert seinen Freund in Schutz. Hin und wieder muss Isoz auch ein Zeichen setzen. Etwa als er einst aus der Nachwuchsnationalmannschaft ausgetreten war, um sich kurz darauf wieder dem Kader anzuschliessen.

Auf der anderen Seite zeichnen Lambert Geradlinigkeit und Geduld aus. «Die Tatsache, dass Thomas kaum je aus seiner Ruhe zu bringen ist, macht mich in gewissen Situationen noch rasender. Doch in meinen Augen ist er ein Mustersportler», erwähnt Isoz. Kürzlich wurde der studierte Volkswirtschaftler Lambert als Athletenvertreter in den Exekutivrat von Swiss Olympic gewählt.

Bekanntlich macht es die perfekte Mischung aus: die richtige Dosis aus Mut und Risiko bei ihrer mit viel Adrenalin gespickten Kernkompetenz als Aerials-Athleten sowie die ergänzende Zusammenarbeit beim Nahziel «Road to Vancouver». Ausgangspunkt ist, dass Isoz und Lambert bei den Olympischen Winterspielen 2010 an der Westküste Kanadas starten. Voraussetzung sind ein Top-8- oder zwei Top-12-Ergebnisse im Weltcup. Gleichzeitig mit der Saison wird vom 19. bis 22. Dezember im chinesischen Changchun die Qualifikationsperiode lanciert. Bei Olympia 2006 in Turin gehörte nur Lambert, der seinem Weggefährten auch den bislang einzigen Weltcup-Podestplatz voraus hat, zum Schweizer Team. Isoz erfüllte in der massgebenden Zeitspanne bloss die Hälfte der Selektionskriterien. «Mittlerweile stellt nicht mehr die sportliche Qualifikation die grösste Hürde dar, sondern die Beschaffung der finanziellen Mittel», ist sich Isoz sicher.

Vor- und Nachteil in einem

Die Kosten für die Olympiakampagne tragen zum Hauptteil Swiss Ski und Swiss Olympic. Die Verbände kommen für die Trainersaläre, alle Reise- und Unterkunftsspesen auf. Daneben müssen pro Saison und Kopf eigene Investitionen in der Höhe von 6000 bis 8000 Franken getätigt werden - nicht einberechnet sind die laufenden fixen Ausgaben zu Hause. «Weil unsere Vermarktungschancen schlecht stehen, sind innovative Massnahmen gefragt», erklärt Isoz. Mit Lambert schuf er 2008 eine Informationsplattform und gründete einen Supporter-Business-Club. Die Mitgliederbeiträge werfen 8000 Franken jährlich ab. «Viel wichtiger ist, dass wir mit unserem Newsletter pro Mal 600 Leute erreichen.» Denn der Sinn ihres Unternehmertums sei nicht, möglichst viel Geld zu scheffeln.

Nicht nur Aufmerksamkeit, sondern eine Einnahmequelle erhoffen sich die Skiakrobaten von ihrer neusten Idee. Über das Internetauktionshaus Ricardo können sich Interessierte einen Werbeauftritt auf ihren Ski ersteigern. Es handelt sich um ein in einer Bubiker Firma entwickeltes High-Tech-Produkt, das sich vom Vorgängermodell durch eine markante Gewichtsreduktion unterscheidet. «Wir versprechen uns erhebliche Vorteile. Zudem hat Swiss Ski mit dem Hersteller Exklusivrechte ausgehandelt», so Isoz. Ein Drittel der Kosten von 1500 Franken pro Paar Ski - bei einem Verschleiss von sechs Paaren pro Saison - fallen auf die Athleten zurück. Lambert und Isoz rotieren deshalb nicht nur in der Luft, sondern auch im Sponsoringwesen, um den sportlichen Nutzen nicht zum eigenen finanziellen Nachteil werden zu lassen. www.roadtovancouver.chwww.ricardo.ch Zwei Männer im Schnee: Andreas Isoz (links) und Thomas Lambert. Foto: PD

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