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Peter Marvey Der Zauberer aus Rüti wird zum zweiten Mal «Magician of the Year». Von Pia Wertheimer

Nur Zeit kann er nicht zaubern

Das Plakat zeigt einen blonden Beau in hautengen schwarzen Lederhosen. Breitbeinig lässt er mit ausgestreckten Armen eine leicht bekleidete Schönheit hoch über dem nebligen Boden schweben. Sein Blick und seine Pose strotzen vor Selbstsicherheit: Peter Marvey, 37, hat die Welt der Zauberer in den vergangenen Jahren im Sturm erobert. Der Zauberlehrling aus Rüti ist zum Meister avanciert und erhält heute zum zweiten Mal die Auszeichnung «Magician of the Year» - den Oscar der Magier.

Der Shootingstar am Zaubererhimmel steht in Jeans leibhaftig neben seinem Abbild. Seine hellen Augen leuchten, als er die Scheinwerfer der Kleintheaterbühne in seinem Magic-House in Feusisberg andreht. Das kleine Anwesen mit eigener Bühne hat sich der Zauberer mit seinen fliegenden Illusionen finanziert. «Nein, das hätte ich als Kind nicht zu träumen gewagt.» Seine leise und ruhige Stimme will nicht recht zum Showman auf dem Plakat neben ihm passen. Peter Marvey wirkt wie eine Mischung aus der Magie von Peter Pan und dem Ideenreichtum von Daniel Düsentrieb.

Als Dreikäsehoch träumte er bereits vom Fliegen. Aus Holz und Stoff fertigte sich der Knirps dafür Flügel an. Flugzeuge verblüffen heute noch den Mann, der es sich zum Beruf gemacht hat, Menschen in Erstaunen zu versetzen. Heute ist er es, der nur wenige Meter vor seinem Publikum abhebt - ohne Flügel. «Damit habe ich mir einen Traum erfüllt.» Doch für diese Illusion, wie Marvey seine spektakulären Zaubertricks nennt, reichen Stoff und Holz bei weitem nicht. Sie beruht auf ausgeklügelter Technik und jahrelangem Tüfteln. Als einer der wenigen seiner Zunft setzt Marvey seine eigenen Ideen um. Mit Stift, Block und Massstab ausgerüstet, brütet er aus, was einer Stimmung, einem Musikstück oder purem Zufall entspringt.

Alles begann mit der Karte eines Memory-Spiels, die in seiner Handfläche kleben blieb, als er die Hand aufrichtete. Gespannt lotete er aus, wie lange dieser Effekt anhalten würde, und war überzeugt, damit Aufmerksamkeit zu erregen. «Ich spürte damals, dass dieses Erlebnis bedeutend sein würde - in welchem Ausmass, konnte ich aber nicht abschätzen.»

Während er bereits auf verschiedenen Bühnen zauberte, trat Marvey ein Architekturstudium an. Dieses brach er nach einem Semester ab - es liess seiner Kreativität zu wenig Raum. «Die Zauberei hingegen unterliegt keinen gesetzlichen Grenzen.» Grenzen - gibt es nicht. Marvey lebt nach dem Credo: Es gibt für alles eine Lösung, man muss sie nur finden. Trotzdem stösst er an reale Limiten, denn der Erfolg fordert auch seinen Tribut.

«Die vielen Auftritte auf der ganzen Welt rauben mir Zeit, um kreativ zu sein.» Er würde seine Ideen lieber heute als morgen realisieren - ungeduldig wischt er den Gedanken mit einer Handbewegung weg. Zeit wünscht sich der Magier, der sich bei den ganz Grossen seiner Gilde bereits einen Namen gemacht hat. Zeit - unser wertvollstes Gut. «Ich kann sie mit keiner Illusion vermehren. Ich kann sie mir nehmen - trotzdem verrinnt sie immer», sinniert der Magier. Abwesend streicht er sich eine Strähne aus dem Gesicht. Nein, den Bezug zur Realität verliere er nicht - leider. Nur weil er die Wirklichkeit gut kenne, könne er seine Ideen in Illusionen umsetzen.

Mit seinen Illusionen verkörpert Peter Marvey im Scheinwerferlicht den selbstbewussten Magier. Fällt der Vorhang, wünscht sich ein bescheidener Mann, «Intoleranz wegzaubern» zu können.

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