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Pflegeheim-Skandal in Adliswil Behörden müssen neuen Vorwürfen nachgehen, TA vom 27. 9.

Pflegeheim-Skandal in Adliswil Behörden müssen neuen Vorwürfen nachgehen, TA vom 27. 9. Unternehmensethische Vorgaben. Der Skandal im Wohnheim Wolfhaus in Adliswil hat mindestens zwei Aspekte: Ob die vermutlich unsachgemässe Medikamentenabgabe mit der späteren tödlichen Erkrankung eines Mitglieds der Pflegewohngruppe zusammenhängt, ist noch nicht erwiesen. Hier hegt die ehemalige Pflegerin nur eine Befürchtung. Dass aber nach ihrer Meinung die Heimleitung ihre Meldung mit den Worten kommentierte: «Sie sind ja alt, und sterben werden sie sowieso bald einmal», das ist sofern die Aussage richtig ist der handfeste Skandal. Ob einer derart menschenverachtenden Bemerkung stellt sich die Frage, ob die Heimleitung ihre Aufgabe wirklich verstanden hat. Dass die würdevolle Begleitung demenziell erkrankter Menschen grosse Anforderungen an die Pflegenden stellt, steht ausser Frage, und es ist sehr anerkennenswert, wie die überwiegende Mehrzahl der Pflegenden die täglichen Herausforderungen bravourös meistert. Nur wenn die Pflegenden gut für diese Aufgabe vorbereitet sind, dann sind die Voraussetzungen gegeben, die den Patienten eine möglichst hohe Lebensqualität gewährleisten. Unternehmensethische Vorgaben, die von den Vorgesetzten vorgelebt werden, sind wegweisend; sie vermitteln, was die Würde des Menschen ausmacht. Hier ist gerade das Vorbild der Heimleitung gegenüber Schutzbefohlenen und Mitarbeitenden prägend und entscheidend. Wenn sie nicht unumstössliche Werte verinnerlicht hat, ist die Gefahr gross, dass die Patienten menschenunwürdig behandelt werden. René Künzli, Berlingen Präsident der Terz-Stiftung Pflege im Notstand. Wir werden uns wohl an solche Pflegeheim-Skandalmeldungen gewöhnen müssen. Zwar bin ich nach wie vor überzeugt, dass in den meisten Institutionen in der Schweiz heute (noch) eine qualitativ gute Pflege angeboten wird. Doch ich wage nicht darüber nachzudenken, wenn der Einzelfall zur Regel wird. Seit Jahren mangelt es an qualifizierten Pflegenden; der psychische und physische Anspruch an das Pflegepersonal in den letzten Jahren insbesondere durch die rasante Zunahme von Menschen mit Demenz, Alzheimer und anderen gerontologischen Erkrankungen ist markant gestiegen. Und Pflegenachwuchs lässt sich nur schwer rekrutieren — nicht zuletzt wegen der schlechten Lohnbedingungen und der unattraktiven Arbeitszeiten (Schicht- und Wochenenddienste). Wir, Stimmberechtigte und Verantwortliche im Gesundheitswesen, können die Pflege totsparen. Doch sollten wir uns dann nicht wundern, wenn wir in absehbarer Zukunft von japanischen Pflegerobotern und chinesischen Fliessbandarbeitern gepflegt werden. Es ist unverantwortlich, auf Kosten des Pflegepersonals Sparmassnahmen durchzuführen, um die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen. In erster Linie gilt es, die Lobbyisten (Profiteure im Gesundheitsmarkt) kritisch zu hinterfragen. Und nicht zuletzt sollten wir alle die längst fällige Diskussion über Sinn und Zweck des Machbaren in der Medizin führen. Michael Karras, Zürich Pflegefachmann (seit 1986) «Das Vorbild der Heimleitung ist prägend und entscheidend.»

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