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Pimp my Bachtobel - Männedorfs Jugend bekommt ein Refugium

Zuerst Friedhofsverbot, dann Schulhausverbot: Die Gemeinde hat den Jungen zwei Lieblingsörtchen genommen. Sie bietet jetzt aber echte Alternativen an.

Männedorf - Von staatlich subventionierten Kifferbänkli will Männedorfs Gemeindepräsidentin Heidi Kempin (FDP) natürlich nicht sprechen. Schliesslich gelten Recht und Gesetz auch unten im Töbeli. Fakt ist aber, dass die Gemeinde dort, mitten im Dorf, wo sich der Mülibach zwischen den Grabfeldern hindurchschlängelt, ein Plätzchen einrichtet, an dem sich die Jungen treffen können. Einen vor bösen Blicken abgeschirmten Ort zum Rumhängen, wo sie sich auch mal «nicht völlig korrekt» benehmen können, wie Schulpräsident Urs Kuhn sagt, «wo Jugendliche noch Jugendliche sein dürfen».

Es ist ein bemerkenswerter Schritt einer Gemeinde, die zuletzt vor allem mit repressiven Massnahmen gegen unangenehm auffallende Jugendliche von sich reden gemacht hat. Zuerst mit dem Friedhofsverbot für unter 18-Jährige, das sogar das Schweizer Fernsehen auf den Plan gelockt hat. Dann, als ein Polizist in Zivil mitten in der Nacht vier Sprayer im Teenageralter ertappte und abführen liess. Und diese Woche nun wieder, als die Schule verkündete, dass sie ihre Areale vor allem nach Einbruch der Dunkelheit quasi zum Sperrgebiet erklärt - Betreten verboten, unter Strafandrohung (TA vom 14. 4.).

«Wir werden immer vertrieben»

Dadurch bekam der Begriff des Respekts, den die Gemeindeoberen dem Dorf als Remedur gegen Vandalismus, Lärm und Littering verschrieben hatten, eine eigentümliche Note. Er klang plötzlich ziemlich einseitig nach Autorität. Dieser Missklang wird mit den neusten Massnahmen korrigiert: Dass die Gemeinde nun gezielt Orte aufwertet, an denen sich Jugendliche gern treffen, ist laut Heidi Kempin Ausdruck eines Respekts, der gegenseitige Rücksichtnahme meint - Rücksichtnahme also auch auf die Bedürfnisse der jungen Männedörfler.

Mehrere Schüler hatten sich anlässlich der Sperrung des Friedhofs, der direkt zwischen zwei Schulhäusern liegt und daher ein beliebter Aufenthaltsort war, bei der Gemeindepräsidentin beklagt: Überall, wo sie hingingen, würden sie vertrieben. Für Kempin aber ist klar, dass sich mit Verboten und Vertreibungen die Probleme nicht lösen lassen, sondern dass sie sich höchstens verlagern. «Nach der Friedhofsschliessung etwa machten sich plötzlich Jugendliche in privaten Gärten breit», sagt sie, «das geht natürlich nicht.»

Auch das erwähnte Mülibach-Töbeli ist ein Ort, an den die Jugendlichen laut Schulpräsident Kuhn ausgewichen sind. Hier allerdings sind sie geduldet. Mehr noch: Die Gemeinde will bei der bestehenden Feuerstelle demnächst Sitzbänke, Abfalleimer mit Aschenbecher und sogar einen gedeckten Unterstand errichten. Ähnliches ist im kleinen Park zwischen Friedhof und Kirche bereits heute Realität. Ferner ist geplant, im Sommer bei der Schule Blatten ein Beachvolleyball-Feld zu eröffnen.

Die Gemeinde kommt den Jugendlichen also entgegen, ohne ihnen aber gleich eine Carte blanche zu erteilen. «Auch diese Orte muss man mit allen teilen, und es gelten die gleichen Regeln wie überall», sagt Kempin. Will heissen: Wenn ein 16-Jähriger dort eine Zigarette raucht oder ein Bier trinkt, ist dagegen nichts einzuwenden. «Wenn sich aber ein 12-Jähriger nach Mitternacht noch dort rumtreibt, fehlt mir dafür das Verständnis», sagt Kempin. Und überhaupt: Der Alkoholkonsum berühre eine Grauzone. Denn nur zu oft seien «Dummheiten» die Folge. Wer etwa Steine auf den Bus werfe - wie auch schon geschehen - gehe zu weit. «Wenn Grenzen überschritten werden, greifen wir ein.»

Trinken trotz Alkoholverbot

Mit ähnlichen Fragen beschäftigt man sich auch in anderen Gemeinden; gerade jetzt, da sich die warme Jahreszeit auch in Form wachsender Abfallberge ankündigt. Die Lösungen sind aber andere als in Männedorf. In Zollikerberg etwa, wo im letzten Sommer eine nächtliche Messerstecherei für Schlagzeilen sorgte, soll das Schulareal für alle offen bleiben, wie Corinne Hoss von der Schulpflege sagt. Es gelte zwar ein Alkoholverbot, aber dieses lasse sich in der Nacht nur schwer durchsetzen. Zudem seien es keine Schüler, sondern ältere Jugendliche, die sich dann dort träfen. «Wir appellieren an die Vernunft.»

Uetikon wiederum hat vor einem Jahr ein Alkohol- und Rauchverbot über das Schulareal verhängt und kürzlich auch Verhaltensregeln für den Friedhof erlassen. Auf spezifische Alternativen für Jugendliche verzichtet die Gemeinde aber. «Die können abgesehen von diesen sensiblen Orten überall hin», sagt Othmar Ineichen, Leiter der Liegenschaftenverwaltung, «etwa an den Müli-Weiher oder an den Hafen.» Hier kommen Sitzbänke, Abfalleimer und ein Unterstand hin. Foto: Silvia Luckner

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