Polizei muss in Gammelhäusern eingreifen

Die Räumung der Problemhäuser an der Zürcher Neufrankengasse hat begonnen. Das ist kompliziert.

Zwei Polizeifahrzeuge vor dem Haus an der Neufrankengasse 6. Bild: Urs Jaudas

Zwei Polizeifahrzeuge vor dem Haus an der Neufrankengasse 6. Bild: Urs Jaudas

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«Seid ihr vom Schweizer Fernsehen?», ruft eine Frau mittleren Alters aus dem zweiten Stock. Als sie von den versammelten Medienvertretern auf der Strasse nicht sofort eine Antwort bekommt, schliesst sie das Fenster und zieht schnell die Vorhänge zu. Die Frau ist Mieterin in einer der beiden Problemliegenschaften an der Neufrankengasse im Zürcher Kreis 4.

Die verlotterten Häuser hätten bis Ende Jahr geräumt sein sollen, denn die Zustände in den Liegenschaften sind seit Monaten unhaltbar: Auswärtige Drögeler und Dealer gehen ein und aus, im Treppenhaus stapelt sich Abfall, vor Wohnungstüren liegt Erbrochenes, Essenreste kleben im Treppenhaus auf den Stufen, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Zuerst reden mit den Leuten

All dies soll nun so schnell wie möglich Vergangenheit sein, wie Hausverwalter Sherry Weidmann heute Nachmittag vor den Medien sagte: «Der Startschuss für die Räumung ist gefallen. Alle Mieter haben ihre Kündigung ordnungsgemäss per 31.12. 2016 erhalten.» Er werde nun mit den verbliebenen Personen im Haus das Gespräch suchen und sie auffordern, die Liegenschaft unverzüglich zu verlassen. «Verweigern sie sich oder kommen sie wieder zurück, wird gegen diese Leute ein Hausverbot verhängt.»

Und wenn auch dies nichts nützt? Dann, so Weidmann, bleibe nur noch die Ausweisung per Gerichtsbeschluss, wenn nötig mithilfe der Polizei. «Ich bin aber überzeugt, dass ein Polizeieinsatz nicht nötig sein wird. Ich rede mit den Leuten und werde sie im Gespräch überzeugen, ihre Wohnung zu räumen.»

Verriegeln und verbarrikadieren

Diese Gespräche werden wohl nicht so einfach sein. Mehrmals schickte Weidmann gestern Personen weg, die das Haus betreten wollten. Kaum hatten er ihnen aber den Rücken gekehrt, huschten sie schnell wieder in die Häuser und in ihre Wohnungen zurück. Es ist also anzunehmen, dass die Räumung an der Neufrankengasse noch mehrere Tage dauern wird.

Sobald die zwei Häuser leer sind, will Weidmann die Gebäude verriegeln und verbarrikadieren, um eine allfällige Besetzung zu verhindern. Was dann mit den beiden Liegenschaften geschieht, will der Hausverwalter zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Wir werden bezüglich Sanierung so bald wie möglich informieren.»

Kurz nach dem Startschuss zur Räumung, gab es dann doch einen Polizeieinsatz. Zwei Polizeifahrzeuge tauchten plötzlich auf und mehrere Polizisten verschwanden in einem der Häuser. «Ein Mitarbeiter von mir wurde angegriffen», sagte der Hausverwalter zum Vorfall. Das könne er nicht tolerieren, deshalb habe er die Polizei gerufen, um die Situation zu klären.

Erstellt: 04.01.2017, 16:43 Uhr

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