Porsche-Raser ohne Ausweis geblitzt: 22 Monate Gefängnis unbedingt

Wie sich ein 50-Jähriger in wenigen Sekunden seine Zukunft vermieste. Die Dauer all seiner Ausweisentzüge: bisher 80 Monate.

Er habe sich hinreissen lassen, um für ein paar Minuten den Druck zu vergessen, sagte der verurteilte Familienvater. Themenbild: Keystone

Er habe sich hinreissen lassen, um für ein paar Minuten den Druck zu vergessen, sagte der verurteilte Familienvater. Themenbild: Keystone

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Der Wahnsinn dauerte offenbar nur etwa zwanzig Sekunden. Auf der Albisstrasse von Rifferswil Richtung Mettmenstetten registrierte ein Messgerät auf Höhe der Abzweigung zum Schützenhaus die Geschwindigkeit eines Porsche Boxster S: netto 178 km/h statt der erlaubten 80 km/h – 98 km/h zu schnell. Am Steuer sass damals, im Mai 2017, ein heute 50-jähriger Schweizer.

Dass ihm bereits ein Jahr zuvor sein Führerausweis auf unbestimmte Zeit abgenommen worden war, er also trotz Entzugs des erforderlichen Ausweises den Sportwagen lenkte, machte seine Lage grad noch einmal ein wenig schlechter.

Für fast vier Jahre ins Gefängnis?

Für den Mann, von Beruf Autoverkäufer, kam es in der Folge vor dem Bezirksgericht Affoltern knüppeldick. Er sollte für fast vier Jahre, genau: für 46 Monate unbedingt, ins Gefängnis. Wie das?

Das Gericht berechnete für die Raserfahrt und das Fahren ohne Berechtigung netto 20 Monate. Aber da gab es noch eine Vorstrafe aus dem Jahre 2015. Damals war der Mann wegen diverser Vermögensdelikte zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt worden. Davon musste er 10 Monate absitzen, was er in Halbgefangenschaft erledigen konnte. Die restlichen 26 Monate wurden ihm zur Bewährung ausgesetzt. Weil der Mann während der Probezeit der Bewährungsstrafe mit dem Gesetz wieder in Konflikt geriet, widerrief das Bezirksgericht den bedingen Vollzug.

«Für ein paar Minuten den Druck vergessen»

Der Mann wandte sich wegen der «sehr, sehr harten Strafe» ans Obergericht. Dazu hatte er auch durchaus Grund. Denn das Bezirksgericht war überraschend deutlich über den Strafantrag des Staatsanwalts hinausgegangen, der in Affoltern «nur» eine Gesamtstrafe von 36 Monaten beantragt hatte.

Vom Gericht nach dem Grund für die Raserei gefragt, meinte der Mann, darauf gebe es «keine Antwort» und für die Fahrt trotz Ausweisentzug gebe es «keine Erklärung». Und doch lieferte er Antworten. Ihm sei «die extreme Überschreitung der Geschwindigkeit so nicht bewusst gewesen». Er habe die übersichtliche Strecke sehr gut gekannt, es habe wenig Verkehr gehabt.

Dass er überhaupt verbotenerweise wieder am Steuer sass, begründete er mit der schwierigen Zeit, in welcher er damals steckte. Wegen der begangenen Vermögensdelikte habe er Schulden im hohen sechsstelligen Bereich. Er habe sich «hinreissen lassen, für ein paar Minuten den Druck zu vergessen».

Gericht hatte ein Einsehen

Aber inzwischen habe sich vor allem seine familiäre Situation «massiv geändert». Erst mit dem Affoltermer Urteil «wurde mir bewusst, was das für meine Familie heisst», sagte er mit tränenerstickter Stimme. Wenn es bei der hohen Strafe und dem Verlust des Einkommens bleibe, wisse er nicht, was mit seiner Familie passiere.

Der Verteidiger beantragte, sein Mandant sei mit 16 Monaten zu bestrafen, wovon er die Hälfte absitzen müsse. Vor allem aber solle das Obergericht auf den Widerruf der bedingten Strafe von 26 Monaten verzichten. Im schlimmsten Fall soll das Gericht, wie vom Staatsanwalt ursprünglich beantragt, eine teilbedingte Strafe von 36 Monaten aussprechen. Davon soll der Mann 18 Monate absitzen, wobei er schon zehn verbüsst habe.

Ausweis bereits für insgesamt 80 Monate entzogen

Das Obergericht verzichtete auf den Widerruf der 26 Monate. Dies sei «ein grosses Entgegenkommen». Aber man müsse auch die Wirkung der Hauptstrafe berücksichtigen: Für die Raserfahrt und das Fahren trotz Entzugs verhängte das Gericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Eine bedingte oder teilbedingte Strafe kam für das Gericht nicht in Betracht.

Kein Wunder: Der Mann hat einen selten schlechten automobilistischen Leumund: Gegen ihn wurden schon rund 20 Administrativmassnahmen verhängt. Und die Dauer aller verhängten Führerausweisentzüge lag im Januar 2020 bei 80 Monaten.

Erstellt: 25.01.2020, 14:59 Uhr

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