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Postfinance baut aus: In Poststellen

Unter dem neuen Post-Chef Jürg Bucher rücken die Poststellen und Postfinance näher zusammen. Die Idee, 30 neue Beratungszentren zu bauen, wurde allerdings schon vor dem Chefwechsel entwickelt.

Die Postfinance hat ihr erfolgreichstes Jahr hinter sich. Darauf will sie aufbauen - und dabei das Poststellennetz nutzen. «Das Verteilnetz der Post ist ein Erfolgsfaktor. Wir wollen es pflegen und weiter ausbauen», sagt der seit einem Monat amtierende Post-Chef Jürg Bucher.

20 bis 30 Poststellen in regionalen Zentren und grösseren Agglomerationen sollen bis Ende des nächsten Jahres durch eine Beratungszone der Postfinance erweitert werden. Der Baubeginn für die Pilotprojekte in Ostermundigen, Horgen und Martigny ist für das zweite Quartal 2010 vorgesehen. Die Eröffnung ist für Ende Jahr geplant - vorausgesetzt, die Baubewilligungen werden rechtzeitig erteilt. Erste Gespräche mit den betreffenden Gemeinden haben bereits stattgefunden, wie die Post gestern mitteilte.

200 neue Arbeitsplätze

Bewährt sich das Konzept, entstehen 200 neue Arbeitsplätze. Für den Umbau wird mit Investitionen von 100 Millionen Franken gerechnet. Die Beratungszonen werden die 36 bestehenden Postfinance-Filialen ergänzen, die sich vor allem in den Innenstädten befinden. Bevor Postfinance eigene Filialen schuf, hatte sie in verschiedenen Städten ebenfalls Beratungszonen betrieben.

Postfinance-Chef Bucher wurde Konzernchef, nachdem der Verwaltungsrat seinen Vorgänger Michel Kunz im Dezember abgesetzt hatte. Die Idee zum Bau der neuen Beratungszonen habe er schon im Verlauf des letzten Jahres gemeinsam mit Poststellenleiter Patrick Salamin entwickelt, betont Bucher. Den Kunden würden in den neuen Postfilialen sowohl die traditionellen Dienstleistungen der Post als auch Finanzberatung und ein Warensortiment von Drittanbietern angeboten. Der Verkauf von Computern, Handys, Papeterieartikeln und Süssigkeiten stösst allerdings nicht überall auf Zustimmung.

«Mit den neuen Beratungszonen wollen wir vor allem die Geschäftsbeziehungen zu bestehenden Kunden ausbauen», sagt Bucher. Die Beratungszonen richteten sich in erster Linie an Privatkunden. Die Geschäftskunden würden von Postfinance-Beratern direkt in ihrem Betrieb beraten.

Neu mit Maestro-Karte zahlen

Aufgewertet werden auch die Agenturen: Ab dem 1. Februar sind in den mittlerweile 291 Postagenturen Einzahlungen mit der Maestro-Karte möglich. Bisher akzeptierte die Post ausschliesslich die Postfinance-Card. Die Neuregelung erlaube es breiten Bevölkerungskreisen, Einzahlungen in der «Post im Dorfladen» abzuwickeln, schreibt die Post. Bargeldeinzahlungen sind nicht erlaubt: Sicherheitsüberlegungen und das Geldwäschereigesetz sprechen dagegen.

Der nun zurückgetretene Post-Präsident Claude Béglé hatte in der Fernsehsendung «Club» gesagt, die Schliessung und Umwandlung von Poststellen verursache hohen politischen Schaden. Dieser werde durch die Kosteneinsparungen nicht aufgewogen. Laut Bucher gibt es jedoch keinen Plan, den Umbau des Poststellennetzes zu stoppen. Wie angekündigt würden zwischen 2009 und 2011 total 421 Poststellen überprüft. Ein Drittel sei bereits überprüft, je ein weiteres Drittel folge im laufenden Jahr und 2011. Das Poststellennetz solle so umgebaut werden, dass es die Kundenbedürfnisse am besten erfülle. Und die Kosten sollen dabei möglichst tief gehalten werden, sagt Bucher. Das könne zu Personalabbau führen. Die Post sei aber bekannt dafür, dass sie Stellen sozialverträglich abbaue.

«Unsere Umfragen zeigen, dass die meisten Kunden mit den Postagenturen sehr zufrieden sind», sagt der neue Post-Chef weiter. Positiv würden die Öffnungszeiten eingeschätzt: Agenturen seien teilweise mehr als neun Stunden und sogar am Wochenende offen. Das sei wesentlich kundenfreundlicher, als eine Poststelle aufrechtzuerhalten, die zwei bis drei Stunden pro Tag geöffnet sei.

Die Post transportiert heute 2,6 Milliarden Briefe im Jahr. Laut Béglés Einschätzung wird diese Zahl bis 2015 um 30 Prozent sinken. Bucher hingegen will keine Zahl nennen: «Als Ökonom habe ich gelernt, dass Prognosen heikel sind.» Die Post müsse mehrere Szenarien entwickeln, die sie je nach dem tatsächlichen Verlauf umsetzen könne. Jürg Bucher leitete die Postfinance, bevor er Post-Chef wurde. Foto: P. Schneider (Key)

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