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Preisparadies für Immobilienkäufer

Während im Grossraum Zürich die Immobilienpreise in den letzten Jahren überall angezogen haben, blieben sie in der Region Schaffhausen konstant tief.

Schaffhausen - Wer an der Autobahnverzweigung Mutzentäli in Schaffhausen nach Norden abbiegt, taucht in die Einsamkeit ein. Auf der gut ausgebauten Schnellstrasse Richtung Grenze ist kaum ein Auto unterwegs. Links huscht kurz das Dorf Merishausen vorbei, erst vier Kilometer weiter folgen die Häuser des Dörfchens Bargen, der letzten Ortschaft vor der Grenze. Wer in Bargen wohnt, nimmt unter Umständen lange Wege in Kauf, dafür sind Liegenschaften günstig. Ein neu erstelltes zweistöckiges Holzhaus mit 530 Quadratmeter Land und 130 Quadratmeter Wohnfläche ist hier für unter 400 000 Franken zu haben. «Der Verkauf läuft in Bargen rein über den Preis», sagt Immobilienmakler Dominique Walter von Dowa Immobilien aus Schaffhausen, der die Häuser vermarktet.

Doch nicht nur an abgelegenen Orten wie Bargen, sondern auch an zentralen Lagen lockt die Region Schaffhausen mit vergleichsweise tiefen Immobilienpreisen. Das zeigen die Erhebungen der Zürcher Kantonalbank für das Regionenrating des «Tages-Anzeigers» (siehe Grafik). Selbst in Stetten, der teuersten Gemeinde im Vergleich, kostet das Musterhaus klar unter 900 000 Franken, und sogar an guten städtischen Lagen in der Stadt Schaffhausen ist eine grosszügige Eigentumswohnung mit fünf Zimmern für um die 600 000 Franken erhältlich. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Anbieter: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Stadt Schaffhausen sehr gut», sagt Marcel Roost, Mitinhaber der Neuhausener Immobilienfirma Hirt, Roost und Partner. Das gelte selbst für luxuriöse Wohnungen. So hat er kürzlich zwei Dachwohnungen mit je rund 250 Quadratmeter Fläche und grosser Terrasse in einem Neubau an guter Stadtlage für je 1,7 Millionen Franken verkauft. «Davon kann man in Zürich und Umgebung nur träumen», sagt Roost. Am tiefen Preisniveau hat auch die gute Nachfrage in der Vergangenheit nichts geändert: Während beispielsweise in den nahen Zürcher Gemeinden Flurlingen und Feuerthalen (siehe Grafik) die Immobilienpreise in den letzten Jahren zugelegt haben, blieben sie ennet dem Rhein konstant.

Firmen bringen Neuzuzüger

Kein Wunder, preisen die Schaffhauser Wirtschaftsförderer ihren Kanton im Grossraum Zürich, aber auch im benachbarten Süddeutschland mit Werbekampagnen an. «Wir gehen davon aus, dass sich durch solche Massnahmen die Zahl der Zuzüge längerfristig positiv entwickeln wird», sagt Ueli Jäger vom Wohnortmarketing des Kantons Schaffhausen. Noch haben es die Schaffhauser Makler relativ wenig mit Neuzuzügern aus dem Raum Zürich zu tun: «Der Markt ist nach wie vor lokal geprägt», sagt Dominique Walter. Das könnte sich aber ändern, wenn die Verkehrsinfrastruktur und damit auch die Verbindungen nach Zürich noch besser ausgebaut sind (siehe Box). Trotzdem gibt es Zuzüger von auswärts: «Wir profitieren vor allem von der Ansiedlung international tätiger Firmen, die ihre Mitarbeiter gleich mitbringen», sagt Immobilienmakler Marcel Roost. Und dank dem in den letzten Jahren entstandenen Angebot an Wohnungen im gehobenen Segment würden nun auch die Führungskräfte in die Region ziehen und nicht nach Zürich ausweichen. Die neuen Firmen ziehen vor allem in die gut erschlossenen Gemeinden Neuhausen, Schaffhausen oder Thayngen. Trotzdem profitieren auch peripherere Orte wie Schleitheim, Hallau oder Neunkirch.

Die Anleger kommen zurück

Nachholbedarf hat die Region Schaffhausen aber vor allem auf dem Mietwohnungsmarkt. Wer in den Lokalzeitungen nach Wohnungen sucht, stösst sehr oft auf nicht mehr zeitgemässe Vierzimmerwohnungen mit knapp 90 Quadratmeter Wohnfläche in der Preisklasse zwischen 1300 und 1600 Franken. Sie sind ein Erbe aus der Zeit der grossen Industriebetriebe wie Georg Fischer oder SIG. «Grosse, moderne Mietwohnungen für 2000 Franken sind Mangelware, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre», sagt Roost. Grund für den Investitionsstau: Mit dem Niedergang der Industrie fehlte die Klientel, und die institutionellen Anleger verkauften ihre Liegenschaften. Unterdessen ist aber ein Silberstreifen am Horizont zu sehen: Pensionskassen beginnen wieder, im Raum Schaffhausen zu bauen und schaffen die benötigten Mietwohnungen modernen Zuschnitts. Die Rückkehr der institutionellen Anleger ist zugleich auch ein Zeichen dafür, dass der Schaffhauser Immobilienmarkt wieder als attraktiv eingestuft wird.

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