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Psychedelik und chaotische Tintenfische

Das Kunstmuseum Winterthur zeigt Werke von Fabian Marti, der den mit 15 000 Franken dotierten Manor-Kunstpreis des Kantons Zürich erhält.

Das Universum des Fabian Marti Ein wenig sieht er aus wie eine Raumschiff-Attrappe aus einem billigen Science-Fiction-Movie. Der windschnittige Sarkophag, an dessen Fussende durch einen Spalt Stroboskop-Blitze nach aussen dringen, ist das Herzstück der am letzten Mittwoch eröffneten 7. Manor-Preisschau im Kunstmuseum Winterthur, für die der diesjährige Preisträger Fabian Marti zwei Räume im Erdgeschoss bespielt. «Time for the Monkey to Move into Hyperspace» heisst die eigenwillige Kapsel des gebürtigen Fribourgers – und bringt damit gleich dessen Absichten zum Ausdruck: So sperrig das gute Stück, so geistig frei soll sich der Besucher bitte machen. Denn auf dem Plan steht: eine Horizonterweiterung. Anschnallen ist freilich nicht nötig. Denn für den Trip, auf den uns der ZHdK-Absolvent mitnimmt, brauchts keinen Standortwechsel. Wer nicht dem Beispiel des Künstlers folgen und sich (wie dieser an der Vernissage), in der Kiste liegend, von den Lichtblitzen erleuchten lassen will, dem seien die grossformatigen Fotogramme des 31-Jährigen als alternative Abhebhilfe ans Herz gelegt. Schwarzweisse Spiralmotive – traditionellerweise der visuelle Auftakt eines jeden LSD-Rausches – und ebensolche Lochmuster sorgen für subtile Hypnose. Seine geometrischen Motive hat Marti am Computer entworfen und mithilfe eines Scanners «entwickelt». Klassische Fotografie war gestern.Wer nun an vergleichbare Lichtbild-Experimente eines Duchamp, Man Ray oder Moholy-Nagy denkt, ist zwar auf der richtigen Spur. Für seine archaische Formsprache greift Marti indes noch einiges weiter zurück: Vergleichbare Kringel finden sich schon bei Höhlenmalereien, also im eigentlichen Schoss der menschlichen Kultur. Abstreifen des Ego Das Ursprüngliche, Naturverbundene ist es denn auch, was Marti propagiert. Ob mithilfe von Drogen oder Kunstbetrachtung: Ziel ist das Abstreifen des Ego. Die Rückbesinnung auf die Natur. Der Ausbruch aus geregelten Strukturen, schön veranschaulicht anhand fünf kniehoher Boxen aus weiss lackierter Keramik – Sol LeWitt und die Minimal Art lassen grüssen! –, in denen sich tönerne Tintenfische tummeln. Das Archaische am Grunde des Ausgefeilten, das Chaos, das seine klebrigen Tentakel nach der Ordnung ausstreckt: Dies ist die Urmasse des martischen Universums – durch das stets ein feines humoristisches Lüftchen weht. (psz) Bis 17. Juli. Jahresringe oder Drogenrausch? «Ohne Titel» (2011) von Fabian Marti. Foto: PD

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