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Quereinsteiger bringt das Gefüge durcheinander

In Zollikon regieren seit Jahren auch Unabhängige mit. Der Status quo im Rat droht wegen eines wilden Kandidaten zu platzen.

Zollikon - Drei von der FDP, drei Parteilose vom Forum 5W und ein SVP-Mitglied als Zünglein an der Waage. So war es bisher in Zollikon, und dabei soll es gemäss den Vorstellungen der Zolliker FDP auch nach den Wahlen bleiben. Bis kurz vor Anmeldeschluss zu den Gemeindewahlen Ende Februar hatte es auch danach ausgesehen.

Laut Gemeindeordnung wäre sogar eine Stille Wahl möglich gewesen, hätte sich im letzten Moment nicht noch ein «wilder» - sprich parteiloser - Kandidat für die Wahl in den Gemeinderat angemeldet. Robert Lang zählt sich selber zum bürgerlichen Lager. «Ich bin grundsätzlich bürgerlich, mit einer sozialen Ader», sagt er. Lang wünscht sich eine finanziell gesunde Gemeinde, deshalb habe er an der letzten Gemeindeversammlung gegen die FDP und für eine Erhöhung des Steuerfusses votiert.

Langfristige Planung schwierig

Trotz dieses bürgerlichen Lippenbekenntnisses kann FDP-Präsident Marc Raggenbass einem Parteilosen im Rat wenig Gutes abgewinnen. «Eine langfristige, nachhaltige Planung im Gemeinderat wäre mit Herrn Lang sehr schwierig.» Langs bisher einziges politisches Statement: Er wolle den Dorfcharakter der Gemeinde möglichst erhalten. «Das genügt uns von der FDP nicht, um ihn objektiv einzuschätzen», sagt Raggenbass. «Robert Lang ist als Parteiloser ein unbeschriebenes Blatt.»

Die Unabhängigkeit eines parteilosen Kandidaten allein sei für das Forum 5W kein Kriterium, sagt Jean-Marc von Gunten, Kopräsident des Bürgerforums. Um Robert Lang zu unterstützen, sei mehr nötig. «Es braucht eine Übereinstimmung mit unseren Zielen, wie wir sie in unserer Wahlplattform formuliert haben.» Von Gunten versteht die Unruhe in der Zolliker FDP. Robert Lang sei ein unberechenbarer Kandidat. Die FDP befürchte wahrscheinlich, dass sie in der Gemeinde an Einfluss verliere. Dies, falls die Stimmbürger Lang und nicht, wie von der FDP gewünscht, den offiziellen SVP-Kandidaten Daniel Weber bevorzugten. Von Gunten sieht aber durchaus auch das Positive einer solchen Konstellation. Werde Lang statt Weber gewählt, würden möglicherweise alte, festgefahrene Strukturen im Gemeinderat aufgebrochen. «Aber das ist natürlich reine Spekulation», sagt der Forumpräsident.

Forum 5W als Macht im Dorf

Das Zolliker Forum 5W hat sich im Lauf der vergangenen Jahre als einzige Konkurrenz zur FDP in Zollikon positioniert. Ursprünglich ein Sammelbecken der Unzufriedenen, hat sich der Verein zu einer politischen Macht im Dorf entwickelt. «Das Forum 5W kann man durchaus als Partei bezeichnen», bestätigt FDP-Präsident Raggenbass. Aber eben: Eine Partei, die nur in der Gemeinde wirke.

Im Gegensatz zu den etablierten Parteien ende die personelle Vernetzung des Forums an der Gemeindegrenze - ebenso der thematische Fokus. Das sei eine schlechte Voraussetzung in einer globalisierten Welt, sagt Raggenbass. Der Vorteil einer Partei: Viele Vorschriften kämen von oben. «Da können die Kantonalparteien schon einmal vorspuren und uns mit den nötigen Informationen versorgen», erklärt Raggenbass.

Jean-Marc von Gunten räumt ein, dass das Forum 5W auf lokaler Ebene zu den Etablierten zu zählen sei. «Organisatorisch treten wir wie eine Partei auf.» Dennoch bezeichnet er sich selber nach wie vor als Parteiloser mit einer eher linksliberalen Gesinnung. Er ist der Meinung, dass «man sich mit der Mitgliedschaft in einer Partei ein Weltbild einkauft». Nur: Die Partei, die sein Weltbild verkaufe, habe er noch nicht gefunden.

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