Bis zu 16 Jahre Gefängnis gefordert für Tötung unter Drogen

Der Galeristensohn, der an der Zürcher Goldküste einen Freund brutal getötet hat, soll lange hinter Gitter. Wie lange genau, hängt für den Staatsanwalt von der Beurteilung des Vorsatzes ab.

Abstransport der Leiche nach dem Tötungsdelikt in der Küsnachter Galeristenvilla. (15.1.2015)

Abstransport der Leiche nach dem Tötungsdelikt in der Küsnachter Galeristenvilla. (15.1.2015) Bild: Stefan Hohler

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Dem Beschuldigten des Tötungsdelikts von Küsnacht ZH droht ein langer Gefängnisaufenthalt: Der Staatsanwalt hat am Donnerstag vor Bezirksgericht Meilen eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung, Vergewaltigung, mehrfacher Nötigung und weiteren Delikten gefordert.

Er schliesst aber auch nicht aus, dass sich der heute 31-Jährige, der seinen Kollegen am Morgen des 30. Dezember 2014 im Drogenrausch brutal getötet hat, beim Tötungsdelikt bewusst durch die Einnahme von Drogen in eine Schuldunfähigkeit versetzt hat. Aufgrund früherer Erfahrungen und Vorfällen hätte der Mann wissen müssen, was mit ihm unter Drogeneinfluss passiere.

Sollte das Gericht das auch so sehen, dann will der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 13, eventuell 10 Jahren. Ausserdem soll der Mann, der aus einer Kunsthändlerfamilie stammt, ambulant behandelt werden.

Kerze in den Mund gerammt

Der Staatsanwalt stützte sich in seinem Plädoyer auf Aussagen sowie Gutachten. Bezüglich Tötungsdelikt sei es bewiesen, dass der Mann auf den 23-jährigen Engländer mit verschiedenen Gegenständen eingeschlagen hatte.

Darunter waren laut Staatsanwalt unter anderem ein sechs Kilogramm schwerer Kerzenständer und eine rund 1,9 Kilogramm schwere goldene Skulptur. Anschliessend rammte er seinem noch lebenden Opfer eine Kerze in den Mund und erwürgte es mit seinen Händen.

«Wer so massiv auf einen Körper einwirkt, kann nicht geltend machen, er habe den Tod nur in Kauf genommen», sagte er. Für ihn ist daher klar: «Er wollte das Opfer aus der Welt schaffen.» Er geht aber trotz «der Grausamkeit der Tat» aufgrund der Drogen von einer verminderter Schuldfähigkeit aus. Zudem habe das Opfer, das selber unter Drogen stand, deswegen wohl etwas weniger gelitten. «Der Täter zeigte aber keine Reue», sagte der Staatsanwalt. Es fehle der Wille, Verantwortung für die Tat zu übernehmen.

Staatsanwalt glaubt Ex-Freundin mehr

Ganz grundsätzlich stufte der Staatsanwalt die Ex-Freundin des Beschuldigten glaubhafter ein als den 31-Jährigen. Durch seinen jahrelangen Drogenkonsum sei sein Gedächtnis gestört, er habe verzerrte Wahrnehmungen und daher falsche Erinnerungen.

Sie hingegen habe glaubhaft, schlüssig und detailreich ausgesagt. Weitere Zeugen hätten ihre Angaben zudem gestützt. Der Staatsanwalt ist daher überzeugt, dass die Ex-Freundin in einer Nacht im Oktober 2014 in einem Hotel in London vergewaltigt und mehrfach genötigt wurde.

Der Beschuldigte bestreitet diese Vorwürfe – es gab laut seinen Aussagen von früher «keine Vorkommnisse». In einer SMS-Konversation hat er sich allerdings entschuldigt. «Wieso soll man sich entschuldigen, wenn nichts passiert ist?», fragte der Staatsanwalt. (rub/sda)

Erstellt: 30.03.2017, 10:57 Uhr

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