Guldenen geht an die Natur zurück

Das Naturnetz Pfannenstil hat hoch über dem Zürichsee 60 000 Quadratmeter Weiher, Gräben und Feuchtwiesen neu angelegt. Seltene Tiere und heimische Spaziergänger sollen sich wohlfühlen.

Grosszügiges Naturschutzgebiet über dem Zürichsee.

Grosszügiges Naturschutzgebiet über dem Zürichsee.

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Vor einem Jahr noch sah es auf der Turpenlandwiese zwar nass, aber gar nicht schön aus. Seit Jahren steht in der Wiese auf der Wasserscheide zwischen Zürichsee und Greifensee das Wasser. Die Drainage, vor Jahrzehnten mit grossem Aufwand erstellt, funktionierte nicht mehr recht.

Wichtige Moorlandschaft

Ein Glück, dass der Bauer This Menzi, der die Wiese bewirtschaftet, ihren Wert zur Vernetzung der umliegenden Moorlandschaften im Grenzgebiet zwischen Herrliberg, Erlenbach Maur und Egg erkannte. Im Südwesten der Wiese, auf Herrliberger Boden etwa, liegt ein Moor von nationaler Bedeutung. So haben die Bagger der Bauunternehmen Gadola im Herbst hier nicht die Drainage geflickt, sondern im Gegenteil neue Teiche und Wassergräben angelegt und die noch funktionierenden Teile der Entwässerung verschlossen.

Gestern stellte das Naturnetz Pfannenstil die für rund 1 Million Franken renaturierte, 6 Hektaren grosse Feuchtwiese den Medien vor. Biologe Erwin Schüpbach, der das Projekt betreut, musste zwar zugeben, dass sich im Moment erst die Generalisten ansiedeln: Eine Stockentenmutter mit Jungen etwa hat den grössten Teich für sich entdeckt. In den Gräben wimmelt es von Erdkrötenlarven und Bergmolchen, die man auch aus dem Biotop im Garten kennt.

Hoffen auf die Quelljungfer

Mit der Zeit werden aber auch seltene Arten die Feuchtwiesen für sich entdecken. In einem Bächlein in einer besonders nährstoffarmen Ecke hofft Schüpbach, dass sich der Fadenmolch heimisch fühlt oder die Quelljungfer und der kleine Blaupfeil, zwei seltene Libellenarten, deren Larven auf nährstoffarme Gewässer angewiesen sind.

Die Nährstoffe sind ein Problem. Das renaturierte Gebiet ist von Landwirtschaftsland umgeben. Neben Bauer Menzi wirtschaftet auf dem Land der Zürcher Kantonalbank auch ein Biomilchbetrieb. Damit das nährstoffreiche Wasser aus den umliegenden Wiesen nicht ins Feuchtgebiet gelangt, wird es in Gräben am Rand gesammelt und weggeleitet. Auf einem Teil der Fläche wurden zudem 15 Zentimeter Humus und die alte Pflanzenschicht abgetragen, damit die Magerwiesenpflanzen eine Chance erhalten. Helfer haben dazu das Schnittgut von umliegenden Mooren gesammelt und auf den rohen Boden gebracht.

Damit Landwirt This Menzi die Wiesen im Herbst maschinell mähen kann, lässt sich das Wasser in der Wiese dank spezieller Wehre genügend weit ablassen, sodass der Bauer mit einem speziell breit bereiften Traktor die Wiesen mähen kann. Diese Pflege braucht es, damit die Feuchtwiese nicht verwaldet und Orchideen oder der seltene Lun-

genenzian sich ansiedeln. Diese wiederum braucht der Kleine Moorbläuling, der auf der roten Liste der bedrohten Arten steht – in der Guldenen aber noch vereinzelt vorkommt.

Aber nicht nur seltene Tiere und Pflanzen sollen sich wohlfühlen, auch der Mensch: Ein Holzsteg, der auf den grössten der Teiche hinausführt, lädt zum Verweilen und Beobachten ein. Weil die Guldenen ein wichtiges Erholungsgebiet in der Agglomeration Zürich ist, haben die Naturschützer auch Bänke aufgestellt und neue Wege angelegt. Der alte Weg mitten durch die Turpenlandwiese soll aber nur noch im Winter für die Langlaufloipe genutzt werden. Damit Eidechse, Kreuzotter, Iltis und Hermelin ungestört sind, werden Spaziergänger gebeten, auf den Wegen zu bleiben. Hundehalter sollten ihre Tiere an die Leine nehmen.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2010, 20:55 Uhr

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