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Regensberger kämpfen für Salat statt Staat

Das Volg-Lokal soll der Verwaltung weichen. Eine Handvoll Regensberger wirbt mit Flyern und einer Umfrage für einen Dorfladen im Städtchen.

Von Dominique Marty Regensberg – «Damit ein Dorf ein Dorf ist, braucht es eine Schule und einen Laden», sagt Marcel Vonesch. Er kämpft für einen Lebensmittelladen im Städtchen Regensberg. Der Volg, der einst im Zentrum stand, hat vor fünf Jahren geschlossen. Vonesch hat nun einen Flyer samt Umfragebogen in alle Haushalte verteilen lassen. Das Ziel: Der Umbau des ehemaligen Volg-Lokals in eine Gemeindekanzlei soll gestoppt werden. Am Mittwoch berät die Gemeindeversammlung über die Kreditvorlage über 250 000 Franken, die später an die Urne kommt. Sechs weitere Dorfbewohner haben den Flyer mitunterzeichnet, zu ihnen gehört Thomas Mathys. «Wir brauchen einfach einen Dorfladen, sonst verkommt Regensberg zu einer richtigen Geisterstadt», sagt er. «Der Bauboom und Gigantismus beherrschen den Raum Zürich, Regensberg aber ist eine heile Welt geblieben. Vor diesem Hintergrund wüssten die Leute einen Laden heute bestimmt zu schätzen.» Auf ihrem Flyer skizzieren die sieben «Laden-Aktivisten» ihre Visionen für einen Dorfkonsum. 400 Erwachsene müssten monatlich für je 200 Franken einkaufen, damit der notwendige Jahresumsatz von 800 000 Franken erreicht werden könne, rechnen sie darauf vor. Die Miete für das Ladenlokal dürfe dabei rund 660 Franken im Monat nicht übersteigen. Die Befürworter des Dorfladens schlagen auch gleich ein Konzept vor, wie der Konsum als Merchandising-Unternehmen geführt werden könne – einen Ladenleiter oder einen konkreten Businessplan bleiben sie aber schuldig. Um einen Laden einzurichten, sei weiter ein Startkapital von rund 100 000 Franken nötig. Rechnung unrealistisch «Unsere Einkaufsrechnung ist natürlich Traumdenken», räumt Vonesch ein, «allein durch den Einkauf der Regensberger kann kein Laden den nötigen Umsatz erreichen. Vielmehr muss die Gemeinde den Konsum finanziell unterstützen.» Das Geld dafür sollte da sein, «der Gemeinderat hatte im letzten Jahr ja auch für neue Schützenscheiben mehrere Tausend Franken bezahlt – da müsste auch etwas für einen Laden übrig sein, der weitaus mehr Leuten zugute kommt.» Zum Flyer haben die sieben Regensberger der Bevölkerung Umfragebögen verteilt. «Auf die Gemeindeversammlung hin werden wir dann die Antworten auswerten», sagt Vonesch. Sie wollen von den Dorfbewohnern wissen, ob diese gerne in Regensberg Lebensmittel einkaufen und für welchen Betrag sie dies monatlich tun würden. Weiter fragen sie, ob einzelne Bürger bereit wären, Anteilscheine am Laden zu erwerben. Ob die Regensberger ein Kopier- oder Faxgerät oder gar einen Apothekenkurierdienst befürworten und ob sie auch ihre Autobahnvignette dort kaufen würden, wollen sie wissen. Keine Rückweisung möglich Auch ihre Wünsche hinsichtlich der Öffnungszeiten dürfen die Regensberger in der Umfrageantwort platzieren. Ebenso wie ihre Empfehlungen, wer den künftigen Lebensmittelladen leiten soll. Wer Lust hat, kann sich auch gleich als Betriebsleiter bewerben. Peter Schürmann, Gemeindepräsident von Regensberg, sieht das Vorhaben kritisch. «Auch ich hätte gern einen Laden im Dorf», sagt er, «doch muss man realistisch sein; die Einkaufsgewohnheiten haben sich geändert, ein solcher Laden lässt sich hier kaum wirtschaftlich betreiben.» Die Anliegen der Ladenbefürworter nehme er entgegen, auch wenn sie kein konkreter Vorschlag seien, sondern eher «eine Liste mit Wünschen, die auf Berechnungen basieren, die teilweise nicht korrekt sind». Die Anliegen kämen in einem ungünstigen Moment, findet Schürmann. Seit zwei Jahren arbeite der Gemeinderat an Lösungen für eine Umnutzung des Lokals. «Am 16. März bringen wir unsere Vorlage an die Versammlung – dann kann man kleine Korrekturen vornehmen. Eine Konzeptänderung Laden statt Gemeindekanzlei liegt jedoch nicht mehr drin», erklärt er, «auch eine Rückweisung ist nicht möglich. Das Geschäft wird sich an der Urne entscheiden.»

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