Helvetiaplatz abgeriegelt – 140 Demonstranten weggewiesen

Am Rande des 1.-Mai-Umzugs in Zürich kam es zu Sachbeschädigungen. Die Polizei hat Demonstranten eingekesselt, um eine Nachdemo im Keim zu ersticken.

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Die Kundgebung zum 1. Mai verlief in Zürich mehrheitlich friedlich. 10’000 Personen nahmen gemäss den Veranstaltern am Umzug vom Helvetiaplatz zum Sechseläutenplatz teil. Am Rande des offiziellen Umzuges kam es jedoch zu Sachbeschädigungen. Das Zürcher Rathaus und die Kaserne der Kantonspolizei wurden mit Rauchpetarden beworfen, Trottoirs und Hauswände verschmiert. Betroffen von den Vandalenakten waren auch mehrere McDonald’s-Filialen. Der Sachschaden beläuft sich gemäss Polizei auf mehrere 10’000 Franken.

Am Nachmittag verhinderten die Sicherheitskräfte, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatten, mit einem massiven Aufgebot eine Nachdemo auf dem Helvetiaplatz. Gemäss Medienmitteilung der Stadtpolizei wurden rund 140 Personen kontrolliert und weggewiesen. Zehn Personen wurden vorübergehend festgenommen. Am Nachmittag habe es aber «keine nennenswerte Zwischenfälle» gegeben.

Die Ereignisse vom 1. Mai 2016 im Video: Lea Blum

18:00 Die Ruhe nach dem Sturm auf dem Helvetiaplatz:

Video: Martin Sturzenegger

17:15 Einmal eingekesselt, werden die Demonstranten von der Polizei kontrolliert. Personenkontrollen bei rund 80 Kundgebungsteilnehmern. Bild: Stefan Hohler

16:30 Verhandeln zwecklos: «Das ist kein Demoversuch, wir wollen nur zurück auf das Kanzleiareal», wird gerufen. Aber auch durch Bitten lässt sich die Polizei nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Gemäss Kantonspolizei führte diese Personenkontrollen durch und sprach Wegweisungen aus, um ein Ausarten der unbewilligten Nachdemo und einen Umzug in die Langstrasse zu verhindern.

Die Einkesselung. Video: Stefan Hohler und Lea Blum

15:45 Eingekesselt am Helvetiaplatz: Eine Gruppe von rund 80 Linksautonomen hat auf dem Platz eine selbst gebaute Panzerattrappe abgebrannt und Knallpetarden gezündet. Die Polizei riegelte den Platz ab und liess die Demonstranten nicht zurück auf das Kanzleiareal nebenan, wo friedlich demonstriert wird.

Friedliche Stimmung auf dem Kanzleiareal. Video: Martin Sturzenegger und Lea Blum

Kein Weg führt auf das Kasernenareal zurück: abgeriegelte Demonstranten. Bild: Martin Sturzenegger

15:00 Demonstranten versammeln sich um 15 Uhr erneut auf dem Helvetiaplatz. Die Polizei ist im Grossaufgebot vor Ort und hält sich bei Ausschreitungen bereit. Einige ziehen Richtung Bäckeranlage weiter, wo ebenfalls Petarden gezündet werden

Demonstranten auf dem Helvetiaplatz, umringt von Polizei. Video: Martin Sturzenegger und Lea Blum

14:00 Eigensinniger Jungfreisinn: Das Grüppchen demonstriert auf dem Tessinerplatz für höhere Renten, flankiert von zwei Kastenwagen der Stadtpolizei. Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) kommt persönlich vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. «Den 1. Mai darf jeder als Plattform nutzen», sagt er. Allerdings machen es ihm die 10 Schüler, deren Aktion von Linksautonomen als Provokation aufgefasst werden könnte, nicht leichter: Wolff musste einen Extratrupp für sie abstellen.

13:00 Auf dem Sechseläutenplatz wurden die 1.-Mai-Umzügler von der Bühne herab mit Live-Klezmer-Klängen begrüsst. Als Erster redete Markus Bischoff, Präsident des Kantonalzürcher Gewerkschaftsbundes. «Wir müssen uns öffnen», sagte er im Hinblick auf die Flüchtlinge; eine Grenzabschottung wie im Zweiten Weltkrieg dürfe sich nicht wiederholen.

Hauptrednerin war später die Winterthurer SP-Nationalrätin Mattea Meyer, letzten Herbst neu ins eidgenössische Parlament gewählt. Sie zog Bilanz ihrer ersten sechs Monate: Sie sei jung, sie sei eine Frau, sie sei eine Linke – alles Voraussetzungen dazu, dass die Mehrheit des Parlaments, die rechten Männer, sie nicht ernst nehme: «Die nehmen die gesamte soziale, weltoffene und demokratische Schweiz links von der Mitte nicht ernst.»

Mattea Meyer: «Die Zukunft gehört uns, den Gutmenschen.»

«Was wir zurzeit erleben, ist ein frontaler Angriff von rechts auf unser aller Leben», sagte Meyer; sie meinte bürgerliche Sparübungen bei den Sozialwerken. Aber: «Wir werden mit unserem Engagement die Zukunft prägen und die Geschichte gemeinsam weiterschreiben.» Ihr optimistischer Schlusssatz, der guten Applaus erntete: «Die Zukunft gehört uns, den Gutmenschen.»

12:30 Am Rande der offiziellen 1.-Mai-Kundgebung in Zürich kommt es zu Sachbeschädigungen. Während des Umzugs vom Helvetiaplatz zum Sechseläutenplatz wurde die Kaserne der Kantonspolizei mit einer Rauchpetarde beworfen sowie Trottoir und Hauswände verschmiert. Gefordert wurde «die Freilassung aller Gefangenen». Bereits zu Beginn des Umzugs hatten Linksautonome lautstark die sofortige Freilassung der neun Personen gefordert, welche die Polizei am Freitagabend nach ersten Ausschreitungen verhaftet hatte.

Auch das Rathaus am Limmatquai wurde eingenebelt und nahe Gebäude mit Farbbeuteln beworfen. Betroffen von den Vandalenakten sind auch mehrere McDonald’s-Filialen. Der Umzug steht dieses Jahr unter dem Motto «Wir sind alle Flüchtlinge». Die Polizei ist mit grossem Aufgebot präsent, hält sich jedoch im Hintergrund. Am Umzug hätten sich rund 300 Personen beteiligt, die der linksautonomen Szene zuzuordnen sind, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Diese schlugen entlang der Umzugsroute bei mehreren Restaurants und Läden Scheiben ein und brachten Schmierereien an. Der Sachschaden beläuft sich gemäss Polizei auf mehrere 10’000 Franken.

Wut am Limmatquai: Farbanschlag auf das Polizeigebäude bei der Rathausbrücke.

11:45 Feindbild Erdogan: Auf einer Tramhaltestelle am Limmatquai brennt eine Puppe mit dem Gesicht des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Später auf dem Sechseläutenplatz skandieren die Kundgebungsteilnehmer: «Terrorist Erdogan, Terrorist Erdogan!»

Bereits am Freitag hatten Mitglieder des Revolutionären Aufbaus eine Protestaktion «gegen Aufwertung, Verdrängung und Repression» durchgeführt. Rund 60 meist vermummte Personen versammelten sich im Kreis 3 und legten sich mit der Polizei an.

Dabei kam es zu Sachbeschädigungen. Sie zündeten ein Fahrzeug und mehrere Container an. Die Einsatzkräfte beendeten den Umzug mit Reizstoff und Gummischrot. Sieben Männer und zwei Frauen wurden festgenommen. Der Schaden dürfte weit über 200’000 Franken betragen, wie die Stadtpolizei Zürich heute mitteilt. (mrs/tow/lop)

Erstellt: 01.05.2016, 13:04 Uhr

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