Der Flughafen verliert plötzlich Passagiere

Die Zahl der Lokalpassagiere am Flughafen Zürich war im April erstmals seit langem rückläufig. Eine Folge der Klimadebatte?

Reisende beim Einchecken am Flughafen Zürich. Bild: TA

Reisende beim Einchecken am Flughafen Zürich. Bild: TA

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Der Kanton Zürich hat seit den jüngsten Wahlen nicht nur einen grünen Baudirektor und eine Parlamentsmehrheit, die den Klimanotstand ausruft: Auch abseits der politischen Bühne hat sich in den letzten zwei Monaten Erstaunliches getan. Das zeigen die jüngsten Zahlen des Zürcher Flughafens. Dieser verbreitet sonst Monat für Monat zuverlässig die gleiche Botschaft: «Die Zahl der Passagiere stieg.»

Das war im März und April zwar auf den ersten Blick nicht anders. Dieser Umstand ist aber jenen rund 30 Prozent der Flugreisenden verschuldet, die Zürich nur als Transferflughafen benutzen – und von der lokalen Klimadebatte entsprechend unberührt sein dürften. Anders sieht es aus, wenn man die Lokalpassagiere betrachtet, die ab und nach Zürich flogen: Ihre Zahl ist im März im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr stagniert und im April sogar um über 11'000 Personen zurückgegangen. Negative Zahlen gab es in den letzten beiden Jahren in keinem einzigen Monat. Im Schnitt betrug das Wachstum über 5 Prozent.

Vier der fünf tiefsten Wachstumsraten bei den Lokalpassagieren seit Anfang 2017 fielen auf die ersten vier Monate des Jahres 2019. In jene Zeit also, in der das Klimathema mit dem Besuch von Greta am WEF in Davos und den Schülerstreiks hierzulande Fahrt aufnahm. Einer Zeit, in der vielfach darauf hingewiesen wurde, dass im Prinzip alle Klimaschutzbemühungen umsonst sind, wenn man danach in einen Flieger steigt, weil schon ein einziger Ferienflug so viel CO2 verursacht wie ein ganzes Jahr Autofahren.

Mehr als eine Anomalie?

Vor einem Monat ging eine Sprecherin des Flughafens noch von einer erklärbaren statistischen Anomalie aus. Eine Auswirkung der Klimadebatte auf die Passagierzahlen sei nicht festzustellen. Für die Stagnation im März gebe es andere Gründe: Erstens sei im Vorjahr ein Teil des reiseintensiven Osterwochenendes in den März gefallen, was den Vergleich mit diesem Jahr verfälsche. Zweitens wurde im Vorjahr eine Woche früher auf den Sommerflugplan umgestellt, der ebenfalls mehr Passagiere mit sich bringt.

Nach dieser Erklärung hätte der April 2019 allerdings durch besonders starke Zahlen auffallen müssen. Jetzt ist das Gegenteil ist der Fall – und das, obwohl sich übers Osterwochenende deutlich mehr Lokalpassagiere in ein Flugzeug setzten als noch im Vorjahr. Laut Flughafensprecherin Sonja Zöchling waren es diesmal über 233'000 gegenüber knapp 206'000 im 2018. Ein Wachstum, das überkompensiert wurde von jenen, die während dem Rest des Monats wegblieben.

Das sind widersprüchliche Signale. Ob das Ganze etwas mit der Klimadebatte zu tun hat, weiss man beim Flughafen auch jetzt noch nicht. Denn die Gründe jener Passagiere, die nicht kommen, lassen sich nicht erheben. Zöchling bietet als alternative Erklärung an, dass auf das besonders starke Wachstum der letzten beiden Jahre, als die Angebote ausgebaut wurden, natürlicherweise eine Konsolidierungsphase folge. Zudem stünden jene Monate erst an, in denen am meisten geflogen werde: Juli bis Oktober. Danach wisse man mehr. Beim Flughafen rechnet man fürs Jahr 2019 weiterhin mit einem Passagierwachstum von 3 Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2019, 12:10 Uhr

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