Veganerblut und Rössliverbot

Topmodel und Nationalratskandidatin Tamy Glauser beschäftigt die Grünen, während sich die SVP ausnahmsweise plötzlich den Klimawandel herbeiwünscht.

Quer in der Landschaft: Ein Vorstoss im Gemeinderat will Zirkusnummern mit Tieren auf Stadtzürcher Boden verbieten. Foto: Dominique Meienberg

Quer in der Landschaft: Ein Vorstoss im Gemeinderat will Zirkusnummern mit Tieren auf Stadtzürcher Boden verbieten. Foto: Dominique Meienberg

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Auf eine Frage ist die grüne Fraktionspräsidentin Esther Guyer allergisch: «Darf ich bei dir etwas Veganerblut abzapfen?» Hintergrund: Tamy Glauser, Topmodel, grüne Nationalratskandidatin und Veganerin, schrieb auf Instagram: «Natur heilt alles. Blut von Veganern kann zum Beispiel Krebszellen töten.» Glauser hat sich inzwischen von dieser Aussage distanziert und sich dafür entschuldigt. Den Eindruck, krebskranke Menschen hätten durch ihre Ernährung die Krankheit verhindern können, habe sie nicht vermitteln wollen.

Und doch wird Esther Guyer an jeder Ecke auf die Veganerzellen angesprochen. Deshalb habe sie am Wochenende «bewusst auf veganes Essen verzichtet», so Guyer grinsend. Meret Schneider, neue grüne Kantonsrätin und selber Veganerin, sagt: «Es tut mir leid, aber Tamy Glauser verbreitet hier Fake News.» Nur noch ein politisches Thema bringt Esther Guyer höher auf die Palme als die Veganerdiskussion: der Vorstoss ihrer grünen Gspäändli – gemeinsam mit der SP-Fraktion – aus dem Gemeinderat, Zirkusnummern mit Tieren auf Stadtzürcher Boden zu verbieten, zum Beispiel die Pferdenummern von Mary-José und Fredy Knie jun .

Ein brisantes Hickhack lieferten sich gestern die zwei Winterthurer Regierungsrätinnen Jacqueline Fehr (SP) und Natalie Rickli (SVP) auf Twitter. SP-Kantonsrätin Sarah Akanji hatte den sexistischen Aufruf zu Gewalt von Schaffhauser Fans an einem Spiel in Winterthur kritisiert. Justizdirektorin Fehr verlangte darauf «weitergehende Massnahmen» des Clubs. Rickli gab noch einen drauf und schrieb: «Und es muss strafrechtlich verfolgt werden!» Das wiederum rief SVP-Nationalrat Claudio Zanetti auf den Plan: «Wenn Mitglieder der Exekutive Strafverfolgung und Judikative vorschreiben, was diese zu tun und zu lassen haben, wird es gefährlich.» Worauf ihm Jacqueline Fehr zustimmte und schrieb: «Deshalb habe ich mich dazu nicht geäussert. Strafverfolgung ist unabhängig und muss es bleiben.» Mit anderen Worten: Fehr hat Kollegin Rickli öffentlich geschulmeistert.

Apropos Regierungsrat: Dieser ist unabgemeldet verreist, wie gerüchteweise im Kantonsrat verbreitet wurde. Sprecherin Cristina Casanova bestätigte auf Anfrage: «Der Regierungsrat führt jedes Jahr, immer in alter Zusammensetzung, eine Studienreise durch. Dieses Jahr ist er für drei Tage in Hamburg. Reisemittel ist das Flugzeug.» Während seine fünf Kolleginnen und Kollegen also CO2 produzieren, hielt der neue grüne Baudirektor Martin Neukom die Festung – und engagierte sich im Kantonsrat für die Dekarbonisierung. Der 32-Jährige wirkt souverän, redet frei, locker und kompetent. In seinem neuen Job habe er sich voll reinknien müssen mit «nicht sehr nachhaltigem Einsatz» auch am Wochenende. Vieles sei ihm noch nicht ganz vertraut, sagt Neukom, zum Beispiel das tägliche Unterschreiben von Rechnungen in für ihn astronomischen Höhen, zum Beispiel für 4000 Tonnen Salz im Strassendienst.

Bei der aktuell brisantesten Personalie geht es bloss um die Parteizugehörigkeit einer ziemlich unbekannten Kantonsrätin aus Volketswil. Und doch ist der angestrebte Parteienwechsel von Maria Rita Marty von der EDU in die SVP Sprengstoff für die Beziehungen der Parteien in der gemeinsamen Fraktion und für eine Listenverbindung bei den Nationalratswahlen. Der Volketswiler SVP-Präsident Benjamin Fischer spricht selber von einer «Knacknuss». Rein formell ist Marty nach dem Einreichen ihres Mitgliedsgesuchs bereits Mitglied der SVP Volketswil, und auch auf der Website des Kantonsrats wird sie als SVP-Mitglied aufgeführt. Um die EDU zufriedenzustellen, müsste Marty also formell mit Begründung – und viel Getöse – wieder ausgeschlossen werden.

Die SVP will heute im offenen Amphitheater Hüntwangen ihre Nationalratsliste verabschieden. Doch angesagt sind Regen und Kälte. «Wenn man einmal vom Klimawandel profitieren will, dann fällt er aus», sagt Organisator und Gemeindepräsident Matthias Hauser. Nun müssen sich die über 300 Delegierten in ein Zelt zwängen.

Erstellt: 27.05.2019, 21:55 Uhr

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