14-Jähriger wegen Schändung verurteilt

Ein 14-Jähriger aus dem Zürcher Unterland, der sich auf seine schlafende Ex-Freundin legte, ist vom Obergericht wegen Schändung verurteilt und mit einem Verweis bestraft worden.

Das Zürcher Obergericht beliess es bei einem Verweis, also einer «förmlichen Missbilligung der Tat».

Das Zürcher Obergericht beliess es bei einem Verweis, also einer «förmlichen Missbilligung der Tat». Bild: Walter Bieri/Keystone

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Was in der Nacht auf den 19. August 2011 genau vorgefallen ist, scheint reichlich unklar. Fest steht, dass ein 14-jähriges Mädchen, das bis wenige Wochen zuvor die Freundin eines 14-Jährigen gewesen war, am anderen Morgen von gar nichts wusste, aber mit Unterleibsschmerzen aufwachte. Ebenso steht fest, dass das Mädchen an jenem Abend, an dem ihr Ex-Freund auf ihren Wunsch bei ihr übernachtete, erschöpft war und die doppelte Menge eines Schmerzmittels eingenommen hatte.

Drei Versionen zum Tatgeschehen

Die Anklage ging zudem davon aus, dass er ihr auch K.-o.-Tropfen in ein Glas Sprite gemischt hatte. In der Folge soll er sich nackt auf sie gelegt haben. Für das, was dann geschah, lieferte die Anklageschrift drei Versionen, die von Berührungen bis zu einer vollendeten Vergewaltigung reichten.

Der Jugendliche selber machte geltend, seine Ex-Freundin habe ihn mitten in der Nacht gebeten, sie in den Arm zu nehmen, und schliesslich auch, sich auf sie zu legen. Das habe er getan, ohne irgendwelche sexuellen Handlungen vorzunehmen. Er sei eingeschlafen, später aufgewacht und habe festgestellt, dass er sexuell erregt gewesen sei.

Keine K.-o.-Tropfen, keine Vergewaltigung

Bereits das Bezirksgericht Bülach als erste Gerichtsinstanz war zum Schluss gekommen, dass sich weder der Einsatz von K.-o.-Tropfen noch eine Vergewaltigung nachweisen lassen. Es sprach den Jugendlichen frei, weil sich überhaupt keine sexuellen Handlungen beweisen liessen.

Das sah das Obergericht anders. Es musste sich mit dem Fall befassen, weil das Mädchen mit dem Freispruch nicht einverstanden war. Laut dem Obergericht, das den Jugendstrafprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit führte, hat der 14-Jährige nicht nur «desinteressiert» auf dem Mädchen gelegen. Er müsse irgendetwas getan haben, das ihn sexuell erregt habe und das – wie der Jugendliche selber eingeräumt hatte – zur Absonderung von Präejakulat (sog. «Lusttropfen») führte.

Bestens integriert

Das Gericht ging aber von einer bloss geringfügigen sexuellen Handlung aus. Weil das Mädchen dabei schlief, sich deshalb mit den Handlungen weder einverstanden erklären noch sich dagegen zur Wehr setzen konnte, wurde der Jugendliche wegen Schändung verurteilt.

Dem Jugendlichen wurde vom Gericht ein Verweis erteilt, wie das Obergericht in einer Pressemitteilung öffentlich machte. Ein Verweis besteht laut Gesetz aus einer «förmlichen Missbilligung der Tat». Mehr sei nicht nötig: Die Tat liege bereits dreieinhalb Jahre zurück. Der Jugendliche habe sich seither nichts mehr zuschulden kommen lassen und sei sozial und beruflich bestens integriert. Deshalb verzichtete das Gericht auch auf Weisungen oder eine Probezeit.

Dem Mädchen wurde eine Genugtuung von 2000 Franken zugesprochen. Das Urteil kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2015, 09:13 Uhr

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