16 Monate bedingt für Bombendrohung

Seinetwegen mussten Kunden und Personal im Mai 2007 den Coop City St. Annahof fluchtartig verlassen. Gestern stand der 59-jährige Texter vor Gericht.

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«Bombendrohung gegen St. Annahof legte Bahnhofstrasse lahm», titelte der TA am 23. Mai 2007. Ein Unbekannter hatte am Tag zuvor aus einer öffentlichen Telefonkabine im Shop-Ville den Coop City angerufen und erklärt, dass um 15.18 Uhr eine grosse Bombe im Laden explodieren werde. Kurze Zeit später doppelte er bei der Kantonspolizei nach. Die Polizei rückte mit einem Grossaufgebot aus und sperrte die Bahnhofstrasse beim St. Annahof für Tram und Passanten. Zudem wurde das Warengeschäft evakuiert. Der Anrufer wurde bereits zwei Tage nach der Bombendrohung verhaftet. Er war von einer Videokamera gefilmt worden.

Gestern musste sich der Bombendroher vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Angeklagte, ein heute 59-jähriger arbeitsloser Werbetexter, zeigte sich geständig und reuig. Der Mann, der massive Alkoholprobleme und Depressionen hat und in psychiatrischer Behandlung ist, war am Vorabend der Tat einmal mehr in ein tiefes Loch gefallen. Niemand habe ihn zum Geburtstag angerufen, er sei allein und einsam gewesen und habe an diesem Abend rund zweieinhalb Liter Weisswein getrunken. Auch am Tattag habe er bereits am Morgen wieder eine Flasche Wein intus gehabt. Er habe sich in einem eigentlichen Dämmerzustand befunden und sei selber erschrocken, als er die Wirkung des Anrufes erkannt habe. «Ich habe nie damit gerechnet.» In der Verhandlung kam auch zutage, dass der Angeklagte drei Tage vor der Bombendrohung in einer Coop-Filiale erwischt wurde, als er eine Sonnenbrille stahl. Er erhielt ein Hausverbot für sämtliche Coop-Filialen. Dieser Aspekt wurde aber in der Anklageschrift nicht als mögliches Motiv genannt.

Sein Verteidiger plädierte auf eine sechsmonatige bedingte Freiheitsstrafe. Der einstmals erfolgreiche Werbetexter sei durch Alkohol, Depressionen und Stimmungsschwankungen zu einem Sozialhilfebezüger mit unzählige Klinikaufenthalten geworden. Die von der Staatsanwältin geforderte Freiheitsstrafe von 24 Monate bedingt sei viel zu hoch. Der Anwalt erwähnte dabei einen ähnlichen Fall, der heute vor einem Zürcher Einzelrichter behandelt wird. Dabei geht es um eine Bombendrohung gegen die Gemeindeverwaltung Niederhasli im Dezember 2007. Die Staatsanwaltschaft verlangt in diesem Fall lediglich sechs Monate, obwohl der Angeklagte sich noch zusätzlich wegen Diebstahls, Verkehrs- und Betäubungsmitteldelikten verantworten muss.

Das Bezirksgericht verurteilte den Werbetexter zu einer 16-monatigen bedingten Freiheitsstrafe. Man habe nicht bloss eine symbolische Strafe aussprechen wollen, seien doch Tausende von Menschen vom Vorfall betroffen gewesen. Die Schadenersatzforderung von Coop City, Buchhandlung Orell Füssli und VBZ in der Höhe von über 130'000 Franken wurden auf den Zivilweg verwiesen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2008, 22:02 Uhr

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