180 Tote zu viel

Jeden zweiten Tag bringt sich im Kanton jemand um. Das soll sich nun ändern.

In der Schweiz gibt es drei bis vier Suizide pro Tag: Eine Gedenkstätte.

In der Schweiz gibt es drei bis vier Suizide pro Tag: Eine Gedenkstätte. Bild: Keystone

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Pro Jahr nahmen sich im Kanton Zürich von 2001 bis 2010 im Durchschnitt 180 Menschen das Leben. Zehn- bis zwanzigmal höher dürfte die Zahl der Versuche sein. In der Schweiz nehmen sich jährlich mehr Menschen selbst das Leben, als Personen Opfer von Aids, Drogen oder Unfällen sind. Experten gehen davon aus, dass sich etwa 18 bis 40 Prozent der Bevölkerung mit Suizidgedanken auseinandersetzen. Jeder zehnte Mensch in der Schweiz unternimmt in seinem Leben mindestens einen Suizidversuch. Umgerechnet auf Zürich, bedeutet dies, dass kantonsweit etwa 140'000 Einwohner einen solchen Versuch unternehmen.

Entwicklung der nationalen Suizidrate im Verlauf der Jahre.

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat deshalb ein Schwerpunktprogramm zur Suizidprävention zusammengestellt. Er investiert damit 2,93 Millionen Franken in 18 verschiedene Projekte, die er bis 2018 umsetzen will. Dabei geht es etwa um Krisenkonzepte an Schulen, verstärkten Rückruf von Waffen und Medikamenten, Sensibilisierung Medienschaffender für die Berichterstattung über Suizid oder eine Helpline für Fachpersonen.

Die Projekte sind in fünf Handlungsfelder gegliedert: Hilfe in Krisen, Einschränkung der Suizidmethoden, zielgruppenspezifische Präventionsmassnahmen, Information und Kommunikation sowie Koordination und Vernetzung. Die Projekte werden mit dem Label «Suizidprävention Kanton Zürich» gekennzeichnet, damit sie als koordiniertes Projekt wahrgenommen werden.

Eine neue Website für Hilfesuchende

Die Koordination über sämtliche kantonalen Direktionen hinweg übernimmt das Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich (Ebpi). Dessen Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich ist seit 1991 verantwortlich für die Gesamtkoordination, Einleitung und Weiterführung von präventiven Massnahmen auf kantonaler Ebene.

Sie wird auch die Website des Schwerpunktprogramms betreiben. Die Website ist seit heute Donnerstag in Betrieb. Dort finden Menschen, die sich in suizidalen Krisen befinden oder die jemanden durch Suizid verloren haben, insbesondere Ratschläge, wie sie über das Thema Suizid sprechen können. Das Kapitel «Besorgt um jemanden» zeigt Wege, wie eine Privatperson einen Betroffenen unterstützen kann.

Im November 2009 hatte der Kantonsrat dem Regierungsrat ein Postulat überwiesen und ihn damit aufgefordert, über die Suizidprävention im Kanton Zürich zu berichten, ein Suizidpräventionskonzept zu erarbeiten und zu realisieren. 2011 stellte der Regierungsrat den Handlungsbedarf fest und beschloss, ein Schwerpunktprogramm zur Suizidprävention aufzugleisen. Die im Frühling 2013 eingesetzte Kommission Suizidprävention Kanton Zürich erhielt den Auftrag, in Zusammenarbeit mit dem Ebpi ein Programm auszuarbeiten.

Auch SBB verstärkten Suizidprävention

Wie die SBB im vergangenen Mai mitteilten, widmen sich die Bundesbahnen verstärkt der Prävention von Schienensuiziden. Dabei spielt der persönliche Kontakt eine Rolle. Patrouillen an den Bahnhöfen sollen Personen von einem Suizid abhalten. Zudem erschweren bauliche Massnahmen den Zugang zu den Gleisen, und Tafeln der Dargebotenen Hand weisen auf die Nottelefonnummer hin.

Bis Ende 2016 wollen die SBB zudem 10'000 Mitarbeiter schulen. Sie sollen dank einer Sensibilisierung besser erkennen, dass eine Person Suizidabsichten hegt, und es wagen, die Menschen darauf anzusprechen. 500 Personen haben die SBB bereits bis Ende 2014 dahingehend geschult.

Erstellt: 10.09.2015, 16:33 Uhr

Podiumsdiskussion zum Welttag der Suizidprävention

Anlässlich des Welttages der Suizidprävention findet in Zürich eine Lesung mit anschliessender Podiumsdiskussion statt. Der Autor und ehemalige Kommunikationschef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt liest aus seinem Buch «Der Hund mit dem Frisbee. Der Weg in die Depression und zurück ins Leben». Der heute 49-Jährige hat vor zwei Jahren versucht, sich das Leben zu nehmen, und überlebte. Es diskutieren mit ihm Sebastian Haas, Leiter Kompetenzzentrum Burnout und Lebenskrise der Klinik Hohenegg, und Anita Bättig, die durch Suizid ihren Partner verloren hat. Jörg Weisshaupt, Vorstandsmitglied des Vereins Forum für Suizidprävention und Suizidforschung Kanton Zürich, moderiert die Veranstaltung. Der Anlass findet um 19 Uhr im Kulturhaus Helferei an der Kirchgasse 13 in Zürich statt. Der Eintritt ist kostenlos. (pia)

Weiter Infos: //www.nebelmeer.net/fileadmin/user_upload/dateien/Welttag_der_Suizidpraevention/flyer_wspd_20150910.pdf

Autor und Kommunikationsmann Daniel Göring.

Hilfe im Notfall

Hier finden Sie Hilfe:


  • Kriseninterventionszentrum Zürich, 044 296 73 10

  • Kriseninterventionszentrum Winterthur, 052 224 37 00

  • Universitätsspital Zürich, 044 255 11 11

  • Stadt Zürich Ärztefon, 044 421 21 21

  • SMS-Seelsorge: SMS an 767

  • Jugendberatung Stadt Zürich, 044 316 60 60


Hilfreiche Links:
www.suizidprävention-zh.ch
www.fssz.ch
www.tschau.ch
www.feel-ok.ch
www.nebelmeer.net
www.verein-refugium.ch

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