21'000 Selbstanzeigen wegen Schwarzgeld

Das Zürcher Steueramt wird von Steuerpflichtigen bestürmt, die undeklarierte Häuser und Konti im Ausland bekannt geben. Seit 2010 kamen fast 7 Milliarden Franken ans Licht.

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Die Rekordzahl von 6150 Selbstanzeigen hat das kantonale Steueramt letztes Jahr verzeichnet. Das sind fast dreimal so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2016, als 2100 Eingaben erfolgten. Die hohe Zahl der Anzeigen hat die Steuerbehörden überrascht: «Die Zahl liegt über unseren Erwartungen», sagt Steueramtschefin Marina Züger. Seit die straflose Selbstanzeige im Kanton Zürich möglich ist, seit 2010 also, haben 21'000 Steuerpflichtige Schwarzgeld offizialisiert. Das ist bei knapp 900'000 steuerpflichtigen natürlichen Personen fast jeder 40. Steuerpflichtige – Firmen sind zahlenmässig zu vernachlässigen. Nimmt man alle natürlichen und juristischen Personen, hat sich jeder 47. selbst angezeigt.

Grund für die ausserordentliche Zunahme im Jahr 2017 ist gemäss der Zürcher Finanzdirektion die Einführung des automatischen Informationsaustauschs (AIA) mit ausländischen Steuerbehörden ab diesem Jahr. Angegeben wurden vor allem Liegenschaften in Italien, Portugal und Spanien sowie Bankkonti, die im Zusammenhang mit diesen Ferienhäusern bestehen. Dazu kamen zahlreiche Konti und Vermögenswerte aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein.

Die Geldbeträge auf den Konti sowie im Ausland parkierte Wertanlagen wie Aktien müssen in der Schweiz versteuert werden, die Häuser selbst nicht. Diese müssen in der Steuererklärung aber aufgeführt werden und beeinflussen so den Steuersatz in der Schweiz. Dieser steigt mit der Höhe der Vermögenswerte.

104 Millionen Zusatzeinnahmen

2017 wurden aufgrund der Selbstanzeigen Vermögen von 1,33 Milliarden Franken aufgedeckt, die künftig stets auf den Steuerklärungen auftauchen werden. Die Selbstanzeige ist straflos – die Busse entfällt also. Die vorenthaltenen Steuern aber müssen auf zehn Jahre zurückbezahlt werden. Dieser Umstand generierte 104 Millionen Franken an zusätzlichen Steuergeldern, wovon 83 Millionen an den Kanton und die Zürcher Gemeinden fliessen und 21 Millionen über die direkte Bundessteuer an dem Bund. Im Vorjahr waren insgesamt 85 zusätzliche Millionen hereingekommen.

Das zeigt auch, dass die durchschnittlichen Beträge gesunken sind. Mit anderen Worten: Es werden mehr, aber auch bedeutend kleinere Beträge angezeigt als in früheren Jahren. 2017 sind 3800 Fälle bearbeitet worden, doppelt so viele wie 2016. Der Durchschnittsertrag für den Kanton und die Gemeinden sank aber von 36'000 Franken auf 22'000 Franken pro Fall. Dieser Betrag liegt klar unter dem Höchstwert von 60'000, welcher in den Jahren 2010 und 2013 verzeichnet worden war. Der Ertrag pro Fall für den Bund sank von 15'000 Franken (2010) auf heuer noch 5500 Franken.

Ein Dutzend Millionen-Fälle

Grössere Schwarzgeld-Fälle gab es letztes Jahr rund ein Dutzend. Dann resultierte ein Mehrertrag von über 1 Million pro Fall. Gut 100 mittlere Fällen brachten jeweils immerhin mehr als 100'000 Franken. 40 der 3800 Fälle betrafen Unternehmen. Speziell: 17 Steuerpflichtige haben sich zum zweiten Mal selbst angezeigt. Die zweite Selbstanzeige ist aber nicht mehr straflos, die Busse beträgt 20 Prozent der Nachsteuern.

Seit 2010 sind gemäss Steueramtschefin Züger insgesamt Vermögen von 6,9 Milliarden Franken und unversteuerte Einkommen in der Höhe von 1,2 Milliarden ans Licht gekommen. Nachbesteuert wurden kumuliert 48 Milliarden Franken. Um die Flut von Selbstanzeigen zu bewältigen, hat das Steueramt personell aufgestockt. 2017 waren es drei befristete Stellen. Im laufenden Jahr erwartet Züger eine ähnlich grosse Zahl von Selbstanzeigen wie 2017. Aus diesem Grund und weil es viele Pendenzen gibt, werden wohl erneut intern Stellen verschoben.

Ab Oktober gilts ernst

Denn dieses Jahr gilt es ernst. Die EU-Staaten und Länder wie Kanada, Australien oder Japan werden erstmals Steuerdaten an die Schweiz liefern. Erwartet werden die ersten Meldungen gemäss AIA im Oktober. Länder wie Liechtenstein, Monaco, Singapur oder Indien folgen erst nächstes Jahr. Staaten wie die USA oder China machen beim AIA nicht mit.

Der Kanton Zürich zeigt sich im Gegensatz zu anderen Kantonen aber kulant. Steuerpflichtige können sich straflos selbstanzeigen, bis ein Steuerkommissär ihnen aufgrund der Meldungen auf die Schliche kommt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2018, 11:46 Uhr

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