2,6 Millionen Gewinn dank tiefer Autonummern

Die Nachfrage nach Auto- und Motorradnummern mit niedrigen Zahlen bleibt im Kanton Zürich hoch.

Autonummern-Fetischisten geben viel Geld für die Autonummer ihrer Wahl aus: Kontrollschild-Lager im Zürcher Strassenverkehrsamt.

Autonummern-Fetischisten geben viel Geld für die Autonummer ihrer Wahl aus: Kontrollschild-Lager im Zürcher Strassenverkehrsamt. Bild: Michele Limina/Keystone

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Zu einem Rekordpreis von 135'000 Franken hat am Mittwoch ein anonymer Bieter das Kontrollschild SG 1 ersteigert. Damit hat er den im Kanton Zürich geltenden Rekord, der für die Autonummer ZH 1000 bezahlt wurde, um 4000 Franken überboten. Für TI 10 hatte schon im November 2011 ein Nummerfan ebenfalls 135'000 Franken bezahlt.

Von einem nachlassenden Interesse nach tiefen Nummern oder speziellen Kombinationen ist auch im Kanton Zürich nichts zu spüren. Letztes Jahr spülte die Nummernauktion 2,67 Millionen Franken in die Staatskasse. «Das ist eines der bisher höchsten Ergebnisse», sagt Marcel Bär, Leiter Zulassung beim kantonalen Strassenverkehrsamt. Der bisherige Rekord – 3,3 Millionen Franken – stammt aus dem Jahr 2007.

Jahrgang von Enzo Ferrari

Welche Schilder in die wöchentliche Online-Auktion gelangen, ist Chefsache. Bär und einige Mitarbeiter scheiden jeweils 27 Nummern aus, die sie für auktionswürdig halten. In Sommermonaten zählen sieben Motorradnummern dazu, im Winter sind es lediglich vier Schilder für Motorräder. Unter den Hammer kommen neben allen vier- und fünfstelligen Nummern spezielle Zahlenkombinationen. Das höchste Gebot in den letzten zwei Monaten erzielte die Autonummer «ZH 1898». Der Käufer bezahlte dafür 14'300 Franken. Es könnte sich dabei um einen Ferrari-Besitzer handeln. Enzo Ferrari kam im Jahr 1898 in Modena auf die Welt.

Doch nicht nur tiefe Nummern sind begehrt. Auch für sechsstellige Zahlenfolgen sind Autobesitzer bereit, mehrere Tausend Franken zu bezahlen. In den vergangenen zwei Monaten erzielten 6 Schilder Beträge bis zu fast 14'000 Franken. Den Spitzenbetrag holte «ZH 770'000». Bär ist manchmal selber überrascht, welche Schilder besonders gut ankommen. «Ich kann mir das oft nicht erklären.» Aus Erfahrung weiss er allerdings, dass Kombinationen mit der Bond-Nummer 007 ebenso gefragt sind wie Zahlenfolgen mit der 8. Sie gelte in asiatischen Ländern als Glückszahl.

Der Bestand reicht noch 15 Jahre

Käufer tiefer Nummern müssen sich nicht sorgen, dass ihr Schild altershalber verbogen oder zerschlissen sein könnte. Alle abgegebenen Schilder kommen frisch aus der Druckerpresse. Die alten, gebrauchten Aluschilder lässt das Strassenverkehrsamt rezyklieren.

Die Autoschilder in der Auktion stammen von gelöschten Einträgen. Wer seine Kontrollschilder deponiert und nach einem Jahr nicht wieder abholt oder die Frist um maximal ein weiteres Jahr verlängert, dessen Nummer geht zurück an das Strassenverkehrsamt. Im Kanton Zürich dürfen die Schilder – im Gegensatz zu anderen Kantonen – nur von den Eltern an die Kinder, unter Geschwistern und an Ehegatten weitervergeben werden. Die ZH-Nummern 1 bis 999 sind ausschliesslich Händlern vorbehalten und mit einem zusätzlichen «U» auf dem Kontrollschild versehen.

Das Strassenverkehrsamt vergibt aktuell Nummern über 780'000. Ob es einst siebenstellige Nummern geben wird, sei noch nicht entschieden. Darüber müsse der Bund befinden, sagt Marcel Bär. Die sechsstelligen Nummern reichen nach heutigen Berechnungen noch ungefähr für die nächsten 15 Jahre. So gerne sich Autonummer-Fetischisten mit ihren Schildern zeigen, so wortkarg geben sie sich gegenüber Journalisten. Viele lassen ihre Nummern sperren, sodass der Halter nicht ersichtlich ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2013, 06:31 Uhr

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