300 Franken für einen Hitler

Die zurückgezogenen Kaffeerahmdeckel mit den Porträts von Diktatoren sind bereits zu einem begehrten Sammlerobjekt geworden.

Bald mehrere Hundert Franken wert? Skandal-Kaffeerahmdeckel des Versandhauses Karo. (Foto: 20 Minuten)

Bald mehrere Hundert Franken wert? Skandal-Kaffeerahmdeckel des Versandhauses Karo. (Foto: 20 Minuten)

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Eine Tochterfirma der Migros hat Kaffeerahmdeckel mit den Porträts von Adolf Hitler und Benito Mussolini in Umlauf gebracht und damit einen Skandal ausgelöst. Die beiden Sujets sind Teil einer Serie, die hauptsächlich für Sammler gedacht war. Die Serie, die Zigarrenbanderolen aus den 40er-Jahren zeigt, ist seit rund zwei Jahren beim Schweizer Versandhaus Karo erhältlich.

Das Interesse der Kaffeerahmdeckelsammler hielt sich bisher in Grenzen. Die erste Auflage von 1000 Serien à 30 Sujets ist noch nicht ausverkauft. Während die Migros-Tochter Elsa alle an Gastrobetriebe gelieferten Rahmportionen zurückgezogen hat, kann die Serie immer noch im Webshop des Karo-Versands bestellt werden.

Hitler-Deckeli «mehrere Hundert Franken» wert

Das könnte sich bald ändern, denn der Migros-Skandal hat dazu geführt, dass sich die Sammler nun auf die Serie stürzen. «Die Hitler- und Mussolini-Deckel werden bald für mehrere Hundert Franken gehandelt werden», ist ein Kenner der Szene überzeugt. Der Mann aus Bülach, der in Sammlerkreisen als «Hubi» bekannt ist, möchte seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen – aus Angst vor Anfeindungen.

Der Bülacher Sammler und Händler konnte sich noch rechtzeitig mit den unversehens begehrten Sammelobjekten eindecken: «Ich habe gerade 10 Serien gekauft.» Gegenwärtig seien noch rund 100 Serien verfügbar, sagt er. Beim Karo-Versandhaus kostet eine Serie zwischen 9.90 und 12.90 Franken, je nachdem, ob mit oder ohne Rahm. Teurer sind nicht etwa die Kaffeerahmdeckel inklusive Kaffeerahm, sondern diejenigen ohne Rahm.

Angst vor öffentlichem Handel

Der Wert eines Kaffeerahmdeckels hänge primär davon ab, wie häufig dieser anzutreffen sei, sagt Hubi. Aber ein Skandal wie der gegenwärtige lasse die Preise explodieren. Einen ähnlichen Fall habe es irgendwann in den 80er-Jahren gegeben. Damals kamen Kaffeerahmdeckel mit dem Logo der Zeitung «Blick» auf den Markt. Diese musste der Hersteller angeblich wegen eines Werbeverbots zurückziehen.

Der Handel mit den Hitler- und Mussolini-Sujets könnte schwierig werden, sagt der Händler aus Bülach, denn viele trauten sich nicht, die Objekte öffentlich zum Kauf anzubieten: «An einem Flohmarkt könnte es Probleme geben. Schliesslich dürfen Nazi-Memorabilien auch nicht gehandelt werden.» Diese Hindernisse dürften den Preis zusätzlich nach oben treiben, meint Hubi.

Sammeln aus der Mode gekommen

Das Sammeln von Kaffeerahmdeckeln erlebte seine Blütezeit vor 20 bis 40 Jahren. Heute sei kaum noch ein Interesse daran vorhanden, sagt Markus Rubli. Er ist Herausgeber des «Sammler-Anzeigers», der grössten Zeitschrift für Sammler in der Schweiz. Es gebe jedoch immer noch einige Eingefleischte, meist älteren Semesters, die sich darüber freuten, dass die Preise im Allgemeinen stark gesunken seien.

Dem kann Hubi aus Bülach nur beipflichten. Er sei auch nicht mehr der Jüngste, und eigentlich habe er mit dem Sammeln von Kaffeerahmdeckeln auch aufgehört. Es gebe schliesslich nichts Interessantes mehr zum Sammeln. «Ausser eben dieser Serie mit den Diktatoren.»

Erstellt: 23.10.2014, 15:52 Uhr

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