305 Bussen und ein zerstörtes Absperrgitter

Den Fröschen zuliebe wurde in Oberembrach ein temporäres Fahrverbot eingerichtet. Hunderte Autofahrer hielten sich nicht daran.

Die Barriere bei Oberembrach wurde abgerissen. Bild: Stadtpolizei Kloten

Die Barriere bei Oberembrach wurde abgerissen. Bild: Stadtpolizei Kloten

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Damit hätten die Behörden nun nicht mehr gerechnet: Gleich zweimal krachte ein Auto in eine der vier rot-weissen Barrieren im Eigental. Dabei sei vor dem gesperrten Strassenabschnitt eigens noch das Tempolimit von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde zurückgestuft worden, sagt Thomas Grädel, Leiter Sicherheit der zuständigen Stadt Kloten. Einmal wurde gar ein Absperrgitter komplett zerstört. Es war provisorisch hingestellt worden, nachdem die Barriere umgefahren worden war.

Die Signalisation sollte ja offensichtlich und unübersehbar sein. «Ich wusste gar nicht, dass man ein Gitter in so viele Einzelteile zerlegen kann», meinte Klotens Polizeichef Jürg Schaub zum Vorfall. Dass als Entschuldigung auch schon mal gesagt wurde, man habe die Barriere nicht gesehen, kann er fast nicht glauben. Bei den Klotener Behörden ist man sich daher einig, dass solche Autolenker besser gleich aus dem Verkehr gezogen werden sollten. «Man kanns nicht übersehen», sagt Grädel zum aktuellen Sommerfahrverbot. Dieses gilt seit dem 1. Juni und dauert noch bis zum 31. Juli. «Wir mussten ja sogar die Leuchtkraft der LED-Anzeige an den beiden Haupttafeln etwas herunterdimmen, da es Beschwerden gab, diese seien zu hell und blendeten in der Nacht.»

Lenker werden konsequent gebüsst

Die Barrieren an beiden Enden des Schutzgebietes und zwei weitere solarbetriebene Schranken auf den Zufahrten zum Gehöft im Eigental liess man nachträglich montieren. Damit wollten die Behörden alle Zweifel beseitigen, wann das Tal denn nun gesperrt ist und wann nicht. Generell werden alle Fahrzeuge, die das Verbot missachten, von zwei fest installierten Kameras registriert und die Lenker konsequent gebüsst.

Ein Fall gibt den Verantwortlichen in Kloten momentan besonders zu denken. Eine Barriere wurde nämlich beschädigt, ohne dass genau ersichtlich ist, wie es dazu kam. Man müsse davon ausgehen, dass dies mutwillig geschehen sei, nicht durch eine versehentliche Kollision. Sonst wären Bilder der automatischen Überwachungskamera vorhanden.

Viele missachten das Verbot immer noch

Manipulationen an der Verkehrsinfrastruktur und an Signalen sind kein Lausbubenstreich und würden ein Strafverfahren nach sie ziehen, gibt Grädel zu bedenken. Nachdem die Barrieren installiert waren, ging man eigentlich davon aus, dass die Anzahl der Übertretungen praktisch gegen null tendieren würde. Dem ist aber nicht so. Vom 1. Juni bis zum 24. Juli sind während siebeneinhalb Wochen genau 305 Bussen ausgestellt worden. Ganz zu Beginn der Sommersperrung lag der tägliche Bussenschnitt noch bei 7 Fällen, über die ganze Zeit hat sich dieser Wert nun auf 5,6 Übertretungen pro Tag reduziert. Das zeigt eine erste Auswertung der Stadtpolizei Kloten.

Dass es trotz Barrieren, die man bewusst umkurven muss, immer noch so viele Missachtungen des Verbots gibt, sei schon bedenklich, findet Grädel, der auch als Stadtrichter in Kloten tätig ist. Er spricht von einer ziemlich hohen Übertretungsquote. «Aber mehr kann man nicht machen.» Eine Anpassung der Signalisation entlang der Strassen im und ums Eigental dränge sich jedenfalls nicht mehr auf.

Auf Kritik reagiert

«Wir vermuten, dass es sich bei den Gebüssten oft um Personen handelt, die dem Stau auf der Autobahn ausweichen wollen.» Wenn die A 1 zwischen Winterthur und Zürich verstopft ist, kann man in der Umgebung tatsächlich ein erhöhtes Verkehrsaufkommen beobachten. Als noch keine Barrieren standen, sondern nur digitale Signaltafeln per Zeitschaltung das Verbot anzeigten, fuhren noch viel mehr Autolenker durchs Fahrverbot. Immer wieder wurde ins Feld geführt, man habe nicht eindeutig erkennen können, dass die Strasse eigentlich gesperrt wäre.

Die Signalisation im Eigental, einem lang gezogenen Amphibienschutzgebiet von nationaler Bedeutung, war 2017 wiederholt kritisiert worden. Dies, nachdem die Durchgangsstrasse zwischen Oberembrach und Nürensdorf via Klotener Gebiet erstmals nach einem langen Rechtsstreit wieder für den motorisierten Durchgangsverkehr geöffnet wurde. Damit verbunden hatte der Kanton mit den Anrainern und Umweltverbänden am runden Tisch eine Übereinkunft erzielt, die drei Schonzeiten für Fauna und Flora im betreffenden Gebiet vorsieht.

Abschliessende Lösung ist in Sicht

Seit zwei Jahren gelten nebst dem nächtlichen Fahrverbot während der Froschwanderung im Frühling auch eine nächtliche Sperrung im Herbst sowie eine zweimonatige Sommersperre im Juni und Juli. Diese gilt im Gegensatz zu den anderen beiden Schonzeiten rund um die Uhr.

Spätestens in acht Jahren dürfte sich die Verkehrssituation im Eigental stark beruhigen. Das zumindest hofft man bei der Polizei in Kloten. «Ich wäre nicht unglücklich, wenn schon 2027 wäre», sagt Thomas Grädel. Denn dann wird die Eigentalstrasse gemäss Vereinbarung jenes runden Tisches in einen Fuss- und Radweg umfunktioniert und vom motorisierten Durchgangsverkehr befreit sein.

Erstellt: 31.07.2019, 08:19 Uhr

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