31'000 Quadratmeter reichen der Kantonspolizei nicht

Beeindruckend, trotzdem nicht gross genug: Das neue Polizei- und Justizzentrum erfüllt das grösste Anliegen der Zürcher nicht. Mario Fehr kritisiert die Bezeichnung des Projekts.

Wird auch nach dem 570-Millionen-Neubau von der Kapo Zürich beansprucht: Die Polizeikaserne bei der Sihl.

Wird auch nach dem 570-Millionen-Neubau von der Kapo Zürich beansprucht: Die Polizeikaserne bei der Sihl. Bild: Dominique Meienberg

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«Das Haus ist ausgenutzt», sagt Hans-Rudolf Blöchlinger vom Hochbauamt des Kantons Zürich am Donnerstag. Damit meint er das Polizei- und Justizzentrum (PJZ), das bis 2020 neu gebaut wird. Im Grossbau auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs zwischen Hohlstrasse, SBB-Gleise und Hardbrücke im Kreis 4 wird es zwar 55'000 Quadratmeter Platz haben. Über 30'000 Quadratmeter wird die Kantonspolizei belegen. Das genüge ihr jedoch nicht, wie Blöchlinger an der Medienkonferenz sagt. Und mehr Platz kann bei den vorgesehenen Kosten nicht geschaffen werden.

Ursprünglich war gedacht, im PJZ unter anderem die Kapo, das Polizeigefängnis und Staatsanwaltschaften unter einem Dach zusammenzubringen. Bei der Planung stellte der Kanton im Frühjahr 2014 fest, dass die vorhandene Fläche nicht ausreicht. Der Befunde: Es fehlen rund 4000 Quadratmeter. Aufgrund dieser Erkenntnis beschloss der Regierungsrat am 4. Juni 2014, jene Führungsbereiche der Kantonspolizei, die nicht in einem direkten Zusammenhang mit kriminalpolizeilichen Aufgabenbereichen stehen, sowie die Oberstaatsanwaltschaft und die Oberjugendanwaltschaft einstweilen an ihren bisherigen Standorten zu belassen.

Die Kasernen-Anlage wird somit bis auf Weiteres nicht komplett für die Bevölkerung geöffnet. Dies hatte der Kanton ursprünglich so versprochen. Dieses Versprechen war bei der Stadtzürcher Bevölkerung sehr gut angekommen, da die Gebäude mit der grossen freien Fläche das Zentrum der Stadt einen grossen Beitrag zum Zusammeleben leisten können. Das wird nun nicht so umfassend stattfinden. Etwa 100 bis 120 Kapo-Mitarbeiter bleiben am bisherigen Standort. Dazu gehört auch das Polizeikommando.

Projekt wurde laut Mario Fehr falsch kommuniziert

Mit der heutigen Präsentation ist die schier unendliche Geschichte um das PJZ immerhin ein wichtiges Kapitel weitergekommen: Die Projektierung ist beendet. Geht nun alles nach Plan, soll das PJZ 2020 einsatzbereit sein.

Mit Markus Kägi (SVP), Jacqueline Fehr und Mario Fehr (beide SP) informierten heute gleich drei Regierungsräte über das Ende der Projektarbeiten. Nun ist definitiv klar, was gebaut wird: Statt wie ursprünglich geplant vier Stockwerke wird das PJZ nun doch fünf Etagen hoch. Weil durch die Aufstockung mehr Fläche entsteht, kann dafür vorerst auf einen Ergänzungsbau verzichtet werden.

An den Kosten ändert sich nichts: Das PJZ bleibt wie geplant 570 Millionen Franken teuer. Der Bau auf dem Areal des alten SBB-Güterbahnhofes wird ein Volumen von rund 500 Einfamilienhäusern haben und über 55'000 Quadratmeter Fläche bieten.

57 Prozent der Fläche sind für die Kantonspolizei bestimmt, 15 Prozent für das Polizei- und Justizgefängnis und 11 Prozent für die Staatsanwaltschaften. Der Rest verteilt sich auf andere Abteilungen, darunter etwa die Polizeischule. Mario Fehr bedauert, dass das Projekt falsch kommuniziert wurde: «Es hätte Strafverfolgungszentrum heissen müssen», sagte er. Denn im PJZ werde die Strafverfolgung unterkommen, aber niemals die ganze Kapo. Von 3800 Polizeimitarbeitern beim Kanton sind künftig etwa 1000 im PJZ tätig. Der grösste Teil wird ausserhalb arbeiten, etwa am Flughafen, in der Zentrale der Verkehrspolizei in Dübendorf oder auf den Regionalwachen.

Erste Abstimmung 2003

Das Zürcher Volk stimmte 2003 erstmals über die Zusammenlegung von Polizei und Justiz an einem einzigen Standort ab. Dabei wurde ein Kredit von 490 Millionen Franken bewilligt. In der Detailplanung verteuerte sich das Projekt allerdings auf stolze 700 Millionen. Auf Geheiss des Kantonsrates wurde das Projekt verkleinert. Das Volk sprach sich daraufhin erneut für das PJZ aus. (ep/sda)

Erstellt: 10.09.2015, 11:13 Uhr

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