400 neue Zimmer: Es wird eng auf dem Zürcher Hotelmarkt

Ende Juli eröffnet das grösste Hotel Zürichs. Das dürfte die Hoteliers der Stadt unter Druck setzen.

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Das Konzept der deutschen Budgethotelkette Motel One ist einfach: Sie funktioniert Häuser an zentraler Lage zu designten Budgethotels um. Die Zimmer sind klein, aber fein, jeder Quadratmeter ist ausgenützt. Und es fehlt Schnickschnack wie das Schreibpult oder die Minibar. Wer ein Frühstück will, holt es sich selbst und bezahlt dafür. Im Gegenzug sind die Preise moderater als in anderen Häusern.

Ende Juli öffnet in der alten Post Selnau das erste Motel One seine Türen in Zürich – mit 400 Zimmern wird es das grösste Hotel der Stadt. Für die Credit Suisse Grund genug, den Hotelmarkt in Stadt und Region genauer zu betrachten. In einer Studie haben Ökonomen der Bank die Branche analysiert und kommen zum Schluss: Das Motel One ist erst der Anfang und startet die intensive Phase des Verdrängungskampfes in der Hotellerie.

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Kreis 6 top, Kreis 7 flop

In den nächsten Jahren entstehen in der Stadt und in der Nähe des Flughafens zudem Hunderte neuer Hotelbetten. Laut CS könnten bis 2018 so über 1000 neue Zimmer geschaffen werden, in den nächsten drei Jahren gar bis 2500. Dazu kommt die steigende Anzahl an Zimmern, die auf der Onlineplattform Airbnb angeboten werden. Dieses Szenario setzt die Hotellerie unter Druck. Bereits heute gibt es Stadtkreise und umliegende Gemeinden, in denen die Auslastung der Hotelbetten unter 70, sogar unter 60 Prozent liegt.

In der Stadt Zürich sind die Hotels mit über 760 Zimmern im Kreis 7 am schlechtesten ausgelastet. Am besten stehen die Hotels mit insgesamt über 1300 Zimmern im Kreis 6 da. Ihre Auslastung liegt bei über 85 Prozent. Besonders wichtig ist für diese Betriebe im Kreis 6 die Nähe zum Hauptbahnhof. Laut dem Studienautor der CS, Brice Hoffer, haben dort mehrere Hotels den Fokus deutlich auf Geschäftsreisende gelegt, was nütze. Im Kreis 4 hingegen, der weniger gut abschneidet, habe es viele veraltete Hotels. Er denkt, dass sich die Kreise 4 und 5 in den nächsten Jahren angleichen werden, da sich die Europaallee stark entwickle und das 25-hours-Hotel eröffnet werde.

Der zentrale Kreis 1 und das Quartier Hardbrücke im Kreis 5 erreichen ebenfalls hohe Auslastungswerte von 70 Prozent beziehungsweise 76 Prozent. Am meisten hätten Hotels in Quartieren zu kämpfen, die weit abgelegen und wenig bekannt sind.

«Mittelmass ist das Schlimmste»

Auch Branchenexperte Martin Schmidli erwartet, dass sich der Verdrängungskampf auf dem Zürcher Hotelmarkt in den nächsten Jahren zuspitzen wird. Er ist Managing Partner von Kohl & Partner, einem internationalen Beratungsunternehmen für die Hotellerie. Schmidli sagt klar: «Auf dem Zürcher Markt werden sich einige Hotels enorm modernisieren müssen, um mithalten zu können.» Wer das nicht schaffe, habe eine düstere Zukunft vor sich.

Video – Baustellenbesuch beim Motel One

Die alte Selnaupost wird zu einem Hotel mit 400 Zimmern umgebaut. (Video: Lea Koch, Mirjam Ramseier, September 2016)

Das Schlimmste für ein Hotel sei, im Sumpf des Mittelmasses zu verschwinden, sagt Schmidli. «Guter Standard ist heute Basic.» Zudem gehe der Trend zurzeit in Richtung «Individualisierung und Authentizität». Das heisst so viel wie: Gäste wollen vom Hotel nicht mehr bevormundet werden, zum Beispiel von wann bis wann sie frühstücken können. Es gebe sogar Konzepte, bei denen man vor dem Check-in wünschen könne, welche Getränke in der Minibar sein sollen. Und: Gäste wollten das Gefühl haben, speziell zu reisen – deshalb sei Airbnb so erfolgreich. Man finde es zum Beispiel schön, nach Zürich zu reisen und dort im Wohnzimmer einer Zürcher Familie zu sitzen.

Als Dozent an der Hotelfachschule Luzern bläut Schmidli den künftigen Hotelfachleuten deshalb eines ein: wie wichtig es ist, ein genaues Konzept zu haben und zu wissen, welche Gäste man ansprechen will. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.07.2017, 10:29 Uhr

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