41 Gemeinden im Kanton Zürich erhöhen die Steuern

Stagnierende Einnahmen und teure Investitionen führen zu einer Trendwende: In den Gemeinden wurde der Steuerfuss häufiger erhöht als gesenkt. Im letzten Jahr war es noch umgekehrt.

In manchen Gemeinden betragt die Erhöhung happige 5 Prozent oder mehr.

In manchen Gemeinden betragt die Erhöhung happige 5 Prozent oder mehr. Bild: TA-Grafik

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Eine Übersicht des «Tages-Anzeigers» über alle neuen Steuerfüsse in den 170 Zürcher Gemeinden zeigt: Mit tieferen Steuern ist es an den meisten Orten vorbei. Erstmals seit mehreren Jahren wurde der Steuerfuss häufiger erhöht als gesenkt, nämlich in 41 Gemeinden. In 11 Gemeinden fällt die Erhöhung sogar happig aus und beträgt 5 oder mehr Steuerprozente. 10 Prozent sind es gar in Birmensdorf und 6 Prozent in der Goldküstengemeinde Zumikon. Senken konnten die Steuerfüsse diesmal noch 21 Gemeinden. An den anderen Orten bleibt die Steuerbelastung gleich – unter anderem in den Städten Zürich und Winterthur.

Im letzten Jahr war das Verhältnis noch umgekehrt gewesen: 37 Gemeinden konnten senken, nur 12 Gemeinden mussten erhöhen. Im Jahr 2012 konnten noch 80 Gemeinden ihren Steuerfuss senken. Einer der Gründe war damals der Geldsegen des Glencore-Börsengangs, dessen Erlös in Rüschlikon versteuert wurde und über den Finanzausgleich über 160 Millionen Franken in die Gemeindekassen spülte.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Stimmberechtigten oder die Parlamente in drei grossen Gemeinden (Kloten, Bülach, Hinwil) die Budgets zurückgewiesen haben. Dort funktioniert der Gemeindehaushalt derzeit über Notbudgets.

Attraktiver Standort Schweiz

Heinz Montanari, Leiter der Abteilung Gemeindefinanzen beim Kanton, hat dies noch nie erlebt. Er führt die Trendwende an der Steuerfront unter anderem auf das Bevölkerungswachstum zurück. In vielen Gemeinden müssten Schulen und Pflegeheime ausgebaut werden, was mancherorts nicht mehr aus den Reserven und den laufenden Rechnungen finanziert werden könne. Zudem stagnierten letztes Jahr die Steuereinnahmen. Montanari rechnet auch in den kommenden Jahren mit steigenden Steuerfüssen. Dramatisch sei die Lage gleichwohl nicht. Es gibt derzeit keine einzige Gemeinde mit einem Bilanzfehlbetrag – nirgends ist also das Eigenkapital vollständig aufgebraucht.

Am steuergünstigsten ist auch dieses Jahr wieder Rüschlikon – der Steuersitz von Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Dort beträgt der Steuerfuss unverändert 72 Prozent (ohne Kirche).

Anders als bei den Steuern für natürliche Personen im Kanton Zürich zeigen die Unternehmensgewinnsteuersätze landesweit nach unten, und zwar seit Jahren. Für ausländische Unternehmen ist die Schweiz nicht zuletzt deshalb ein attraktiver Standort. Zwischen 2007 und 2012 haben sich rund 2500 ausländische Firmen niedergelassen. Dies provoziert im Vorfeld der Abstimmung über die SVP-Einwanderungsinitiative eine Kontroverse. Die Linksparteien, aber auch bürgerliche Exekutivpolitiker werfen der SVP vor, mit ihrer Tiefsteuerpolitik ein Magnet für Ansiedlungswillige zu sein.

Erstellt: 23.01.2014, 06:37 Uhr

Symbolbild: Eine Person beim Ausfüllen der Steuererklärung.

Gemeindesteuersätze 2014. Zum Vergrössern auf die Grafik klicken. (Bild: TA-Grafik)

Die Gemeinden mit einem Steuerfuss unter 100 Prozent. Zum Vergrössern auf die Grafik klicken. (Bild: TA-Grafik)

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