42 Minuten Mittagspause genügen

Weil der Schulweg zu lang sei, soll die Schule fürs Mittagessen zahlen, meinten Eltern. Das Gericht rechnete – und verneinte.

Trödeln sei Erholung, meint das Zürcher Verwaltungsgericht.

Trödeln sei Erholung, meint das Zürcher Verwaltungsgericht. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für das Zürcher Verwaltungsgericht sind die Fakten im vorliegenden Fall klar: Um 11.50 Uhr ist der Unterricht im Dübendorfer Schulhaus zu Ende, um 13.45 Uhr geht er weiter. Und was dazwischen liegt, das lässt sich exakt berechnen.

So muss der Primarschüler zunächst den Bus erreichen, der fahrplanmässig erst um 12.10 Uhr abfährt. Dass dies möglich sei, sei nicht infrage gestellt, hält das Gericht im Urteil fest, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Um 12.13 Uhr erreicht dieser Bus die Haltestelle, an welcher der Mittelstufenschüler aussteigt und über mehrere Quartierstrassen nach Hause gelangt. Die Distanz bis zum Haupteingang des Elternhauses beträgt gemäss Gericht 764 Meter, wie «sich problemlos auf der Grundlage von Karten errechnen lässt».

Gehgeschwindigkeit 3,5 km/h

Dies bedeutet, dass der Schüler um 12.28 Uhr zu Hause ankommt: Das Gericht verweist auf eine anzunehmende, für einen Primarschüler dieses Alters angemessene Gehgeschwindigkeit von 3,5 km/h. Und es berücksichtigt in der Berechnung auch «eine grosszügige Wartezeit von zwei Minuten am Lichtsignal».

Umfrage

Reichen über Mittag 42 Minuten Pause für einen Primarschüler?





Und selbst wenn der Bus jeweils ein, zwei Minuten Verspätung haben sollte, wie dies die Eltern vorgebracht hätten, dann treffe der Sohn um 12.30 Uhr ein. In der umgekehrten Richtung stellt das Gericht dieselben Berechnungen an und gibt zur Sicherheit noch eine weitere Reserve von drei Minuten dazu: Damit müsse der Schüler um spätestens 13.12 Uhr das Elternhaus wieder verlassen, um den Bus sicher zu erreichen und danach pünktlich in der Schule einzutreffen.

«Schulweg ist Erholungszeit»

«Damit kann er etwas mehr als 40 Minuten seiner Mittagszeit zu Hause verbringen», hält das Gericht fest. Zudem sei der Schulweg nicht anspruchsvoll – es könnten weitere 20 Minuten als Erholungszeit gelten.

Damit würde sich auch nichts verändern, wenn der Schüler das angenommene Tempo von 3,5 km/h nicht einhalten würde, rechnet das Gericht weiter vor. Dann würde sich zwar die Mittagszeit zu Hause um fünf Minuten verkürzen, doch wäre der zur Erholungszeit zählende Schulweg entsprechend länger.

«Sein Schulweg führt damit nicht zu einer unzumutbar kurzen Mittagspause», hält das Gericht zusammenfassend fest. Die Eltern scheitern deshalb mit ihrem Antrag, dass die Schule die Kosten von 15 Franken pro Mittagstischbesuch übernimmt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. (sda/pu)

Erstellt: 21.09.2017, 14:46 Uhr

Artikel zum Thema

Wer hat Angst vor dem bösen Mann?

Mamablog «Steig nicht zu einem Fremden ins Auto» raten wir unseren Kindern. Und riskieren damit auch, dass sie sich vor dem Schulweg fürchten. Zum Blog

Der gefährlichste Schulweg der Welt

Im Südwesten Chinas überwinden Schulkinder eine 800 Meter hohe Klippe, um zur Schule zu gelangen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...