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«5-Sterne-Natur» statt Luxusvillen

Mit einer Provokation am Greifensee macht der Zürcher Naturschutz auf sein heutiges 75-Jahr-Jubiläum aufmerksam. Wo er sonst noch Wert für viele geschaffen hat statt für wenige.

Luxuswohnungen im Naturschutzgebiet? Zum Glück nicht, das «Fake-Baugespann» war bloss eine PR-Aktion des Kantons zum 75-Jahr-Jubiläum des Natur- und Landschaftsschutzes.
Luxuswohnungen im Naturschutzgebiet? Zum Glück nicht, das «Fake-Baugespann» war bloss eine PR-Aktion des Kantons zum 75-Jahr-Jubiläum des Natur- und Landschaftsschutzes.
Doris Fanconi
Seit 2008 sind die Thurauen Schauplatz einer der grössten Renaturierungen des Landes und die grösste Auenlandschaft im Schweizer Mittelland. Die einst schnurgerade Thur darf auf den letzten fünf Kilometern vor der Mündung in den Rhein wieder frei fliessen.
Seit 2008 sind die Thurauen Schauplatz einer der grössten Renaturierungen des Landes und die grösste Auenlandschaft im Schweizer Mittelland. Die einst schnurgerade Thur darf auf den letzten fünf Kilometern vor der Mündung in den Rhein wieder frei fliessen.
PD
Der geschützte, wilde Sihlwalnd – im Hintergrund der Zürichsee.
Der geschützte, wilde Sihlwalnd – im Hintergrund der Zürichsee.
Matthias Luchsinger
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«Bellevue am Greifensee»: So hiess die kleine Provokation der kantonalen Baudirektion am Greifensee in den letzten Tagen. Die kantonalen Natur- und Landschaftsschützer hatten am schönsten Ufer des Greifensees ein Baugespann aufgestellt und dieses illustriert mit einem luxuriösen Villenprojekt: Viel Glas, viel Beton und im Garten ein Porsche. Einige Seeanwohner hatten schlaflose Nächte, die Naturschützer schäumten.

Der Scherz, den sich der Kanton erlaubte, hat einen ernsten Hintergrund: An genau dieser Stelle richtete der Kanton Zürich 1942 die landesweit wohl erste Naturschutzzone ein. Der Druck auf die Landschaft war damals gross. Sogar das Zürcher Bellevue wurde – während der Anbauschlacht des zweiten Weltkrieges – als Kartoffelacker genutzt.

Die Provokation sass, dank des Medienwirbels redet heute die halbe Schweiz über das 75-Jahr-Jubiläum des Zürcher Natur- und Landschaftsschutzes. Regierungspräsident und Baudirektor Markus Kägi (SVP) «bedauerte» heute an einer Medienkonferenz den Ärger rund um den Greifensee. Doch dank diesen Fake-Baugespannen könne die Baudirektion heute aufzeigen, «welchen unschätzbaren Wert Schutzgebiete darstellen, die unverbaut bleiben», so Kägi.

Immer gegen politischen Widerstand

Dem Natur- und Landschaftsschutz sei es gelungen, die schönsten Landschaften im Kanton für die Bevölkerung weitgehend naturnah und nahezu unverbaut zu erhalten, sagt Ursina Wiedmer, Leiterin der Fachstelle Naturschutz. 18 Natur- und Landschaftsschutzverordnungen hat der Regierungsrat seit 1942 erlassen, alle waren politisch hart umstritten und wurden häufig gerichtlich angefochten. 1000 kantonale Schutzgebiete bestehen heute im Kanton, die kaum jemand mehr missen möchte. Zum Beispiel die wilden Auen an der Thur, das Neeracherriet, die Seenlandschaften am Greifen-, Pfäffiker- oder Türlersee und an den Katzenseen, die Drumlinlandschaft im Oberland, das zerklüftete Tössbergtal oder die Moorlandschaft auf dem Hirzel.

Zum 75-Jahr-Jubiläum lancierten die Fachstellen für Natur- und Landschaftsschutz die mit Geldern aus dem Lotteriefonds finanzierte Kampagne «5-Sterne-Natur». Ziel der Kampagne ist es, der Zürcher Bevölkerung den Wert der Natur- und Landschaftsschutzgebiete aufzuzeigen und sie zu ermuntern, diese ganz bewusst wahrzunehmen und zu entdecken. Über drei Wochen im Mai markieren auffällige Banner 75 ausgesuchte Natur- oder Landschaftsschutzgebiete im Kanton Zürich.

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