«8001» – Zürichs erste Sitcom

Eine eingefleischte Zürcherin mit indischen Wurzeln produziert die erste Sitcom mit Schauplatz Limmatstadt. Worüber die Zürcher die Nase rümpfen werden.

Aus dem Leben der Expats: Ankita Makwana (r.) spielt eine rebellische Inderin in Zürich. (Quelle: Youtube/Zurich 8001)


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Die Pilotfolge von «Zurich 8001» ist seit letzter Woche auf Youtube zu sehen. Auf lässige Stadtzürcher und Züritüütsch wartet der Zuschauer allerdings vergebens. Erzählt wird stattdessen in englischer Sprache die Geschichte von fünf Expats, die in der fremden Grossstadt vieles verlieren, dafür aber Freundschaft finden.
Hinter diesem Projekt steckt die junge Zürcher Autorin Ankita Makwana.

Die Tochter des Honorargeneralkonsuls J. H. Makwana hat einen Bachelor in Wirtschaft und Recht von der HSG. Ihr Herz schlägt aber für die Filmwelt: Seit zehn Jahren schauspielert sie, unter anderem mit Auftritten in grossen Bollywoodproduktionen. Nun möchte sie mit ihrer Sitcom Zürich von der schönsten Seite zeigen und in die Welt hinaustragen.

Angelehnt an US-Vorbilder

Obwohl einige Passagen noch ein wenig unbeholfen wirken und das typische Sitcomgelächter pausenlos zum Einsatz kommt, ist die Produktion mit wenig Mitteln filmisch gelungen. Das Konzept und auch die Titelmelodie erinnern stark an die berühmten US-Serien «Friends» oder «How I Met Your Mother». Ähnlich den amerikanischen Vorbildern, besteht die Gruppe aus fünf komplett unterschiedlichen Charakteren:

  • Amisha, eine verwöhnte, shoppingsüchtige Inderin, die nach Zürich geflohen ist, um in ihrer Heimat einer Zwangsheirat zu entkommen (gespielt von der Autorin selbst)
  • Kevin, ein homosexueller Schmuckdesigner aus New York, ist Amishas bester Freund
  • Marti, ein belgischer Architekt, der der Liebe wegen nach Zürich gezogen war, dann aber von seiner Schweizer Ehefrau verlassen wird
  • Vincenzo, ein brotloser Schauspieler aus Sizilien, der gerne Fettuccine kocht
  • Sandy, die kein Expat ist, sondern eine blonde, perlentragende Zürcherin, leicht versnobt, aber trotzdem liebenswert

Jeder Charakter hat mit seinem persönlichen aktuellen Unglück zu kämpfen, was die Gruppe zusammenschweisst.
Die Szenen im rund 20-minütigen Pilot spielen sich vorwiegend zwischen der Bahnhofstrasse, dem Kreis 1 und dem Seefeld ab. Sogar das blaue Tram bekommt einen Auftritt.
Die Autorin bedient Klischees, bei denen Stadtzürcher die Nase rümpfen werden (wer schlendert abends schon die Bahnhofstrasse entlang und spricht über die Liebe?). Trotzdem zeigt die Sitcom durchaus realistische Szenarien, wie zum Beispiel das endlos frustrierende Anstehen für eine Wohnungsbesichtigung in der Stadt.

Freunde ersetzen Familie

Inspiration hat die Autorin Ankita Makwana in ihren eigenen Erfahrungen gefunden. Für ihre Schauspielkarriere hat sie in der Vergangenheit selbst längere Zeit in Los Angeles, Paris und Bombay gelebt. «Dort habe ich verstanden, wie wichtig Freunde sind, wenn man weit weg von der Familie wohnt.»

Für den Pilotfilm hat Makwana das Drehbuch geschrieben sowie Regie geführt und den Titelsong verfasst. Das Budget dafür hatte sie von der eigenen Produktionsfirma AM Films. Nun träumt sie vom grossen Erfolg: Sie möchte die Serie über Online-Distributionskanäle wie Netflix international verbreiten.

Ein präzises Vorgehen hat sie dabei allerdings nicht: «Wir haben den Film nicht aktiv beworben, er ist lediglich online aufgeschaltet. Mal sehen, was passiert.» Ihr Zielpublikum sind junge Menschen, die Serien lieben, so wie sie. Bisher hat sie zehn Folgen geschrieben, ob überhaupt weitere Episoden gedreht werden, hängt jedoch von der Resonanz ab. Mit knapp 12'000 Views nach einer Woche auf Youtube hält sich diese vorerst noch in Grenzen.

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Erstellt: 28.12.2015, 11:40 Uhr

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