Aargauer als Sextouristen abgestempelt

Die Jungen Grünen wollen den Autobahnzubringer in Ottenbach verhindern – mit einer Plakataktion, die Aargauer als Sextouristen darstellt.

«Mit einem Augenzwinkern gemeint»: Plakat- und Flyermotiv für die Kampagne der Jungen Grünen.

«Mit einem Augenzwinkern gemeint»: Plakat- und Flyermotiv für die Kampagne der Jungen Grünen. Bild: zvg

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Einfach geschmacklos oder gelungener Werbegag? Ein Auto, mit einem «I love AG»-Kleber und einer weissen Socke an der Radioantenne fährt direkt in eine Zürcher Sexbox. Darüber steht gross: «Keine Schnellstrasse für Aargauer ins Puff!» Mit diesem Plakat werben die Jungen Grünen Zürich für die Ablehnung des geplanten Autobahnzubringers bei Ottenbach, welcher am 23. September vors Zürcher Stimmvolk kommt. Ab heute Dienstag soll die Aktion starten.

Der Kanton Aargau will zu deren Inhalt nicht direkt Stellung nehmen. «Der Kanton Aargau sieht keinen Anlass, zur Qualität einzelner Werbeaktionen dieses Abstimmungskampfes Stellung zu nehmen», erklärt Peter Buri, Sprecher des Aargauer Regierungsrates. Es sei Sache der Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, von welchen Argumenten sie sich überzeugen lassen wollten.

«Etwas Provokatives machen»

Für die Jungen Grünen Zürich selbst überschreitet das Plakat die Grenze des guten Geschmacks nicht, wie deren Präsident Luca Maggi auf Anfrage sagt: «Wir wollten etwas Provokatives machen, das die Sinnlosigkeit des Autobahnzubringers auf den Punkt bringt.» Das Plakat sei aber «mit einem Augenzwinkern gemeint», was laut Maggi auch klar ersichtlich sei.

Es gehe einfach darum, dass der Kanton Zürich in Ottenbach ein Projekt finanziere, das, «wenn überhaupt, nur dem Aargau etwas nützt», weil es einzig mehr Verkehr aus dem Nachbarkanton nach Zürich verlagern werde. Dafür würden ein Moor und geschützte Lebensräume für Pflanzen und Tiere aufs Spiel gesetzt.

Flyeraktion soll morgen starten

Das Plakat wurde heute Dienstag auch im Hauptbahnhof aufgehängt, wo «schon viel geschmacklosere» ausgehangen hätten. Damit spielt Maggi auf vergangene SVP-Kampagnen an: «Die hingen dann überall. Unseres ist aus Geldgründen nur an einem Ort zu sehen.»

Wohl auch deshalb gibt Maggi an, bisher noch keine negativen Reaktionen von Aargauern erhalten zu haben. Er glaubt aber nicht, dass die SBB das Plakat aus Rücksicht auf ihre Aargauer Kunden wieder abhängen würden.

Dies bestätigt Christian Ginsig, Sprecher der SBB: «Aufgrund eines Bundesgerichtsentscheides, welcher den Hauptbahnhof als öffentlichen Raum deklarierte, führen wir bei Werbeplakaten eine liberale Politik.» Das heisse, dass sämtliche Plakate, welche eine Meinung äussern, auch im Zweifelsfall aufgehängt würden. Eine Grenze ziehe man erst bei Inhalten, «welche die öffentliche Ordnung stören oder gegen Gesetze verstossen».

Und die Jungen Grünen setzen morgen Mittwoch noch einen drauf: «Dann starten wir beim Hauptbahnhof eine Flyeraktion mit dem gleichen Motiv.»

Erstellt: 11.09.2012, 13:35 Uhr

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