Ab in den Wald

Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auch bei Eis und Schnee vor die Tür. Die raren Plätze in den beiden Zürcher Waldkindergärten sind heiss begehrt, das betreute Spielen im Wald boomt.

Auf zu neuen Abenteuern: Eine Waldkindergartengruppe unterwegs in Witikon.

Auf zu neuen Abenteuern: Eine Waldkindergartengruppe unterwegs in Witikon. Bild: TA

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Wenn der Schnee rieselt und die Temperaturen purzeln, dann ist bei den meisten Familien Einkuscheln im gut geheizten Zuhause angesagt. In der Stadt Zürich sieht die Situation allerdings anders aus. «Immer mehr Eltern haben den Wunsch, dass ihre Kinder möglichst viel Zeit draussen verbringen. Daher sind Waldtage bei den Kinderkrippen in der Stadt Zürich keine Seltenheit mehr», sagt Christina Stücheli, Mediensprecherin des Zürcher Sozialdepartements, gegenüber Tagesanzeiger.ch

Doch nicht nur einzelne Waldtage sind gefragt. Auch Kinderbetreuungen, die ausschliesslich im Wald stattfinden, erleben einen eigentlichen Boom. So existieren in der Stadt Zürich bereits neun Waldspielgruppen. Daneben gibt es die beiden Waldkindergärten Troll und Wakita. Dort bestehen bereits lange Wartelisten für einen Eintritt in den Kindergarten.

Die Skepsis ist gesunken

«Derzeit liegen uns 30 bis 40 provisorische Anmeldungen für einen Platz in unserer Waldkinderkrippe vor. Beim Kindergarten sind es zirka 25 Anträge», sagt Troll-Leiterin Heidi Ruckli. Seit der Einführung des Kindergartenobligatoriums im Sommer 2008 seien die Anfragen kontinuierlich gestiegen. «In diesem Jahr ist das Interesse besonders gross. Im kommenden Jahr wird es noch extremer», so Ruckli. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Wakita. «Wir haben derzeit rund 50 Leute auf der Warteliste und können nur 20 bis 30 Kinder aufnehmen», so die Leiterin des Waldkindergartens Marga Keller.

Die steigende Nachfrage erklärt Keller damit, dass das Prinzip Waldkindergarten langsam bekannter wird. «Die Skepsis gegenüber der Waldpädagogik ist gesunken. Mittlerweile nehmen Eltern viel Weg auf sich, um zu uns kommen zu können, weil es in ihrer Umgebung kein vergleichbares Angebot gibt.» Auch Heidi Ruckli stellt ein Umdenken bei den Eltern fest. «Sie setzen sich immer stärker mit Themen wie Bewegungsmangel und Reizüberflutung bei Kindern auseinander.» In der freien Natur bekommen die Kleinen die Möglichkeit, ihren Bewegungs- und Entdeckerdrang auszuleben.

«Man bekommt einen Dreckspatz nach Hause»

Eltern, die ihre Kinder in den Waldkindergarten geben, müssen allerdings mit einigem Mehraufwand rechnen. «Man bekommt einen Dreckspatz nach Hause mit schmutzigen Kleidern und verschmiertem Gesicht», warnt Wakita-Leiterin Marga Keller. «Viele Eltern wollen lieber ein Kind, das piekfein aus dem Chindsgi zurückkehrt.» Zudem entsprechen die Betreuungszeiten nicht den regulären Krippenbedingungen: Herkömmliche Krippen sind zwischen 7 und 18 Uhr geöffnet. In den Waldkindergärten wird nur zwischen 8 und 14 Uhr betreut.

Dafür lernen Kinder im Wald Dinge, die es in der guten Stube nicht zu erfahren gibt. «Man ist aufeinander angewiesen beim Umsetzen von Ideen und Projekten, etwa um schwere Äste zum Bau einer Hütte anzuschleppen», erklärt Keller. «Das Leben im Wald ist somit auch ein Vorbild für das Miteinander im Alltag.»

Erstellt: 02.12.2010, 12:09 Uhr

So kommt Ihr Kind auf die Warteliste

Wer Interesse an einem Platz in einem der Waldkindergärten hat, darf sich von den langen Wartelisten nicht entmutigen lassen. «Man kann an 15. Stelle sein und dann plötzlich doch einen Platz in der Krippe bekommen, weil jemand weggezogen ist, Anträge zurückgezogen wurden oder die Kinder bereits einen anderen Krippenplatz erhalten haben», sagt Heidi Ruckli. Auch Marga Keller meint, dass bis jetzt alle einen Platz erhalten haben, «denen es wirklich wichtig war und die sich früh genug angemeldet haben.» Anmeldungen nehmen die beiden Waldkindergärten unter www.waldkindergarten-zh.ch und www.wakita.ch entgegen.

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