Acht Jahre für Polizisten-Schubser gefordert

Acht Jahre Freiheitsentzug wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eines Polizisten - oder ein Jahr wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte: Die Anträge von Anklage und Verteidigung vor dem Zürcher Geschworenengericht klafften am Dienstag weit auseinander.

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Vor dem Zürcher Obergericht steht seit einer Woche ein 45- jähriger Schweizer. Ihm wird vorgeworfen, er habe Ende Juni 2008 in Zürich-Affoltern versucht, im Verlauf eines Gerangels einen jungen Polizisten vom Balkon im siebten Stock zu stossen. Im letzten Moment konnten zwei weitere Polizisten eingreifen und den Sturz ihres Kollegen aus 21 Metern Höhe verhindern.

Gegen Festnahme gewehrt

Die Beamten befanden sich in der Wohnung des Angeklagten, weil sie den stark angetrunkenen Mann festnehmen wollten. Dieser hatte eine handgreifliche Auseinandersetzung mit seiner Frau gehabt und wehrte sich heftig gegen seine Festnahme.

Laut Staatsanwalt Ulrich Weder setzte der Angeklagte den Polizisten einem hohen Todesrisiko aus und nahm die Tötung des jungen Mannes in Kauf. Er habe sich damit der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie der Gewalt und Drohung gegen Beamte schuldig gemacht.

Kein direkter Tötungsvorsatz

Einen direkten Tötungsvorsatz gebe es allerdings nicht. Weil zudem ein Gutachten dem Angeklagten eine leicht verminderte Schuldfähigkeit attestierte, erachtete der Staatsanwalt eine achtjährige Freiheitsstrafe als angemessen. Zudem sei eine ambulante Psychotherapie während des Strafvollzugs anzuordnen.

Verteidiger Valentin Landmann verlangte dagegen einen Freispruch vom Hauptvorwurf des Tötungsversuchs. Wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte sei sein Mandant mit einer Freiheitsstrafe von höchstens einem Jahr zu bestrafen. Falls er - im schlimmsten Fall - der Gefährdung des Lebens schuldig gesprochen würde, sei eine maximal dreijährige Freiheitsstrafe angebracht.

Der Tötungsvorwurf solle lediglich von der Unverhältnismässigkeit des Polizeieinsatzes ablenken, erklärte der Verteidiger. Dies sah Staatsanwalt Weder anders: Das Vorgehen der Polizei sei absolut korrekt und nötig gewesen. (ep/sda)

Erstellt: 15.09.2010, 09:27 Uhr

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