Acht statt sechs Monate unbedingt für den Posträuber

Das Obergericht hat den 40-jährigen Süditaliener zu einer Strafe von 28 Monaten verurteilt, weil er einen Raubüberfall vorbereitet hat. Damit bestätigt das Gericht ein Urteil des Bezirksgerichts im Wesentlichen.

Stand vor dem Zürcher Obergericht: Domenico Silano.

Stand vor dem Zürcher Obergericht: Domenico Silano.

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Im Juni 2009, zwölf Jahre nach dem spektatulären Raubüberfall auf die Fraumünsterpost gab er sich geläutert und reuig: Domenico Silano, damals 36-Jährig, veröffentlichte ein Buch über die Tat. Und sagte, er wolle Jugendlichen ein Vorbild sein, sie davon abhalten, Fehler zu begehen, wie er sie begangen hatte. Nur ein Jahr später, im Mai 2010, war er drauf und dran, den selben Fehler noch einmal zu machen. Domenico Silano plante zusammen mit Komplizen einen Überfall auf einen Geldkurier der UBS.

Die Männer inspizierten den vorgesehenen Tatort in der Zürcher Innenstadt, beschafften Sturmhauben, Waffenattrappen und kümmerten sich um Fluchtfahrzeuge. Den effektiven Überfall ausführen sollte ein Profiräuber, der aus dem selben Dorf in Süditalien stammt wie Silano. Es soll denn auch Silano gewesen sein, der den Profiräuber anheuerte. Die Pläne sind detailliert bekannt, weil die Polizei einen der Komplizen wegen Verdachts auf Drogendelikte eng überwachte. Nicht nur Telefone hörten die Ermittler ab, sie verwanzten auch das Auto des Komplizen.

«Ich bin schwach geworden»

Der Überfall fand allerdings nie statt. Warum, das ist die grosse, entscheidende Frage. Denn die Vorbereitung eines Raubs ist strafbar – es sei denn, der Täter entscheide sich spontan und aus eigenem Antrieb, seine Tat nicht zu begehen. Genau das war die Verteidigungsstrategie Domenico Silanos. «Mein Sohn war der Grund, weshalb ich von den Plänen absah», erklärte er heute dem Obergericht. «Dass mich der eigene Sohn nicht mehr akzeptieren könnte, wäre das Schlimmste für mich.» Auch seinen Lesern, die «an mich geglaubt haben», habe er sich verpflichtet gefühlt. Dass er einen Raub geplant hatte, das bestritt der Posträuber hingegen nie. «Ich bin schwach geworden, aber ich hatte die Kraft mich zurückzuziehen», sagte er. Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch.

Der Staatsanwalt und mit ihm das Bezirksgericht Zürich stellten die Sache ganz anders dar. Die Abhörprotokolle zeigten, dass Silano keineswegs aus eigenem Antrieb auf den Überfall verzichtete. Vielmehr hätten sich die Komplizen schon während der Planung zerstritten. Aber nicht nur das: Kurz bevor der Überfall hätte stattfinden sollen, verhaftete die Polizei fünf Personen wegen Drogendelikten, darunter den Bruder und den Neffen von einem der Komplizen. Das hatte zur Folge, dass der eigens aus Süditalien angereiste Profiräuber Zürich fluchtartig wieder verliess. Silano behauptete, von den Verhaftungen erst Wochen später erfahren zu haben; den Entschluss, die Tat nicht zu begehen, habe er noch vor den Verhaftungen gefasst.

Verteidigung will ans Bundesgericht

Das Obergericht folgte im heutigen Prozess der Argumentation der Staatsanwaltschaft und bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts vom 16. April dieses Jahres im Wesentlichen. Die Richter senkten zwar die Strafe geringfügig, von 30 auf 28 Monate, dafür aber erhöhten sie jenen Teil, den Silano absitzen muss, von sechs auf acht Monate. «Die Gründe, die der Beschuldigte für den Rücktritt von der Tat genannt hat, vermögen nicht ansatzweise zu überzeugen und wirken sehr fadenscheinig», sagte der Gerichtsvorsitzende, «denn sie bestanden schon, bevor mit der Planung begonnen wurde.» Vielmehr zeigten die Protokolle, dass Silano noch an der Ausführung der Tat festhielt, als sich ein Teil seiner Komplizen bereits zurückgezogen hätten. «Es waren äussere Umstände, nicht eine innere Motivation, die ihn dazu brachten, die Tat nicht auszuführen.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal an, er werde «ganz sicher» ans Bundesgericht gelangen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 14:37 Uhr

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