Aeppli braucht Milliarden für neue Schulhäuser

Weil Investitionen jahrelang aufgeschoben wurden, fehlen im Kanton Zürich heute 3 Mittelschulen und 28 Turnhallen. Zudem müssen die Gymnasien Rämibühl und Zürich-Nord dringend saniert werden.

Schüler in der Stadtzürcher Kantonsschule Enge: Bis 2027 erwartet der Kanton 3000 Gymnasiasten mehr.

Schüler in der Stadtzürcher Kantonsschule Enge: Bis 2027 erwartet der Kanton 3000 Gymnasiasten mehr. Bild: Thomas Burla

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Sie kommt spät, aber gerade noch rechtzeitig. So kommentieren die Parteien die regierungsrätliche Schulraumstrategie für Mittel- und Berufsfachschulen. Längst hätten in der Stadt Zürich die 40-jährigen Mittelschulen Zürich-Nord und Rämibühl sowie die Berufsfachschulen im Kreis 5 saniert werden sollen, und längst weiss man, dass im ganzen Kanton für diese Stufe bis zu 28 Turnhallen fehlen. Schon lange ist auch bekannt, dass die Zahl von Gymnasiasten und Berufsschülern in den nächsten 15 Jahren immens steigen wird.

Nun hat die Bildungsdirektion Handlungsbereitschaft signalisiert. Und es scheint so, als ob sie sich nicht mehr vor der Kostenwahrheit drückt. Statt wie bisher 50 Millionen Franken will sie in den nächsten 15 Jahren durchschnittlich 120 Millionen pro Jahr investieren, das bedeutet total eine Summe im Milliardenbereich (siehe Grafik). Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) räumte gestern vor den Medien ein: «Der Kanton hat über Jahre einen Ausgabenberg vor sich her geschoben, den er nun bewältigen muss.»

Kosten für SVP «haarsträubend»

Für den Zolliker Kantonsrat Claudio Zanetti (SVP) sind diese prognostizierten Kosten haarsträubend. «Das ist kein Berg, das ist ein Matterhorn», sagt er. Da habe die Regierung ihre Arbeit nicht gemacht.

Ralf Margreiter (Grüne, Zürich) kritisiert, dass Regierung und Parlament in den letzten Jahren einen kurzsichtigen Sparblick hatten und die Investitionen nicht auf dem erforderlichen Niveau festgelegt haben. «Das Versäumnis ist sehenden Auges passiert. Nun kommt der Tag der Wahrheit.» Wichtig sei, dass der Regierungsrat nun Stehvermögen zeige und die Investitionen auch gegen den Widerstand der bürgerlichen Sparpolitiker durchsetze, sagt Margreiter. FDP, SP und CVP unterstützen Aepplis Schulraumstrategie ebenso.

Dass die Kosten nun gehäuft anfallen, ist für Marc Kummer, Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, das Resultat der neuen Gesamtstrategie. Diese sei erstmalig in der Geschichte des Kantons.

Neben den Ausgaben für Sanierungen will die Regierung vor allem in neue Schulen ausserhalb der Stadt investieren. Mittel- und Berufsfachschulen sollen künftig auch auf dem Land stehen und damit auch die Verkehrsströme Richtung Zürich reduziert werden. Gleichzeitig kann der Kanton mit seiner Strategie dem erwarteten Bevölkerungswachstum gerecht werden. Spätestens ab 2020 reichen die 950 Unterrichtszimmer an den öffentlichen Mittelschulen nicht mehr. Bis 2027 rechnet der Kanton mit 3000 zusätzlichen Mittelschülern.

Mittelschule in Chemiefabrik?

Angesichts dessen will der Regierungsrat die Schule Zürich-Nord ausbauen sowie den Neubau der Mittelschule Uster verwirklichen. Bei den neuen Mittelschulen sieht er je eine im Knonauer Amt sowie an den beiden Seeufern vor. Konkrete Standorte gibt es aber noch nicht. Gemäss Kummer haben erste Gespräche bereits stattgefunden. Im Knonauer Amt bevorzugt der Kanton den Ausbau der Kantonsschule Urdorf, weil er dort Land besitzt. Am linken Ufer buhlt vor allem die Bildungsstadt Wädenswil um einen Standort. An der Goldküste kann sich der Kanton eine unkonventionelle Lösung vorstellen. «Vielleicht wird auf dem Gelände der Chemie Uetikon dereinst eine Mittelschule stehen», sagte Aeppli gestern.

Bei den Berufsschülern rechnet der Kanton mit einem weniger drastischen Anstieg. Hier werden bis 2030 zwar rund 4500 zusätzliche Jugendliche erwartet. Doch prozentual ist diese Zunahme geringer als bei den Mittelschulen, da es rund dreimal mehr Berufsschüler als Gymnasiasten gibt. In den Berufsschulen kann der Anstieg der Schülerzahlen laut der Bildungsdirektion mit einer effizienteren Nutzung der bestehenden Räume aufgefangen werden.

Für den Kanton ist bei Neubauten künftig denkbar, nicht mehr als Eigentümer und Bauherr aufzutreten, sondern nur noch als Mieter. Diese Strategie hat er bei der Pädagogischen Hochschule (PH) an der Europaallee verfolgt. Den SBB gehört das Land, sie bildeten die Bauherrschaft, und der Kanton hat sich mit der PH eingemietet. «Das kommt uns zwar nicht günstiger zu stehen, fordert aber weniger Investitionen», sagte Aeppli.

Bildungsmeile im Kreis 5

Wenn die Zürcher Hochschule der Künste 2014 aus ihren Gebäuden im Kreis 5 auszieht, wird der Kanton diese für die Berufsschulen nutzen und daraus die «Bildungsmeile» der Berufsschulen machen. Für deren Ausbau und für die anstehenden Sanierungen hat der Kanton ein bis zwei Rochadeschulhäuser gefunden. Laut Marc Kummer sind dafür die Berufsmaturitätsschule an der Lagerstrasse und die Anlage der ehemaligen Kantonsschule Riesbach denkbar.

Lösungen für fehlende Turnhallen will der Kanton mit einer Sportstättenstrategie erarbeiten. Kummer kann sich eine neue Art von Sportunterricht und eine Zusammenarbeit mit privaten Anbietern wie Fitnesscentern vorstellen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 07:20 Uhr

Ausbau, Neubau, Sanierungen: Der Bedarf ist enorm. (Bild: TA-Grafik)

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