Akte Sarasin/Goltermann ungelöst

Ob die «Weltwoche»-Vorwürfe zur Berufung von Professorin Svenja Goltermann stimmen, wird wohl erst vor Gericht geklärt. Der Regierungsrat gab eine zurückhaltende Antwort auf einen kritischen SVP-Vorstoss.

Widerspricht der «Weltwoche» vehement: Professor Philipp Sarasin.

Widerspricht der «Weltwoche» vehement: Professor Philipp Sarasin. Bild: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti ist es eine «unumstössliche Tatsache», dass es sich um einen «Berufungsskandal» handelt. Klar ist für Zanetti, dass Geschichtsprofessor und Berufungskommissionsmitglied Philipp Sarasin und Kandidatin Svenja Goltermann eine intime Beziehung hatten, als die Historikerin zur Geschichtsprofessorin an der Universität Zürich berufen wurde. Das hatte die «Weltwoche» Anfang Oktober behauptet und bemängelt, dass Sarasin nicht in den Ausstand getreten war.

In einer Interpellation an den Regierungsrat doppelte Zanetti nach und stellte kritische Fragen. In seiner Antwort, die heute Donnerstag veröffentlicht wurde, gibt sich der Regierungsrat zurückhaltend. So habe eine interne Untersuchung der Unileitung ergeben, dass «keine Belege für die erhobenen Vorwürfe» vorlägen. Die Regierung schreibt also nicht, dass es zum Zeitpunkt des Berufungsverfahrens keine Liebesbeziehung gegeben habe, sondern dass es dafür keine Belege gebe.

Es geht nur noch um Verfahren

Zudem verweist die Regierung auf eine externe Untersuchung, welche die Unileitung «angesichts der Schwere der Vorwürfe» angeordnet hat. Die beauftragten Experten Ursula Cassani von der Uni Genf und Eric Hildendorf von der Uni Würzburg werden die entscheidende Frage in diesem Fall aber nicht klären. Ihr Auftrag lautet zu prüfen, ob die Ausstandsregeln «formell korrekt» angewandt wurden. Auch sollen sie untersuchen, ob die Unileitung richtig auf die Vorwürfe reagiert hat.

Die angebliche intime Beziehung von Sarasin und Goltermann vor und während des Berufungsverfahrens ist «nicht Gegenstand der externen Untersuchung», bestätigt Unisprecher Beat Müller. «Es geht um Verfahren, nicht um Personen.» Die Resultate der Expertise werden im neuen Jahr erwartet.

Zwei Klagen hängig

Svenja Goltermann wurde von der Berufungskommission als Nachfolgerin von Neuzeit-Professor Carlo Moos vorgeschlagen und vom Universitätsrat abgesegnet. Sie hat den Lehrstuhl 2012 übernommen. Ein Paar seien sie erst seit Sommer 2013, sagen Sarasin und Goltermann, die sich vehement gegen die «Weltwoche»-Vorwürfe wehren.

Sie haben zwei Verfahren gegen die «Weltwoche» eingeleitet, ein zivil- und ein strafrechtliches. Sarasin und Goltermann klagen wegen Persönlichkeitsverletzung gegen die Weltwoche Verlags AG und den «Weltwoche»-Journalisten, der die entsprechenden Artikel geschrieben hat. Dieses Klage liegt beim Friedensrichteramt der Zürcher Kreise 4 und 5. Die Strafanzeige gegen den Journalisten wegen Ehrverletzung wurde bei der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat erstattet. Beide Verfahren sind hängig. «In diesen Verfahren wird die ‹Weltwoche› den Beweis für Ihre Behauptungen antreten müssen», sagt Sarasins und Goltermanns PR-Berater Jürg Wildberger.

Immer noch krankgeschrieben

Philipp Sarasin und Svenja Goltermann waren vom 5. November bis zum 7. Dezember krankgeschrieben, weil der Rummel um ihre Personen sie gesundheitlich mitgenommen hat. Bis zum 11. Januar sind sie laut Uni noch «teilweise krankgeschrieben». Sie führen ihre Lehrveranstaltungen (bis zum 20. Dezember) durch und betreuen die wissenschaftlichen Arbeiten ihrer Doktorierenden und Studierenden, sagt Uni-Sprecher Müller.

Erstellt: 11.12.2014, 16:49 Uhr

Artikel zum Thema

Sie sind dann mal weg

Analyse Das Professorenpaar der Uni Zürich Sarasin-Goltermann ist krankgeschrieben. Das weckt Skepsis und verbietet sie gleichzeitig. Mehr...

Uni-Professoren krankgeschrieben

Geschichtsprofessor Philipp Sarasin und seine Partnerin Svenja Goltermann sind wegen der Kampagne der «Weltwoche» offenbar gesundheitlich angeschlagen. Mehr...

Hinterfragen ist noch nicht Sexismus

Blog Mag Die «Weltwoche» wirft dem Historiker Philipp Sarasin vor, er sei bei der Berufung von Svenja Goltermann befangen gewesen. Dieser Frage nachzugehen, ist legitim. Zum Blog

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Erneuerbar heizen für eine gesunde Umwelt

Alle erneuerbaren Heizsysteme haben gemeinsam, dass sie die CO2-Emissionen reduzieren, den Wiederverkaufswert Ihrer Liegenschaft erhöhen und langfristig die Heizkosten senken.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...