«Alle im Block hatten Angst vor ihm»

Nachbarn von Simon B., dem Täter von Würenlingen AG, beschreiben ihn als aggressiv und paranoid. Er installierte vor seiner Wohnungstür eine Videokamera, weil er sich bedroht fühlte.

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Der 36-jährige Simon B., der am Samstag in Würenlingen AG vier Menschen erschossen hat und sich danach selbst richtete, war am 2. April an seinem Wohnort in Reichenburg SZ von der Schwyzer Kantonspolizei verhaftet und fürsorgerisch untergebracht worden. In welcher Art von Klinik oder Institution der türkischstämmige Schweizer landete, ist bisher nicht bekannt.

Laut «20 Minuten» wollen einige Nachbarn wissen, dass Simon B. zeitweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war und währenddessen mindestens einmal zurückgekommen ist. Vor wenigen Tagen habe die Polizei dann mitgeteilt, dass er diese Woche wieder zurückkehren werde.

Videoüberwachung vor der Türe

Die Familie lebte seit 2012 in der Gemeinde in einer modernen Eigentumswohnung, die dem Bruder von Simon B. gehört. Die Nachbarschaft war offenbar nicht begeistert von ihm und seiner Frau. «Alle im Block hatten Respekt und Angst vor ihm», sagt der Abwart. Die Ehefrau, eine Supermarkt-Kassiererin, wird von einer Nachbarin als unfreundlich beschrieben, sie habe nie einen Gruss erwidert. Eine andere Nachbarin vermutet, dass Simon B. psychisch krank war und unter Verfolgungswahn litt.

Er installierte vor der Wohnungstür eine Videokamera, weil er sich bedroht fühlte. Zudem hatte er Nachbarn als Rassisten tituliert. Auch die Ehefrau habe einmal eine Person vor dem Haus fotografiert und gesagt, sie werde das Bildmaterial der Staatsanwaltschaft geben. Sie fühlte sich offenbar ebenfalls bedroht. Simon B. hatte bereits mit der Polizei zu tun – 2007 wegen Körperverletzung und 2012 wegen Drohung. Kesb und Kapo wollen heute informieren

Am letzten Mittwoch, also vier Tage vor der Tat, sei Simon B. wieder in der unbewohnten Wohnung gewesen, sagt der Hauswart. Ob die Rückkehr in die Wohnung der Auslöser für die Bluttat gewesen war, ist nicht bekannt.

Die Kesb und die Kapo Schwyz wollen heute weitere Informationen zu den Hintergründen der Tat bekannt geben.

Erstellt: 12.05.2015, 07:38 Uhr

Fürsorgerische Unterbringung

Fürsorgerische Unterbringung – kurz FU – bedeutet, dass eine Person in eine geeignete Institution gebracht wird, zum Beispiel in eine geschlossene psychiatrische Klinik. Die KESB oder auch Ärzte können eine FU anordnen. Voraussetzung dafür ist erstens, dass eine Person unter einer psychischen Störung oder einer geistigen Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist. Zweitens muss der Freiheitsentzug unbedingt notwendig sein, das heisst, es darf keine milderen Mittel geben, welche das Problem ebenfalls lösen könnten - zum Beispiel eine ambulante Therapie. (hoh)

Wirrwarr um Täternamen

In den Medien wird der Name des mutmasslichen Täters verschieden geschrieben: Semun A. und Simon B. Beide Namen stimmen. Der türkischstämmige Schweizer gehörte laut «20 Minuten» zur christlichen Minderheit der Aramäer. Früher lautete der Vorname des Mannes Semun, die aramäische Version von Simon. Zuletzt war Simon sein offizieller Vorname. Warum der Nachname geändert wurde, ist nicht bekannt. (hoh)

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Noch immer ist unklar, was Simon B. zur Tat bewog. (Bild: Keystone )

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