Alpenkräuter statt Hasch

Schweizer Hanf wird knapp. Immer häufiger importieren Händler Hasch aus dem Ausland – mit der Folge, dass auch «Unkraut» auf den Markt kommt.

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Im Januar 2008 wurden über 2000 Hanfpflanzen in Urnäsch beschlagnahmt. Im Februar stellte die Kantonspolizei Uri in Flüelen rund 2000 Cannabispflanzen sicher. Im April wurde im Keller eines Einfamilienhauses in Rümlang eine Hanf-Indooranlage ausgehoben. Im Juli flogen Hanf-Produzenten im bernischen Niderbipp auf und im Kanton Zürich sind alleine in den vergangenen zwei Wochen rund 3000 Hanfpflanzen von der Polizei vernichtet worden.

Bleivergiftungen wegen verunreinigtem Hasch

Seit Anfang Jahr vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendwo in der Schweiz eine Indoor-Anlage von Hanfhändlern aufgeflogen ist. Das macht sich auch auf der Gasse bemerkbar. «Es wird wieder mehr importiert», sagt Donald Ganci, Leiter des Zürcher Jugendberatung Streetwork. Es müsse noch abgewartet werden, welchen Einfluss dieser Umstand auf die Szene habe. «In Deutschland hat es beispielsweise Fälle von Bleivergiftungen durch verunreinigtes Hasch gegeben. Bis jetzt sind in der Schweiz allerdings noch keine solchen Vorfälle bekannt geworden», so Ganci.

«Die Szene mischt Dreck in die Drogen»

«Wenn ein Stoff knapp wird, dann wird in der Szene oft Dreck unter die Drogen gemischt», weiss Jeanette Vernay, Sozialarbeiterin der polivalenten Zürcher Beratungsstelle Basta. Weil die Polizei gegenwärtig sehr präsent sei, laufe der Handel auf der Gasse schneller ab. «Als Konsument hat man keine Zeit, um die Ware zu kontrollieren. Was man gekauft hat, merkt man erst, wenn man es raucht», so Vernay, «dann kommt es schon mal vor, dass die Kunden Alpenkräuter statt Hanf rauchen.»

Obwohl die Polizei sehr restriktiv gegen den Handel mit Drogen vorgeht: Die Beschaffung von Hasch ist nie ein Problem. Zu diesem Schluss kommt Thilo Beck, Chefarzt der Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen (Arud) Zürich. «Der illegale Markt ist wahnsinnig flexibel. Er reagiert sehr schnell und der Bedarf wird immer rasch wieder abgedeckt, selbst wenn grösste Mengen Stoff konfisziert werden», weiss Beck. So lange der Markt attraktiv bleibt, werde immer irgendjemand Drogen liefern, «die Repression bewirkt da nur wenig.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2008, 16:01 Uhr

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