«Als frisch gewählte Präsidentin kann sie nicht gleich über alles bestimmen»

Nachdem Doris Fiala den Vorstand der Aids-Hilfe Schweiz kritisierte, wehrt sich Geschäftsführer Michael Kohlbacher. Er kritisiert die Zewo scharf – und beklagt den Verlust privater Spender.

Wollen die Aids-Hilfe aus der Krise führen: Geschäftsführer Michael Kohlbacher und Doris Fiala, FDP-Nationalrätin aus Zürich.

Wollen die Aids-Hilfe aus der Krise führen: Geschäftsführer Michael Kohlbacher und Doris Fiala, FDP-Nationalrätin aus Zürich. Bild: , PD/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Debatte um die Entschädigung von 50'000 Franken kritisiert Doris Fiala den Vorstand. Sie habe darauf bestanden, den Betrag zu kommunizieren. Trotzdem wurde dagegen gestimmt. Weshalb?
Es stimmt, sie hat sich aufgrund ihrer Erfahrung dafür ausgesprochen. Der Vorstand entschloss sich aber, dies nicht an die grosse Glocke zu hängen. Es war intern allen bekannt und wurde nie verheimlicht. Auch extern sollte nichts verheimlicht werden, sondern auf Anfrage kommuniziert werden.

Die Aids-Hilfe hat Fiala engagiert, weil sie ein PR-Profi ist. Weshalb hat der Vorstand dann nicht auf sie gehört?
Sie kam als ganz frisch gewählte Präsidentin an die Medienkonferenz. In einer solchen Situation kann man nicht gleich über alles bestimmen. Sie hat aber den anwesenden Medienvertretern mündlich mitgeteilt, dass sie eine höhere Entschädigung als ihre Vorgänger bekommt.

Fiala sagt weiter, dass sich die Aids-Hilfe des Risikos bewusst war, dass die Zewo die Entschädigung kritisieren oder gar mit dem Entzug des Zertifikates drohen wird.
Aus unserer Sicht bestand dieses Risiko nicht. Vor der Wahl von Frau Fiala haben wir angefragt, ob eine höhere Entschädigung drin liegt. Von Seiten der Zewo hiess es, das müsse entsprechend begründet werden. Dafür schickte man uns einen Fragebogen. Entsprechend wurde das Pflichtenheft für das Präsidium formuliert. Frau Dr. Ziegerer von der Zewo wollte erst bis zum 30. März eine Stellungnahme haben, weshalb wir beschlossen haben, ihre Fragen an der nächsten Vorstandssitzung am 9. März zu diskutieren und danach offiziell Stellung zu nehmen. Dass sie in diesem laufenden Verfahren vor diesem Termin die Aids-Hilfe in den Medien kritisiert, finde ich, gelinde gesagt, nicht in Ordnung. Besonders da ich aufgrund einer ersten Medienanfrage vorgegriffen habe und bereits am 29. Februar eine Stellungnahme an die Zewo geschickt habe. Die Art und Weise, wie sie in die Politik und Strategie einer Non-Profit-Organisation eingreift, geht nach meiner Meinung über die Kompetenz der Zewo hinaus.

Alleine in Zürich sind 32 Personen bei der Aids-Hilfe tätig. Der Lohnaufwand liegt bei 3,5 Millionen Franken. Ist diese Grösse gerechtfertigt?
Das sind zum Grossteil Teilzeitangestellte. Wir haben uns bereits redimensioniert und in den letzten zwei Jahren 30 Prozent Personal abgebaut. Dabei engagieren wir uns für 25'000 HIV-positive Menschen in der Schweiz. Viele von ihnen haben grosse psychische Probleme wegen Isolation, Diskriminierung oder Stellenverlust, und es gibt eine hohe Selbstmordrate unter HIV-Positiven. Deshalb sind wir immer mehr auch eine Patientenhilfe-Organisation. Diese Aufgaben nehmen immer mehr zu. Das BAG zahlt dafür keinen einzigen Franken. Und die Prävention ist immer die selbe, ob man aktuell 600 neue Infektionen oder wie vor einigen Jahren 1000 Fälle im Jahr verhindern will.

Haben Sie Reaktionen vonseiten der Spender erhalten?
Ja. Leider einige negative. Der Schaden ist angerichtet. Es tut uns sehr leid um jeden einzelnen privaten Spender, der sich zurückzieht. Wie viele das sein werden, ist offen.

Erstellt: 02.03.2012, 17:12 Uhr

Artikel zum Thema

«Das war naiv»

Interview Die Debatte über ihre Entschädigung für das Präsidium der Aids-Hilfe greift für Doris Fiala (FDP) zu kurz. Sie kritisiert den Vorstand und erklärt, warum sie mit einem Parteikollegen wie Otto Ineichen keine Feinde mehr braucht. Mehr...

Der falsche 50'000-Franken-Job

FDP-Nationalrätin Doris Fiala kostet die Aids-Hilfe der Schweiz Geld und Glaubwürdigkeit. Mehr...

«Frau Fiala muss ihr Engagement zeitlich begrenzen»

50'000 Franken Jahresentschädigung als Präsidentin einer Hilfsorganisation ist zu viel, meint Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer. Allerdings gebe es Ausnahmen. Mehr...

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Sehen so Gewinner aus? Der Britische Premierminister Boris Johnson ist für kreative (Wahl-)Kämpfe bekannt, aber ob er mit Boxhandschuhen den Brexit voran und seine Wähler an die Urnen bringt? (19. November 2019)
(Bild: Frank Augstein/Getty Images) Mehr...