Alte Strassenschilder landen im Müll statt auf dem Auktionstisch

Ein altes New Yorker Strassenschild ist einem Sammler über 100'000 Dollar wert. Auch in Zürich wenden sich Interessierte an die Stadt und fragen nach alten Schildern von Strassen. Vergebens.

Im Garten dürfen sie aufgehängt werden: «Private» Strassenschilder in Zürich.

Im Garten dürfen sie aufgehängt werden: «Private» Strassenschilder in Zürich. Bild: Claudia Imfeld

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Das rund hundert Jahre alte Strassenschild Wall Street, Ecke Broad Street wechselte beim Auktionshaus Christie’s kürzlich für 116'500 Dollar den Besitzer. Der Zürcher Paradeplatz mag im Vergleich unbedeutend wirken, doch auch hier wird bekanntlich Finanz-Geschichte geschrieben.

Entsprechend kommt hierzulande dem einen oder anderen ebenfalls die Idee, eine blau-weiss-emaillierte Tafel eines mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ortes als Andenken zu ergattern: «Wir erhalten immer wieder Anfragen», sagt Heinrich Maag, der bei der Stadt zuständig ist für Hausnummern und Strassennamenschilder.

In den meisten Fällen wünschen sich die Anrufer ein Schild der Strasse, an der sie wohnen. Sehr beliebt sind auch jene mit Vornamen wie die Gertrud- oder die Josefstrasse. Denn die Leute wollen die Tafeln oft verschenken - an jemanden, der den gleichen Namen wie die Strasse trägt. Wenn der Name des Verwandten oder Bekannten als Strasse nicht existiert, fragen die Leute bei der Stadt nach, ob so ein Strassenschild speziell angefertigt werden könnte, so Maag.

200 Franken pro Laufmeter

Wenn es um neue Schilder geht, hilft die Stadt gerne weiter. Sie verweist die Anrufer an den luzernischen Hersteller M&M Public Design, der für Zürich die Strassenschilder fertigt. Bei Betriebsleiter Hans Erismann gehen denn auch regelmässig solche Wünsche ein. Für etwa 200 Franken pro Laufmeter produziert sein Unternehmen jedes Schild: «entweder in typischem Züri-Blau oder nostalgisch mit alter Schrift auf kobaltblau».

Anders sieht es aus, wenn sich Sammler melden, die alte Schilder suchen: Sie werden bei der Stadt nicht fündig. «Wenn wir Strassenschilder ersetzen müssen, entsorgen wir die alten», sagt Heinrich Maag. Sie zu lagern wäre zu aufwändig. Die alten Stücke zu versteigern, daran habe man nie gedacht. Hans Erismann von der Herstellerfirma gibt alte Tafeln ebenfalls nicht raus: «Wir wollen nicht, dass da ein Handel entsteht.»

Keine Nachfrage in Winterthur

In Winterthur wird mit alten Schildern gleich verfahren: «Es wird alles recycelt», sagt Lukas Mischler vom Baudepartement. Die Nachfrage sei in Winterthur aber auch sehr klein: «Uns fehlen vielleicht die grossen begehrten Namen wie ‹Bahnhofstrasse›», so Mischler. Schon beliebter seien Tempo-50-Schilder als Geschenk für 50. Geburtstage. Solche – neuen – Tafeln kann man bei der Stadt zum Produktionspreis bestellen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.06.2010, 15:35 Uhr

Das alte Schild der Wall Street: Die Tafel stand vor der New Yorker Börse und kostet heute über 100'000 Dollar. (Bild: Keystone )

Strassenschilder: Was ist erlaubt?

Wer sich eine Tafel mit einem Strassennamen kauft, kann diese nicht überall aufhängen. «Es darf keine Verwirrung entstehen», sagt Heinrich Maag von der Stadt Zürich. Lukas Mischler vom Winterthurer Baudepartement fügt an: «Im Garten kann man die Schilder anbringen, an der Hausmauer nicht.»

Auf Stadtzürcher Boden gibt es aber immer wieder Orte, wo «falsche» Strassennamen kürzer oder länger Schonfrist erhalten: Etwa der ZSC-Lions-Platz in Oerlikon oder der «Köbi-Kuhn-Platz WM 2006», der je nach Ausgang der aktuellen WM vielleicht ein Revival erleben könnte.

Im Normalfall werden unerlaubte Schilder aus Sicherheitsgründen aber entfernt, sagt Maag. Denn Polizei, Feuerwehr und Post müssen schnell und ohne Umwege vor Ort sein. Laut Maag kommt es zwar zwischendurch vor, dass Strassentafeln abmontiert werden, «aber von Verzeigungen ist mir nichts bekannt».

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