Alternativer wird Zürichs Polizeichef: «Sie müssen das einfach akzeptieren»

Überraschende Verteilung der Ämter in der Zürcher Stadtregierung: Der alternative Wolff erhält die Polizei, Daniel Leupi von den Grünen übernimmt die Finanzen. Beide wollten andere Posten.

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Am Mittwochvormittag teilte die Zürcher Stadtregierung mit, wie die Departemente verteilt werden: Daniel Leupi (Grüne) erhält die Finanzen, Richard Wolff (AL) die Polizei. Das ist eine Überraschung. Vor allem das Finanzdepartement als wichtigste Abteilung der Stadt wurde im Vorfeld viel eher den langjährigen Stadträten Andres Türler von der FDP oder Gerold Lauber von der CVP zugeschrieben.

Grösste Überraschung ist jedoch die Ernennung von Richard Wolff zum Chef des Polizeidepartements. Ein derart weit links stehender Politiker als Polizeivorsteher ist selbst im links-grünen Zürich ein Novum.

«Eines meiner Kernthemen»

Wolff äusserte sich skeptisch zu seinem neuen Amt und behalf sich mit einem Wortspiel: «Die Polizei ist nicht mein Wunschdepartement. Doch im Wort Polizei steckt auch ‹Polis› drin, also ‹Stadt›». Und Probleme des städtischen Raumes hätten ihn immer stark beschäftigt und interessiert.

Weiter führt er an, dass zum Polizeidepartement auch der Stadtverkehr gehört. «Das ist eines meiner Kernthemen.» Er habe deshalb ein lachendes und ein weinendes Auge. Auf die Frage, wie das Polizeikorps wohl auf ihn reagiere, sagt Wolff: Das ist sicher eine Überraschung. Er werde offen auf die neuen Mitarbeiter zugehen. Und er fügt an: «Sie müssen das einfach akzeptieren.» Ein positives Fazit über seinen neuen Posten mag er dennoch ziehen. Dass er das Amt erhalten habe, sieht er «als Vertrauensbeweis des Stadtrates» an.

Im Zusammenhang mit Wolffs Ernennung blickte Stadtpräsidentin Mauch zurück in die Vergangenheit: «Als mit Robert Neukomm erstmals ein Linker Polizeichef wurde, gab es auch einen Aufschrei.» dasselbe habe man erlebt, als danach mit Esther Maurer die erste Frau das Amt besetzte und mit Daniel Leupi der erste Grüne Polizeichef wurde. «Deshalb kann es jetzt auch ein Alternativer sein», sagte Mauch weiter.

Wechsel kam für Leupi «zu früh»

Den Entscheid für die Departementsverteilung fällte der Stadtrat nicht nur entgegen Wolffs Wünschen, sondern auch gegen Daniel Leupis persönlichen Absichten: «Der Wechsel kam für mich zu früh», sagte er gegenüber den Medien. Er habe sich im Stadtrat dagegen ausgesprochen. In der offiziellen Begründung schreibt der Stadtrat: «Im übergeordneten Interesse, durch ein bisheriges Stadtratsmitglied Kontinuität im Finanzdepartement zu gewährleisten, hat der Stadtrat anders entschieden.»

Der Stadtrat sei überzeugt, dass Richard Wolff «die notwendigen Voraussetzungen» mitbringe, um das Departement erfolgreich zu führen, heisst es in der Medienmitteilung. Die übrigen Stadtratsmitglieder behalten für den Rest der Amtsdauer 2010 bis 2014 ihre bisherigen Departemente.

Mauch temporär Finanzvorsteherin

Die Nachfolge Vollenwyders war Gegenstand ernster Diskussionen unter Stadtratsmitgliedern, Parteileitungen und einiger Gerüchte. Sicher war nur das Amt von Corine Mauch. Der Posten des Stadtpräsidiums steht erst bei den Gesamterneuerungswahlen im Februar 2014 zur Diskussion.

Leupi tritt sein neues Amt am 1. Juni an. Am gleichen Tag tritt Richard Wolff in seine Fussstapfen. In der Zwischenzeit leitet Stadtpräsidentin Corine Mauch stellvertretend das Finanzdepartement. Das erste Vizepräsidium wird neu an Stadtrat Gerold Lauber übertragen, das zweite Vize-präsidium nimmt Stadträtin Ruth Genner wahr.

Update folgt

Erstellt: 15.05.2013, 10:44 Uhr

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