«Am Flughafen kam letztes Jahr vieles zusammen»

Zürich ist in der Rangliste der pünktlichsten Flughäfen nach hinten durchgereicht worden. Unternehmenssprecherin Sonja Zöchling macht dafür besondere Umstände geltend.

Passagiere erkundigen sich an einem Schlechtwettertag über die Verspätungen.

Passagiere erkundigen sich an einem Schlechtwettertag über die Verspätungen. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Zöchling, in der neusten Pünktlichkeitsrangliste des Flugdatenbankbetreibers OAG liegt der Flufhafen Zürich nur noch auf Rang 19. Früher belegte Zürich unter den zwanzig bestbewerteten Betrieben vergleichbarer Grösse jeweils einen Platz im vorderen Drittel. Was ist passiert?
Da kam vieles zusammen. Der erste Grund ist, dass der Luftverkehr generell zugenommen hat. In den Spitzenstunden sind wir heute an der Kapazitätsgrenze. Wenn in dieser Zeit Verspätungen auftreten – insbesondere in der Morgenwelle –, können wir die den ganzen Tag über nicht mehr wettmachen.

Andere Flughäfen müssen ebenfalls einen zunehmenden Luftverkehr bewältigen, haben aber offenbar nicht die gleichen Probleme.
Andere Flughäfen haben grössere Kapazitäten als Zürich. Die besonderen Windlagen führen hier zudem zu drastischen Reduktionen der Kapazität, was an anderen Flughäfen nicht so ausgeprägt ist. Und letztes Jahr hatten wir häufig schlechte Wetterbedingungen.

Kommt noch ein weiterer Grund hinzu?
Ja, für den Betrieb des Flughafens Zürich gelten strenge Rahmenbedingungen. Es gab verschiedene Konzeptwechsel wegen politischer Vorgaben wie der einseitigen deutschen Durchführungsverordnung. Dadurch ist der Betrieb in Zürich sehr komplex.

Kopenhagen, Wien oder Oslo sind in der Rangliste viel weiter vorn als Zürich. Was läuft dort besser?
Kopenhagen und Oslo verfügen über ein Parallelpistensystem, das viel leistungsfähiger ist als das unsere. Oslo konnte zudem vor weniger als 20 Jahren einen neuen Flughafen auf der grünen Wiese realisieren. In Wien wird die Parallelpiste bald realisiert sein. Alle drei Flughäfen haben wesentlich höhere Stundenkapazitäten als Zürich. Auch die Betriebszeiten sind wesentlich länger als in Zürich mit seiner strengen Nachtflugregelung.

Auch Zürich hat im letzten Jahr neue An- und Abflugverfahren mit weniger Kreuzungen getestet. Hat dies zu zusätzlichen Verspätungen geführt?
Sie sprechen den Test während der Südanflüge an Wochenenden an. In diesem Testbetrieb wird zwischen 7 und 9 Uhr morgens von Süden her auf der Piste 34 gelandet und nach Norden gestartet. Starts auf der Piste 28 nach Westen entfallen in diesen zwei Stunden. Das heisst, in dieser Zeit steht eine Piste weniger für Starts zur Verfügung. Das hat zu Verspätungen geführt.

Laut der Pünktlichkeitsrangliste startet oder landet in Zürich jedes fünfte Flugzeug mehr als 15 Minuten zu spät. Wie viele davon haben grosse Verspätungen von einer Stunde und mehr?
Wir messen die Verspätungen nur bei Abflügen. Im letzten Jahr hatten rund 3 Prozent aller abfliegenden Maschinen eine Verspätung von über einer Stunde. Dafür ist in der Regel aber nicht der Betrieb am Flughafen Zürich verantwortlich.

Sondern?
Das sind jeweils aussergewöhnliche Situationen. Solch grosse Verzögerungen treten meist bei extremen Wettersituationen auf wie starkem Schneefall, aussergewöhnlichen Windverhältnissen und Gewitter. Andere Gründe sind Streiks im Ausland, Rotationsverspätungen oder technische Defekte.

Wie wollen Sie in Zürich die Pünktlichkeit wieder verbessern?
Wir haben mit dem Gesuch für das Betriebsreglement 2014 wichtige Neuerungen eingegeben, nicht zuletzt zur Verbesserung der Pünktlichkeit. Da ist einerseits die Entflechtung der An- und Abflugrouten im Ostkonzept. Heute kreuzen sich diese mehrmals. Hinzu kommt das Plangenehmigungsgesuch für die Schnellabrollwege auf den Pisten 28 und 34. Diese würden es den Flugzeugen erlauben, die Pisten nach der Landung rascher zu verlassen und für nachfolgende Flugzeuge freizugeben.

Und wann greifen diese Massnahmen ?
Bis sie umgesetzt werden können, dauert es mit den ganzen Rechtsmittelverfahren voraussichtlich noch ein paar Jahre.

Bis dahin bessert sich nichts?
Wir sind bestrebt, uns innerhalb der strengen Rahmenbedingungen für einen reibungslosen Flugbetrieb einzusetzen. Neu wurde eine Arbeitsgruppe, zusammengesetzt, bestehend aus Mitgliedern der Flugsicherung Skyguide, der Swiss, des Bazl und der Flughafen Zürich AG. Diese Gruppe arbeitet Massnahmen aus, welche – vor allem in den Spitzenzeiten – zur Verbesserung der Pünktlichkeit beitragen können.

Erstellt: 14.01.2015, 17:52 Uhr

Flughafensprecherin Sonja Zöchling (Bild: PD)

Auf die Rangliste klicken für eine grössere Ansicht

Erstmals mehr als 25 Millionen Passagiere

Der Flughafen Zürich verzeichnet für das Jahr 2014 einen neuen Passagier-Rekord: Erstmals sind über 25 Millionen Fluggäste in Zürich ein-, aus- oder umgestiegen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Passagierzahl um 2,5 Prozent, wie der Flughafen am Mittwoch mitteilte. Im Jahr 2014 nutzten 25'477'622 Passagiere den Flughafen. Dabei nahm der Anteil Lokalpassagiere im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu (plus 6,4 Prozent). Etwas weniger häufig wurde der Zürcher Flughafen hingegen zum Umsteigen genutzt (minus 5,5 Prozent).

Obwohl die Zahl der Passagiere um 2,5 Prozent stieg, gab es nur 1 Prozent mehr Flugbewegungen, weil die Maschinen im Durchschnitt grösser und besser ausgelastet waren. Insgesamt verzeichnete der Flughafen 264'970 Starts und Landungen. Die mit Abstand meisten Flüge waren von der Swiss (55,4 Prozent), wobei dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging (2013: 56,8 Prozent). Hinter der Swiss folgten Air Berlin (5,6 Prozent), Edelweiss Air (4 Prozent), Lufthansa (2,8 Prozent) und British Airways mit 2,2 Prozent. Auch die Zahlen aus dem Fracht-Bereich zeigen nach oben: Das Frachtvolumen stieg im Jahr 2014 um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden 429'830 Tonnen Fracht transportiert. (sda)

Artikel zum Thema

Startschuss für Milliardenprojekt am Flughafen

Jetzt ist es definitiv: Swiss Life und der Flughafen Zürich haben beschlossen, das Grossprojekt «The Circle» zu bauen. Die ersten Arbeiten beginnen bereits im Januar 2015. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Gross-Demo: Mit Schutzmaske und Schwimmbrille schützt sich ein Demonstrant vor einem Tränengas-Angriff der Polizei in Hong Kong am Sonntagabend. (21. Juli 2019)
(Bild: Getty Images / Ivan Abreu) Mehr...