Anonyme Kampagne gegen Genossenschaften

In grossen Tageszeitungen wird per Inserat nach Leuten gesucht, die von Negativerlebnissen mit Genossenschaftswohnungen berichten können. Urheber und Anlass liegen auf der Hand.

Hämische Genossenschafter und eine traurige Familie: Das Inserat, wie es im «Tages-Anzeiger», im «20 Minuten» und der «NZZ» erschien. Foto: hub

Hämische Genossenschafter und eine traurige Familie: Das Inserat, wie es im «Tages-Anzeiger», im «20 Minuten» und der «NZZ» erschien. Foto: hub

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Der geheimnisvolle Aufruf erschien in allen grossen Zürcher Tageszeitungen. Anonym, versehen bloss mit einer Postfachadresse. Gesucht werden Leute, die schlechte Erfahrungen gemacht haben mit Wohnbaugenossenschaften. Zum Beispiel, weil andere Mitbewerber für eine Wohnung den Vorzug bekommen haben, obwohl sie mehr verdienen. Die Kosten einer solchen Inseratekampagne belaufen sich schnell auf mehrere Zehntausend Franken.

Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet haben ergeben, dass hinter den anonymen Inseraten der Zürcher Hauseigentümerverband (HEV) steht. Involviert ist auch die Werbeagentur Goal von Alexander Segert, dem Erfinder umstrittener SVP-Plakatsujets wie den schwarzen Schafen. Die Zürcher SVP beteuert aber, mit den Inseraten nichts zu tun zu haben.

Abstimmungskampf gegen SP-Initaitive eröffnet

HEV-Direktor Albert Leiser will erst am Montag verraten, weshalb die Inserate ohne Hinweis auf den Urheber erschienen. Ihr Hintergrund liegt aber auf der Hand: Am 28. September kommt im Kanton Zürich die SP-Initiative «Für mehr bezahlbaren Wohnraum» zur Abstimmung. Sie will das Planungs- und Baugesetzt so ändern, dass Gemeinden künftig in bestimmten Bauzonen eine Mindestzahl an günstigen Wohnungen vorschreiben könnten.

Der Hauseigentümerverband hat bereits vor zwei Wochen den Abstimmungskampf dagegen eröffnet, zusammen mit den Wirtschaftverbänden. Die Stossrichtung ihrer Argumente stimmt mit jener in den nun veröffentlichten Inseraten überein: Wohnbaugenossenschaften seien nicht effektiver als renditeorientierte Immobilienbesitzer, wenn es darum gehe, günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Studien würden dies belegen.

Linke verstehen Ziel der Genossenschaften anders

Wie die Linke auf die sich abzeichnende Kampagne reagieren wird, ist absehbar. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, prominente Kämpferin für den gemeinnützigen Wohnungsbau, betont immer wieder, dass die Genossenschaften für den Mittelstand da seien, nicht nur für Menschen mit wenig Einkommen. Für diese gebe es subventionierte Wohnungen und Wohnzuschüsse. Die Märkte aber hätten angesichts der aktuellen Wohnungssituation versagt: Die Mieten seien so hoch wie noch nie, obwohl die Zinsen tiefer seien denn je.

Erstellt: 08.08.2014, 20:26 Uhr

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