Auf 33 Hektaren Bauland verzichtet

Der südöstliche Rand von Winterthur bleibt grün. Damit geht der Stadtrat einen neuen Weg – allerdings nicht freiwillig.

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Die Stadt Winterthur wird sich nicht weiter Richtung Tösstal ausdehnen. Oberseen wächst nicht mit Gotzenwil zusammen. Zwischen dem boomenden Quartier am Südostrand der Stadt und dem ländlichen Weiler wird es auch in Zukunft Äcker, Wiesen und Hochstammbäume geben. Das hat der Winterthurer Stadtrat gestern mitgeteilt. Er reagiert damit auf den wachsenden Widerstand der Bevölkerung gegen eine Überbauung dieses Gebiets.

Der Verein «Gotzenwil bleibt grün» hatte innert Kürze 1500 Unterschriften gesammelt. Er konnte dabei auf die Unterstützung prominenter Winterthurer und eines überparteilichen Komitees zählen; sogar die Junge SVP ging auf die Strasse und half mit beim Sammeln. Die Menschen hätten genug von der endlosen Bauerei und vom Verschwinden der Landschaft, sagte Silvia Zollinger, die den Protest koordiniert.

Der Stadtrat gibt nach

Das hat jetzt auch der Stadtrat eingesehen. Er ist einverstanden, dass der Hang vom Siedlungsgebiet ins Landwirtschaftsgebiet umgeteilt wird, wie es im Entwurf zum neuen kantonalen Richtplan vorgesehen ist. Der Regierungsrat will die Siedlungsfläche im Kanton gesamthaft reduzieren und hat dafür vor allem in Winterthur Potenzial gefunden, konkret in Gotzenwil. Bisher wehrte sich der Stadtrat gegen das Diktat aus Zürich. Einerseits aus finanziellen Überlegungen: Im Gebiet Gotzenwil besitzt die Stadt selber viel Land, und eine Grossüberbauung wäre für sie lohnend, wie eine Studie ergab.

Anderseits aus Autonomiegründen: Laut Bauvorsteherin Pearl Pedergnana (SP) wollte der Stadtrat nicht, dass der Kantonsrat über Bauen oder Nichtbauen in Winterthur entscheidet. Pedergnana weist zudem darauf hin, dass Winterthur in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits 87 Hektaren Bauland ausgezont hat.

Noch bevor der Richtplan im Frühsommer vors Parlament kommt, hat sich der Stadtrat jetzt mit dem Kanton geeinigt. Er verzichtet auf 33 Hektaren und damit einen Grossteil des heutigen Siedlungsgebiets in Gotzenwil – aber nicht auf das ganze. 6 von 39 Hektaren sollen im kantonalen Richtplan bleiben. Es handelt sich um die Fläche zwischen Gotzenwil und Weiherhöhe.

Die beiden Weiler sollen zusammenwachsen können. Gotzenwil sei die einzige grössere Landreserve von Winterthur, die vor allem für Familien attraktiven Wohnraum biete, begründet der Stadtrat den neuen Vorschlag. Dieser ist laut Pedergnana ein Kompromiss zwischen der Stadt und dem kantonalen Amt für Raumentwicklung und entspricht der Schlussfolgerung einer Studie, welche die beiden in Auftrag gegeben hatten. Die Studie unterstütze die zentrale Forderung des Vereins «Gotzenwil bleibt grün», wonach der Hang Richtung Seen unüberbaut bleiben soll, heisst es in der gestrigen Medienmitteilung.

Gotzenwil kämpft weiter

Wenn der Stadtrat aber meinte, damit sei der Protest vom Tisch, täuscht er sich. «Wir wollen das ganze Siedlungsgebiet Gotzenwil aus dem Richtplan draussen haben», sagt Silvia Zollinger, «wir wollen keinen Riegel.» Die zur Überbauung vorgesehene Fläche sei bestes Ackerland, «deshalb unterstützt uns auch der Bauernverband». Die Gotzenwilerin wird heute mit Gleichgesinnten nach Zürich reisen und dem Regierungsrat mit einer Aktion auf dem Walcheplatz aufzeigen, dass «die Stadtregierung nicht gleich Winterthur ist».

Für den Fall, dass der Kantonsrat den Richtplan wie vom Stadtrat beantragt gutheisst, kündigt Zollinger weitere Schritte an, zum Beispiel eine Volksinitiative. Sie ist überzeugt, dass eine Überbauung zwischen den beiden Weilern – die Rede ist von kleinen Blöcken und Einfamilienhäusern – für die Stadt ein Verlustgeschäft wäre. Denn dafür müsste die Infrastruktur angepasst werden. So wäre etwa die Buslinie von Oberseen nach Gotzenwil zu verlängern. Der Stadtrat plant auf dem strittigen Landstück ein «Angebot für spätere Lebensphasen». Das Land gehört teils der Stadt und teils einer Genossenschaft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2012, 11:42 Uhr

Soll weitgehend unverbaut bleiben: Gebiet zwischen Oberseen und Gotzenwil.

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