Ausland macht sich lustig über «Sex in der Box»

Die Welt amüsiert sich über die netten Piktogramme und die straffe Organisation auf dem neu eröffneten Zürcher Strichplatz. Manche Kommentatoren äussern aber auch ernsthafte Kritik.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Drive-in-Sex», «Sex-Garagen», «Prostitutionspark»: Im Ausland, sogar in Japan, interessiert man sich heiss für das Zürcher Sexboxen-Experiment, staunt allerdings über die unromantische Einrichtung und spart nicht mit spöttischen Bemerkungen zur Regulierungswut der Schweizer. Auch die Geschäftstüchtigkeit der Stadt Zürich in Prostitutionsfragen wird kritisiert: «Sex Drive-In Opens for Business in Zurich» titelt die britische «Sky News». Immerhin sei alles klar geregelt und gut organisiert: «Kunden müssen älter als 18 sein, nur einer pro Wagen, und Kondome werden gleich nach dem Gebrauch in den dafür vorgesehenen Eimern entsorgt.»

Bei «Spiegel online» ist der Strichplatz die Topstory des Tages. «Sex in der Box» titeln die Deutschen. So gut wie alles im neuen «Prostitutionspark» unweit des Hauptbahnhofs sei mit «Schweizer Gründlichkeit» geregelt. Dazu liefert er eine Bildstrecke, in der der Strichplatz eher an eine frisch eröffnete Gokart-Bahn erinnert als an einen Freilicht-Puff. Hämische Freude hat der «Spiegel» auch an der Beschilderung: «Kein Auto, kein Sex: Das macht die Piktogrammtafel am ersten amtlichen Strichplatz der Schweiz in leicht verständlicher Symbolik klar. Wer auf Fahrrad oder Motorrad kommen will, wird enttäuscht. Alles durchgestrichen. Ein dickes Kreuz auch über einem Auto, in dem neben dem Fahrer eine weitere Person sitzt.»

«Bretterverschläge für Millionen»

Der «Süddeutschen» mangelt es ebenfalls an Charme auf dem Zürcher «Striktplatz», wie sie ihn verspielt nennt: «Romantik sieht anders aus», aber vielleicht gewinne der Ort ja wenigstens nachts ein wenig, schreibt sie. Der Rundkurs sei ein wenig angelegt wie das Drive-in eines McDonald's-Restaurants. Der Platz erinnere allerdings an einen Garagenhinterhof in einer Vorstadt, «ein lieblos aufgeworfener Erdhügel, ein paar Bretterverschläge mit Plastikplane». Man wundert sich zudem, «warum diese Baracken die stolze Summe von 2,4 Millionen Schweizer Franken verschlungen haben». Immerhin erwähnt die «Süddeutsche», dass Sexboxen in Köln und Essen, also deutsche Einrichtungen, Vorbild für die Zürcher Sexboxen waren.

Ebendiese Vorbilder im Ausland geben dem britischen «Independent» Anlass zur Kritik: Während die Sexboxen in vielen deutschen Städten zu einer Abnahme der Gewalt gegen Prostituierte geführt hätten, sei das Experiment in Dortmund 2011 abgebrochen worden, weil diese nach nur vier Jahren Betrieb unter die Kontrolle osteuropäischer Gangs gefallen seien.

Kreativ auf Spanisch

In Spanien und Lateinamerika ist man am kreativsten, was die Namen für die Sexboxen angeht. Von «garajes del sexo» schreiben der mexikanische «Milenio» und «El Tiempo» in Kolumbien – von Sexgaragen also. Von «cabinas para sexo casual», Kabinen für beiläufigen Sex, spricht die katalanische «La Vanguardia».

Während die Sexboxen-Berichterstattung bei den Lesern heute Morgen vielerorts auf verhaltene Zustimmung stösst und die Kommentare meist erstaunlich differenziert sind, entspinnt sich beim britischen «Telegraph» eine hitzige Diskussion. Leserin Jones etwa stört sich an den 5 Franken pro Nacht, die Zürcher Prostituierte der Stadt entrichten müssen. «Wenn die Regierung Geld verdient an Menschen, die verzweifelt genug sind, ihre Gesundheit zu riskieren, indem sie Sex mit Fremden haben, macht das die Regierung nicht zum Zuhälter?» Andere der über 8o0 Leserkommentarschreiber scheinen von der Zürcher Idee begeistert zu sein. «Das scheint mir der perfekte Ort zu sein, wenn einem das Benzin ausgeht», schreibt einer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.08.2013, 13:29 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir werden nicht zulassen, dass aus der Brunau ein Sihlquai wird»

Laut Stadtrat Martin Waser (SP) spricht die wirtschaftliche Logik für den Strichplatz in Altstetten. Persönlich sei ihm das Gewerbe der Prostitution zuwider. Mehr...

Neun Boxen, zwei Stehplätze und vier Wohnwagen für Sex

Ende August wird der Strichplatz in Altstetten eröffnet und das Sihlquai geschlossen. Die Regeln sind strikt. Eine erste Fahrt über das Gelände zeigt, wo sich die Freier künftig aufhalten sollen. Mehr...

Strassenprostitution nur noch an drei Orten

Im August 2013 soll der neue Strichplatz in Altstetten seine Tore öffnen. Ab dann dürfen Dirnen nur noch dort, in der Brunau und im Niederdorf anschaffen. Und: Sie müssen volljährig sein. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Deshalb lassen sich Frauen online gut abschleppen

Hör auf, Frauen Drinks zu spendieren, und konzentriere dich besser darauf, beim Casual Dating Gas zu geben. Die Chancen auf eine heisse Nacht sind auf den Erotik-Portalen deutlich besser.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...