Baby-Boom bringt Spitäler an den Anschlag

Volle Gebärsäle, ausgebuchte Maternités: Zürich erlebt derzeit eine Geburtshausse. Am Triemli wurden schwangere Frauen gar abgewiesen.

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In der Maternité des Zürcher Triemli-Spitals herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb: Das Personal hat alle Hände voll zu tun. Das Triemli bewegt sich an der Kapazitätsgrenze – und manchmal auch darüber: «Vor 3 Wochen haben wir zwei Frauen an andere Spitäler verwiesen, weil alle unsere Gebärsäle besetzt waren», erklärte Direktionsassistent Karl-Anton Wohlwend, am Mittwoch auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Auch junge Mütter bekommen die Geburten-Hausse zu spüren: Die Suche nach einer Betreuungsperson für den neugeborenen Nachwuchs kann nervenaufreibend sein, viele Anlaufstellen sind ausgebucht.

Viel Betrieb, aber kein Notstand

Der Baby-Boom in Zürich lässt sich in Zahlen fassen: Letzte Woche verhalfen die Ärzte des Stadtspitals Triemli bereits dem 1000 auf die Welt – das ist mehr als in den Jahren zuvor: «Wir rechnen damit, dass bis Ende Jahr insgesamt 1570 Kinder im Triemli auf die Welt kommen werden. Das sind gut 120 Geburten mehr als im vergangenen Jahr», so Wohlwend. Angesichts der Babyschwemme von einem Notstand zu sprechen, hält er allerdings für vermessen: «Wir sind jederzeit in der Lage, Notfälle aufzunehmen.»

Die Zunahme von Geburten am Triemli ist vergleichbar mit der Geburtenentwicklung in anderen Spitälern Zürichs. Überall platzt die Geburtenabteilung aus allen Nähten: Am Universitätsspital Zürich registrieren die Spitalverantwortlichen eine zehnprozentige Steigerung im Vergleich zum Vorjahr – bis Ende Jahr rechnen sie mit 2'500 Geburten, im Vorjahr waren es noch gut 2'200.

«Statistiker relativieren»

Weisen die steigenden Geburten an den grössten Zürcher Spitälern auf einen Baby-Boom hin, wie dies der «Blick» in der heutigen Ausgabe propagiert? Hanspeter Bucher vom statistischen Amt des Kantons Zürich winkt ab: «Ich würde heute allenfalls von einem Babyboom auf tiefem Niveau sprechen. Die Geburtenzahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen - aber nicht sehr stark.» Zum Vergleich: In den Jahren 1963-65 kamen in Zürich jährlich über 18'000 Kinder zur Welt. 2007 waren es bloss 13'800 Geburten - und dies obwohl die Bevölkerungszahl in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. Fazit Buchers: «Der wirkliche Babyboom in der Nachkriegszeit besass ganz andere Dimensionen.»

Mehr Frauen in gebärfähigem Alter

Ausschlaggebend für die bemerkenswerte Zunahme an Geburten ist für Bucher vor allem der Umstand, dass die Bevölkerung im Kanton Zürich stetig gewachsen ist. «Es gibt heute im Kanton Zürich mehr Frauen in gebärfähigem Alter als noch vor einigen Jahren.» Dass es wieder mehr Mode ist, Kinder zu haben, widerspiegelt sich in der Statistik kaum. Schweizer Frauen haben heute nur minim mehr Kinder als noch vor einigen Jahren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2008, 11:36 Uhr

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